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„Richtig“ essen

In der letzten Zeit befasse ich mich wieder öfter mit den Themen Ernährung und Gewicht. Ich hatte dazu schon mal zu bloggen versucht, aber wie so oft, seit ich dieses Blog hier schreibe, blieb ich mitten im Artikel stecken. Ich denke, ich habe noch immer nicht für mich rausgefunden, wo ich die Grenze zwischen Privatleben und Blog ziehe.

Ernährung ist kein konfliktfreies Thema für mich. Es ist verknüpft mit Traumatisierungen, und das auch noch in unterschiedliche Richtungen, so daß ich eigentlich ein wenig konfus fühle, was die Frage nach gesunder Ernährung betrifft. Ich habe mich in meinem Leben omnivor, ovo-lakto-vegetarisch und vegan ernährt und fühle mich insgesamt der Vollwertkost nach Bruker verbunden, wenngleich ich sie weder vollständig umsetzen kann noch will. Das Einzige, was ich wirklich als korrekte Aussage über gesunde Ernährung anerkenne, ist ein Satz von Pollmer. Sinngemäß hat er in einem Internetvortrag gesagt, daß der Terminus „gesunde Ernährung“ Schwachsinn sei, weil gesunde Ernährung für jeden Menschen etwas anderes ist. Meine eigene Idealernährung zu finden, ist ein Prozeß, der auch nach Jahren des Experimentierens nicht an einem vermeintlichen Ziel angekommen ist. Ich finde immer noch Neues heraus und habe auch noch immer Spaß daran.

Ich glaube, in den letzten zwei Jahren bin ich etwas gemäßigter geworden, was meine Überzeugungen von Richtig und Falsch angeht, nicht nur, aber auch in puncto Ernährung. Das Thema ist zu komplex und die einzelnen Dinge sind zu verwirrend miteinander verquickt, als daß ich alles im Blick haben könnte. Wenn man allein versucht, eine einzige Sache, die man als richtig für sich erkannt hat, konsequent zu verfolgen, zupft man damit an so vielen anderen Fäden, daß letztlich ja doch wieder das ganze Netz mitschwingt. Ich habe z.B. das Problem, daß ich mich eigentlich gern vorrangig regional ernähren würde, daß ich aber allein mit Äpfeln echt nicht durch den Winter komme. Ich würde gern plastikfrei(er) einkaufen, aber selbst Radieschen werden mit Gummiband verkauft. Ich neige dazu, bei sowas schnell extremistisch zu werden, und ehrlich gesagt tut mir das nicht besonders gut.

In den letzten Monaten habe ich mich wieder vermehrt mit Vollwertkost beschäftigt. Wie ich weiter oben schon schrieb, kann und will ich diese nicht konsequent umsetzen. Ja, sie funktioniert, ja, sie schmeckt, und ja, ich habe das auch schon zu 100% gemacht. In meiner derzeitigen Lebenssituation würde 100% Vollwert nach Bruker für mich aber einen Verzicht auf ein paar Dinge bedeuten, die ich sehr gern esse, wie etwa aushäusige Pizza (nachdem ich endlich einen Pizzabäcker gefunden habe, der milchfreien Teig anbietet, mir Pizza ohne Käse macht und einen Steinbackofen hat), ein paar süße und deftige Knabbereien, Zucker in den Tee etc. Freilich könnte ich für diese Dinge Alternativen finden – aber das würde ich nur tun, wenn es mir mit 100% Vollwert ernst wäre. Und das ist es eben nicht.

Ich kann mich wirklich für Ernährung, Kochen und Backen begeistern, aber mir ist auch klar geworden, daß das für mich immer ein Tanz am Rande des Vulkans ist. Ich habe eine Eßstörung, die schrägerweise ziemlich in Mode ist, nämlich Orthorexie. Das bedeutet, ich möchte mich möglichst gesund ernähren. Klingt ja erstmal etwas merkwürdig: warum soll es ein Problem sein, wenn man sich gesund ernähren will? Weil es zu Schwarz-Weiß-Denken führt und man im Extremfall einen Kontrollfimmel kriegt. Das Ganze hat sich bei mir natürlich nicht im luftleeren Raum entwickelt. Wie ich schon schrieb, hängen meine Traumatisierungen auch mit Essen, Körperbild und Bewertung zusammen, und wie alle Traumainhalte hat sich auch das in meinem Denken und Leben eingenistet – und in meinem Körper.

Traumata manifestieren sich ja in verschiedener Weise auf physischer Ebene. Beispielsweise kann man abbilden, daß das Gehirn eines Menschen mit kPTBS anders „feuert“ und damit anders funktioniert als das Gehirn eines Nicht-Traumatisierten. Auch ist der Hormonstatus von Traumatisierten verändert. Insbesondere die sog. Streßhormone machen uns zu schaffen, und dabei denke ich jetzt z.B. an Cortisol. In Streßsituationen schnellt das Cortisol nach oben, was uns dazu befähigt, schnell Energie freizusetzen, um zu kämpfen oder zu flüchten. Macht in Gefahrensituationen absolut Sinn. Wenn einem das Gehirn aber vorgaukelt, daß permanent Streß besteht und der Cortisolspiegel dadurch dauerhaft hoch ist, führt das zu Problemen. Eins davon ist Übergewicht. In der Regel haben Ärzte nicht allzu viel Ahnung von den Zusammenhängen von PTBS, Streß, Cortisol und den ganzen möglichen Manifestationen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Co. Für Schulmediziner ist ein übergewichtiger Mensch mit Bluthochdruck mit Blutdruckmitteln therapierbar. Ist er das nicht, macht er was falsch. Das heißt, eigentlich macht er eh etwas falsch, weil er nämlich übergewichtig ist. Klar.

Normalerweise glauben Ärzte mir nicht, wenn ich ihnen erzähle, was und wie viel ich esse und daß ich regelmäßig Sport mache, weil ich dabei nämlich irgendwann in den letzten zehn, zwölf Jahren mal Gewicht hätte verlieren müssen. Aber genau das passiert nicht. Umgekehrt kann ich soviel Fast Food in mich reinstopfen, wie ich will, ich nehme dabei nicht zu. Stoisch bleibt mein Körper bei seinem Gewicht. Irgendwie ist das ja auch gut, denn ein stabiles Gewicht ist immer eine gute Sache, selbst wenn es stabil hoch ist. Aber irgendwie nervt mich das auch, wenn sämtliches Optimieren nichts bringt (hallo Orthorexie, schön, daß Du mal wieder reinguckst).

Mir sind die Zusammenhänge zwischen PTBS, Streß, Gewicht und Orthorexie bewußt und ich kann damit alles in allem ganz gut umgehen. Die meisten anderen Menschen (auch die in weißen Kitteln) haben davon keine Ahnung. Was sie sehr wohl haben, sind allerhand Vorurteile und Ratschläge: nicht soviel essen. „Besser“ essen. Weniger naschen. Keine Softdrinks. Sport machen. Gähn. Als hätten wir Dicken davon nicht auch schon mal gehört, so am Rande. Als hätten wir das nicht schon alles durch.

Ich finde es durchaus schwierig, mit ernährungsbezogenen Traumata in einer Gesellschaft zu leben, in der so getan wird, als sei das eigene Körpergewicht nicht mehr als eine Entscheidung, und in der Fehl- und Mangelernährung hip und trendy sind (Stichworte Proteindiät, Süßstoffe, Convenience Food, Koffeinmißbrauch, Magenverkleinerung, Kleidergröße null). In unserer Gesellschaft werden Binsenweisheiten, die sich längst überholt und selbst als falsch entlarvt haben, dennoch weiterhin kolportiert, wie z.B. daß Fett das Problem sei (Stichwort fettfreie Kost) und daß Abnehmen funktioniert, indem der Kalorienverbrauch die Kalorienaufnahme übersteigt. Doppelgähn.

Was ich mir für mich wirklich wünsche, ist, endlich gelassener mit dem Diktat des Schlankseins umgehen zu lernen, und mich auf das zu besinnen, was mir wichtig ist: möglichst vollwertige, abwechslungsreiche Kost mit viel Vollkorn, Gemüse und Obst, in der auch für drei Würfel Zucker täglich und gelegentliche fabulöse Burger mit in Mayo ersoffenem Salat Platz ist. Nur mit Gelassenheit und radikaler Akzeptanz werde ich den Dauerstreß senken können, und Essen, das mich nicht nur am Leben hält, sondern das beim Zubereiten und Verzehren Freude bereitet, ist ein wichtiger Aspekt meiner Therapie.

Liam, 24.08.2016, 10:17 | Abgelegt unter: Fruit & Root,PTBS | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Freitag war es noch ganz schön, zog sich aber zu. Samstag war es eher grisselig und regnerisch. Sonntag war durchwachsen, irgendwas zwischen Grau und Blau.

[Gemacht] Dieses Wochenende war für mich drei Tage lang. Am Freitag waren wir in der Bibliothek, wo es gerade eine Ausstellung zu Badischen Kochbüchern von 1770 bis 1950 gibt. Der Eintritt ist frei. Mir hat die Ausstellung total gut gefallen (ich habe ja eh einen Kochbuchspleen^^). Im Netz kann man einige Bücher einsehen, die von der BLB digitalisiert wurden. Was mich übrigens ganz besonders fasziniert hat, war der eingeweckte Spargel von 1908 🙂 Im Anschluß sind wir in den Biergarten abgewandert und haben moderne Kochbücher geschmökert. Abends haben wir die weltbesten Burger gebraten und einen Film geguckt, bevor ich noch gelesen und Spanisch gelernt habe. Samstag sind wir nach dem Frühstück Richtung Schwarzwald gefahren, wo wir eigentlich Wasserfälle angucken wollte. Weil es aber unterwegs zu regnen anfing, sind wir kurzerhand bei Iffezheim über den Rhein ins Elsaß. Da waren wir in einem Supermarché (es ist kein Vorurteil: Franzosen packen überall Butter rein…sogar in Hummus…), haben uns dann in Betschdorf auf den Dorfplatz gestellt und im Auto gepicknickt. In Altenstadt waren wir in einer Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Haben uns dann noch ein wenig die Gegend angeguckt und sind über die Pfalz wieder heim gefahren. Später abends habe ich gelesen und am Rechner getüdelt. Sonntag war unser Haushaltstag. Mein Mann hat gewischt, ich habe das Bett bezogen, einen Kuchen gebacken, Aufstrich gemacht und Abendessen gekocht. Zwischendrin hatte ich Zeit für Sport, ein Buch und Spanisch.

[Crafts’n’Arts] Nöp.

[Garten] Die ersten Scotch Bonets werden rot <3

[Gesportelt] Das erste Mal nach dem Hexenschuß und der Erkältung, also ganz vorsichtig. Bin geradelt und habe freies Krafttraining gemacht.

[Gehört] Rival Sons. Sonne Hagal. Omara Portuondo. Death In June. Buena Vista Social Club. Illuminati.

[Gelesen] Amy Brill: Die Frau, die Sterne fing. Ausführliche Rezension am Ende des Monats.

[Gesehen] Eine Folge von The Librarians, aber damit klinke ich mich aus der Serie aus – ist mir zu albern.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee und Cola.

[Gegessen] Neben den geplanten Sachen: Frischkornmüsli unterschiedlicher Art. Frisches Baguette mit Guacamole. Geröstete Erdnüsse mit Kaffeesirup. Pfifferlinge.

[Gedacht] Daß mir offenbar das Gen für Sensibilität in Bezug auf Musik, die möglicherweise rechts sein könnte, fehlt. Ist mir eigentlich egal, ob Musiker rechts sind, solange mir ihre Musik gefällt. Und mir ist auch egal, ob das politisch voll inkorrekt ist, weil ich nicht daran glaube, daß jemand urplötzlich rechts wird, weil er die „falsche“ Musik hört. Ansonsten wäre ich sicher schon längst ein sadistischer Serienkiller, angesichts der Masse von Filmen, die ich darüber geguckt habe, oder in Hinblick auf alle zu dem Thema gelesenen Bücher ein Sack Vollkornschrot. That much for Neofolk, serial killers and Schrot.

[Gekauft] U.a. sehr coolen Senf mit getrockneten Tomaten, Vinaigrette und Löffelbiskuits.

[Spirituelles] In der Kirche St. Ulrich gab es wunderschöne Buntglasfenster. Eines davon zeigte die Szene, wie Brot vom Himmel fällt. Habe es ja nicht so mit biblischen Geschichten und dem Christentum, aber dieses Fenster hat mich ein bißchen erahnen lassen, wie schön das sein muß, wenn man durch die Wüste latscht und einem Brot angeboten wird. So im übertragenen Sinne.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich möchte endlich mal wieder Hanteltraining machen und zwei Bücher beenden. Außerdem ist da noch ein Berg Wäsche, der mich immer so lüstern anguckt…nehme an, dem kann ich mich nicht mehr lange entziehen.

Liam, 21.08.2016, 20:16 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #84

Mir fällt auf, daß es Wochen gibt, in denen es mir leicht fällt, außerhalb bestimmter Kategorien von Nahrung zu denken. Da fällt es mir dann auch leicht, einen abwechslungsreichen Speiseplan zu erstellen. Und dann gibt es Wochen, wo ich sozusagen vor vollen Gemüsekisten verhungere, weil mir nichts dazu einfällt, was ich kochen könnte. Ich frage mich, ob das auch anderen bei der Lektüre der Speisepläne auffällt?

In der kommenden Woche jedenfalls gibt es:

  • Donnerstag: mit Cumin und Honig geröstete Möhren, dazu Falafel und Couscous (vegetarisch)
  • Freitag: Burger, dazu Waldorfsalat (omnivor)
  • Samstag: Curry mit grünen Bohnen, dazu Basmati (vegan)
  • Sonntag: Miniknödel mit Blattspinat und Kichererbsen (vegetarisch)
  • Montag: Broccolicremesuppe (vegetarisch)
  • Dienstag: Sellerieschitzel, Zwiebelsauce und Kartoffelpüree (vegetarisch)
  • Mittwoch: Brotzeit (vegetarisch)
Liam, 18.08.2016, 12:45 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Ganz schön war’s, zwar warm, aber nicht so feucht.

[Gemacht] Eigentlich war ich nur erkältet und hexenschussig. Uneigentlich habe ich ein Buch in der Bibliothek abgeholt, war kurz was einkaufen, habe viel im Bett und auf dem Sofa rumgelümmelt und irgendwie wie Zeit verschlampert, z.B. mit einem Wimmelbildspiel. Mir ist aufgefallen, daß ich immer um die Jahresmitte herum krank bin, als wenn ich auf dem Höhepunkt eine Auszeit nehmen soll. Kam mir nicht ungelegen. Außerdem mache ich im Liegen gerade niedliche Predator-Geräusche.

[Crafts’n’Arts] Nope.

[Garten] Ich habe zumindest ein bißchen auf der Terrasse gesessen und meine Chilis bewundert.

[Gesportelt] Nope. Obwohl sich jede Bewegung wie ein Marathon angefühlt hat.

[Gehört] Dan Brown: Illuminati.

[Gelesen] Zoran Perowanowitsch: Pilgern auf dem Jakobsweg. Ein total schwermütiges und irgendwie negatives Buch. Ich quäle mich da so durch.

[Gesehen] Mr Holmes. Ebenfalls total schwermütig und ich habe mich hier ebenso durchgequält. Habe die ganzen Dramen, die der Film aufwirft, als künstlich und überflüssig empfunden. Dann noch ein Film mit Tom Wilkinson, dessen Titel ich vergessen habe, und der auch irgendwie nur mittelmäßig war.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee und Cola.

[Gegessen] Abgesehen von den Plansachen nicht viel. Ein paar scharfe Nüsse, ein paar vegane Trüffel und etwas Mango. Außerdem habe ich sehr schnelle vollwertige Brötchen gebacken, die unfaßbar lecker waren.

[Gedacht] Habe darüber nachgedacht, was mir wirklich wichtig ist. Das geht scheinbar im Alltag gern mal unter.

[Gekauft] Reisnudeln, Teriyakisauce und Tofu.

[Spirituelles] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Erstmal wieder gesund werden.

Liam, 14.08.2016, 22:48 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Warum eigentlich pilgern?

Die offensichtlichste Frage, wenn jemand erzählt, daß er pilgern gehen will, lautet: machst Du das aus religiösen Gründen? Noch immer ist es ja so, daß Pilger beim Ausstellen des Pilgerausweises angeben, was ihre Motivation für den Jakobsweg ist, und die meisten sagen tatsächlich, es seien religiöse Gründe. Andere oft genannte Gründe sind Umbrüche/Veränderungen im Leben und kulturelles Interesse. Es heißt, Menschen gehen den Jakobsweg, wenn sie in ihrem Leben keinen anderen Weg mehr sehen und neue Perspektiven brauchen – so wird der äußere zum inneren Umbruch. Manche gehen ihn, um Vergebung für ihre Sünden zu erlangen oder weil sie das Versprechen gegeben haben, nach Santiago zu marschieren. Ich nehme an, letztlich sind die Gründe so verschieden wie die Menschen selbst.

Während ich das hier nun schreibe, wird mir bewußt, daß ich seit Tagen an diesem Eintrag schreibe. Habe ihn x-mal begonnen, umgebaut, dann wieder gelöscht und nochmal angefangen. Warum ist es bloß so kompliziert, über meine Gründe für den Jakobsweg zu schreiben?

Ich bin nicht religiös. Das Göttliche und ich haben eine lange Irrfahrt miteinander unternommen, in der so ziemlich alles vorkam von Atheismus über Naturspiritualität, von einem Theologiestudium bis hin zum Kirchenaustritt. Heute sehe ich es einigermaßen pragmatisch: Religion und Spiritualität sind in bestimmten Gehirnbereichen verortet. Mein Gehirn ist strukturell durch die kPTBS geschädigt und demnach funktioniert das mit der Spiritualität nicht. Religion/Spiritualität scheinen mir im höchsten Maße von Emotionen geprägt zu sein und da ich keinen besonderen Kontakt zu meinen Emotionen habe, zündet da nichts. Religiöse Verzückung oder Schwärmerei liegt mir absolut fern. Finde ich eher skurril und für mich selbst komplett unnötig. Mag sein, daß es da „irgendwas“ gibt, aber dieses „Irgendwas“ kenne ich nicht näher und wir kommen ziemlich gut ohne einander aus. Kurz und gut, religiöse Gründe sind es sicher nicht, die mich den Jakobsweg machen lassen.

Kleiner Einschub: als ich schon längst die kPTBS hatte, hat es dennoch Zeiten gegeben, in denen das mit der Spiritualität geklappt hat. Das habe ich lange nicht begreifen können. Mittlerweile nehme ich an, daß die Auseinandersetzung in der Therapie und das Bewußtsein dafür, was es bedeutet, PTBS zu haben, dazu geführt haben, daß ich bestimmte Symptome besser bzw. deutlicher wahrnehme. Ich bin nicht mehr versucht, „irgendwie“ mit den Symptomen zu leben oder sie zu ummänteln, damit ein paar Dinge besser oder überhaupt klappen – anders als früher.

Zurück zum Pilgern. Vor etwas mehr als 20 Jahren kam der Gedanke, nach Santiago zu pilgern, das erste Mal für mich auf. Rückblickend verstehe ich das sehr gut, denn damals steckte ich in einer existentiellen Krise, die eine Pilgerschaft sehr gut vertragen hätte. Ich bin jedoch nicht gegangen, bin dem Ruf nicht gefolgt. Meine Gründe kann ich noch heute nachvollziehen, allerdings würde ich mit dem zeitlichen und emotionalen Abstand, den ich heute habe, der Person von damals gern zurufen: tu es! Der Weg hat eigentlich nie Ruhe gegeben. Immer ist er in meinem Leben mitgelaufen, mal ganz nah, mal weiter weg, mal haben wir uns aus den Augen verloren, mal stand ich mitten drauf. Offensichtlich bin ich in den ganzen Jahren schon ein Jakobspilger gewesen, ohne mir dessen bewußt zu sein.

In den letzten Jahren wurde der Ruf wieder drängender. Tatsächlich, ich empfinde das als einen Ruf. Von wem er ausgeht, weiß ich nicht, aber ich kann das Rufen immer drängender wahrnehmen. Mir ist klar geworden, daß ich es in der Stunde meines Todes als eines der größten Versäumnisse ansehen würde, den Jakobsweg nicht gegangen zu sein. Ich nehme an, wenn man das so deutlich sagen kann, sollte man alles daransetzen, es zu tun. Gleichzeitig spüre ich, daß das Wichtigste die Entscheidung war, es zu tun. Einfach nur Sehnsucht zu haben und zu glauben, der Jakobsweg sei für mich nicht machbar, führte nur dazu, daß die Sehnsucht schlimmer wurde. Mich entschieden zu haben, es zu tun, hat sehr viel Druck von mir genommen.

Ich denke, daß der Ruf wieder drängender geworden ist, und zwar soweit, daß ich ihn wirklich nicht länger ignorieren kann, liegt auch diesmal daran, daß ich mich in einer Art existentiellen Krise befinde. Ich spüre, daß ich vor einem großen Umbruch stehe und sehne ihn auch herbei. Noch ist er jedoch diffus, weil ich gar nicht alle Möglichkeiten kenne. Ich weiß nur, daß es nicht weitergehen kann wie bisher, auch wenn mir noch ein paar Puzzleteilchen fehlen. Ich erhoffe mir Klarheit vom Jakobsweg. Ein paar Wochen nur für mich Zeit haben, rausgelöst aus dem Alltag, erscheint mir sehr verlockend. Was ich wohl hören werde, wenn ich in die Tiefe lausche?

Liam, 14.08.2016, 11:55 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #83

  • Freitag: vollwertiger Gemüsekuchen (vegetarisch)
  • Samstag: Paella-artige Reispfanne (omnivor)
  • Sonntag: Pizza mit Schinken, Nektarinenspalten und Frühlingszwiebeln (omnivor)
  • Montag: Teriyaki-Nudeln (vegan)
  • Dienstag: Blumenkohlsuppe, dazu Brötchen (omnivor)
  • Mittwoch: Staudenselleriegratin mit Rösti (omnivor)
Liam, 12.08.2016, 20:24 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Paßwortgeschützte Jakobsweg-Einträge

Vor kurzem habe ich davon geschrieben, daß ich im kommenden Jahr nach Santiago de Compostela pilgern werde. Im Vorfeld wird es hier ein paar Einträge über diese Reise geben, von denen manche paßwortgeschützt sein werden. Falls Du diese gern lesen möchtest, kannst Du mir eine E-Mail an william[at]gruener-mann[.]de schicken und das Paßwort anfordern. Falls wir uns noch nicht kennen sollten, schreib mir doch bitte dazu, wie Du auf mein Blog aufmerksam geworden bist und warum Dich die Pilger-Artikel interessieren. Bist Du selbst schon einmal nach Santiago gegangen oder möchtest das noch tun? Oder findest Du so eine Reise einfach spannend?

Liam, 09.08.2016, 10:45 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Samstag war es ganz angenehm, Sonntag war wärmer und daher für mich nicht so toll.

[Gemacht] Dieses Wochenende war ich irgendwie angeschlagen und hatte mir den Magen verkorkst. Samstag haben wir früh gefrühstückt und während mein Mann in den Baumarkt gefahren ist, habe ich gelesen. Später haben wir gehaushaltet und sind nachmittags mit dem Sohn nach Durmersheim gefahren, wo wir eigentlich auch in den Biergarten wollten – der Betriebferien hatte. Also sind wir über einen Umweg wieder heim gefahren. Ich habe gekocht, während mein Mann Brot gemacht hat. Später habe ich auf der Terrasse gesessen und gemalt, gelesen und ein bißchen am Rechner getüdelt. Außerdem habe ich am Abend noch den ersten Teil des Spanischkurses abgeschlossen. Sonntag bekam ich gleich beim Frühstück Migräne, so daß ich mich direkt wieder ins Bett verkrochen habe und bis zum Abend nichts weiter gemacht habe als gekocht und gespült. Toller Sonntag so. Mal sehen, vielleicht raffe ich mich nachher noch zu irgendwas auf…

[Crafts’n’Arts] Tagebuch gemalt. Ich kann überhaupt keine Menschen malen, aber das hält mich nicht mehr davon ab 🙂

[Garten] Habe die Zucchini von totem Laub und ein paar Schnecken befreit. Die Viecher müssen surfen können, anders kann ich mir nicht erklären, wie sie es immer wieder über die Wasserbarriere schaffen… Habe ein paar Auberginen geerntet und entdeckt, daß meine Ghost Peppers riesig geworden sind.

[Gesportelt] Hätte ich sehr gern, aber ich habe mich dazu zu krank gefühlt.

[Gehört] Shape Of Despair. Meditationsmusik.

[Gelesen] Jakobswegkram.

[Gesehen] Zwei Folgen von The Quest.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee und Cola.

[Gegessen] Nicht besonders viel…

[Gedacht] Kein Wunder, daß Pilgern gerade ein Thema ist.

[Gekauft] Ein Headset.

[Spirituelles] Ich habe wieder mit regelmäßiger Zen-Meditation angefangen. Tut mir total gut.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich muß zum Zahnarzt und habe auch sonst eine Menge Termine 🙁

Liam, 07.08.2016, 19:35 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #82

  • Donnerstag: Pasta mit Lecso (omnivor)
  • Freitag: Zwiebelsuppe, dazu Green Goddess Salat (vegetarisch)
  • Samstag: gratinierte, gefüllte Pfannkuchen (vegetarisch)
  • Sonntag: Roasted Potatoes mit Tomaten, dazu Bratfisch (omnivor)
  • Montag: indische Tomatensuppe, dazu Baguette (vegan)
  • Dienstag: Kohlrabisuppe mit Linsen (vegan)
  • Mittwoch: Gemüsekuchen (vegetarisch)
Liam, 04.08.2016, 21:35 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Bücher im Juli

Im Juli hatte ich einen guten Lesefluß und es sind direkt ein paar mehr Bücher geworden.

  1. Ewald Weber: Das kleine Buch der botanischen Wunder. Aus der Bibliothek. In 21 unterhaltsam geschriebenen Kapiteln nimmt Weber den Leser auf eine spanende Exkursion ins Reich der Pflanzen mit. So lernt man die größte einzellige Pflanze und die faszinierenden Kannenpflanzen kennen, lernt etwas über im Dunkeln leuchtende Venusfliegenfallen und die Flughöhe von Samen und darf sich über parasitäre Pflanzen und eine Palme mit Nabelschnur wundern. Hat mir total gut gefallen, kann ich nur empfehlen.
  2. Carmen Mayr: Köstliche Wildpflanzen und Beeren. Selber finden, achtsam sammeln, ganzjährig genießen. Aus der Bibliothek. Das Buch gliedert sich in vier Teile. Zunächst stellt Mayr das dar, was sie unter „natürlicher Ernährung“ versteht, porträtiert im Anschluß einige heimische Wildpflanzen, dann gibt es eine Übersicht über die gängigen Konservierungs- und Zubereitungsmethoden für Wildpflanzen und zuletzt folgt ein großer Rezeptteil. Die Rezepte sind mehr oder weniger vollwertig (in der Vollwertbewegung gibt es ja durchaus die Diskussion, ob Crème fraîche oder Schmand noch als vollwertig gelten, aber ok).  Das fand ich klasse. Gut gefallen hat mir auch die gesamte Aufmachung des Buches, insbesondere die Photos von Ulla Mayer-Raichle. Was mir persönlich nicht so zugesagt hat, war die leicht eso-hafte Stimmung, die im gesamten Buch mitschwingt…ist vermutlich beabsichtigt, spricht mich aber halt nicht an. Außerdem gab es ein paar Schnitzer bei den als vegan gekennzeichneten Rezepten, weil Honig, Sahne und Butter halt nicht vegan sind. Viele Rezepte sind mir persönlich zu aufwendig – ich mag zwar gutes, wildes Essen, aber ich mag es schnell und einfach. Glaube auch, daß schnell und einfach mehr Leute zum Nachkochen inspiriert als kompliziert und aufwendig. Alles in allem ein schönes Buch, aus dem ich jedoch nichts nachkochen werde und das ich auch nicht besitzen muß.
  3. Hans-Ulrich Grimm: Die Kalorienlüge – wie uns die Nahrungsindustrie dick macht. Aus der Bibliothek. In dem Buch berichtet Grimm über Substanzen, die in der industriell verarbeiteten Nahrung eingesetzt werden und die hormonähnliche Wirkung haben. Mit dem Effekt, daß immer mehr Menschen immer dicker werden. Neue Erkenntnisse vermittelt der Autor nicht, andererseits denke ich, daß es wichtig ist, daß das Thema endlich mal in der Mitte der Gesellschaft ankommt.
  4. Margret Merzenich und Erika Thier: Brot backen. Traditionelles aus dem Holzbackofen. Ursprünglich hatte ich mir das Büchlein aus der Bibliothek geliehen, aber weil ich so begeistert war, habe ich es mir auch noch gekauft. Rein optisch ist das Buch nicht besonders auffällig. Eher kleinformatig mit wenigen Bildern und modernes Layout gibt es auch nicht. Aber nach den Informationen, die die beiden Autorinnen hier teilen, kann man lange suchen! Beide backen sie in einem Holzofen und teilen ihre Erfahrungen, gehen auf die Tradition des Backens vor allem in Württemberg ein, erklären den Aufbau und den Betrieb von Holzöfen und bieten eine Fülle an interessanten Rezepten. Schnelle „no knead“-Hefebrote, wie sie gerade modern sind, gibt es hier nicht, dafür jede Menge Inspiration für alle, für die Backen Handwerk, Kunst und Herzenssache ist. Bin total begeistert von diesem Buch und hoffe, es wird noch lange aufgelegt!
  5. Stephan Orth: Couchsurfing im Iran – meine Reise hinter verschlossene Türen. Aus dem Bücherschrank. Der Journalist Orth hält sich für über 60 Tage im Iran auf und lernt beim Couchsurfen eine Menge Leute kennen, von denen die meisten die Gesetze der Mullahs auf die eine oder andere Weise umgehen. Das Buch ist wunderbar. Ich lese sowieso gern Reiseberichte, noch dazu wenn sie so lebendig und lustig, dabei aber auch tiefgründig und nachdenklich verfaßt sind. Sehr empfehlenswert. Wird wieder ausgesetzt.
  6. Marius Jung: Moral für Dumme. Das Elend der politischen Korrektheit. Aus der Bibliothek. In dem Buch widmet sich Jung zusammen mit seinem Co-Autor Oliver Domzalski der Sprachverhunzung im Zuge der politischen Korrektheit. Das Buch versteht sich als Satire, aber ehrlich gesagt finde ich, daß die beiden einfach nur aussprechen, was eh eine Tatsache ist: daß man sich kaum mehr traut, Texte zu verfassen, weil es gang und gäbe geworden ist, die Form über den Inhalt zu stellen, daß der Versuch, alle Minderheiten beim Formulieren miteinzubeziehen einfach nur ein unsägliches Sprachchaos verursacht und daß sich vor lauter Betroffenheit und „Awareness“ viel zu viele Leute ins Höschen machen. Zwei meiner Lieblingszitate: „Warnschilder, Textänderungen und Weichspülbegriffe umgeben uns wie eine allgegenwärtige Gummizelle. […] Unter Erwachsenen (naja…) hat sich die „Triggerwarnung“ inflationiert. Zur Erläuterung: Ein „Trigger“ ist ein Auslöser für die schmerzliche Erinnerung an eine traumatisierende Situation. Der Begriff wurde bis vor einigen Jahren nur im Zusammenhang mit „posttraumatischer Belastungsstörungen“ aufgrund „schwerer seelischer oder körperlicher Verletzungen“ verwendet. Mittlerweile haben ihn sich verhuschte Sensibelchen geschnappt, um ihre Überempfindlichkeit gegen das aufzuwerten, was man da draußen als „das Leben“ bezeichnet, und sich als Opfer fühlen zu können. Sollen die tatsächlich Traumatisierten doch sehen, wo sie einen neuen Begriff herbekommen.“ (S. 26). Und: „Manchmal wirkt es so, als sei die Politische Korrektheit einfach nur die Rückkehr der prüden Etepetete-Moral adliger alter Schachteln des 19. Jarhunderts: „Das macht man nicht. Das sagt man nicht. Über Unangenehmes wird einfach nicht gesprochen – dann geht es vielleicht weg“. Aber Themen, über die man nicht spricht, verschwinden nicht.“ (S. 113). Besonders gut hat mir das Buch übrigens deshalb gefallen, weil ich selbst zu der einen oder anderen Randgruppe gehöre, die unter der Politischen Korrektheit der neuen Moralapostel leidet 😉 Fazit: unbedingt lesen.
  7. Günther Weber und Dieter Ott: Gut Brot will Weile haben – Der Bäcker vom Lorettohof und seine besten Rezepte. Aus der Bibliothek. Das Buch beschreibt den Lebensweg von Günther Weber, der zusammen mit seiner Frau den Lorettohof am Rande der Schwäbschen Alb führt. Dort gibt es Holzofenbrot und Ziegenkäse zu kaufen. Der Leser erfährt, was ein gutes Brot braucht, und warum sich Weber dafür entschieden hat, wieder im traditionellen Holzofen zu backen. Ein Rezeptteil rundet das Buch ab. Insgesamt hat mir die Lektüre sehr gefallen. Das Einzige, was ich schade fand, ist, daß die Rezepte für recht große Mengen (jeweils 4 kg Brot bzw. rund 20 Brötchen/Backstücke) und für den Holzbackofen ausgelegt sind. Zwar könnte man jetzt rumexperimentieren, aber dazu habe ich ehrlich gesagt nicht die Lust. Schön zu lesen, aber kein Must Have.
Liam, 01.08.2016, 20:50 | Abgelegt unter: Book & Silverling | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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