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Kategorie: Craft & Creation

Aquarellmalerei: ein Update

In diesem Sommer habe ich viel Zeit vorm Rechner verbracht. Mehr Zeit, als ich gedacht und mir gewünscht hätte, weil mich ein Hexenschuß, diverse Infekte und letztlich auch die unerträgliche Hitze von anderen Dingen abgehalten haben. Ich habe dann versucht, die Zeit, die ich eigentlich als mehr oder weniger verschwendet betrachtet habe, für mich zu nutzen, und ich glaube, das ist mir auch geglückt. Ich habe nämlich wirklich Stunden und Stunden Video-Tutorials zu verschiedenen Aquarelltechniken bei YouTube geschaut und dabei eine Menge Inspiration und Know How mitnehmen können.

Mir ist außerdem bewußt geworden, was ich an meinen bisherigen Aquarellen unstimmig fand: das Papierweiß fehlte. Und in meiner Palette fehlten mir warme Gelb- und Erdtöne, außerdem ein freundlicheres Blau. Diese Woche war ich also noch einmal im Kunstmarkt meines Vertrauens und habe nachgerüstet. Wo ich schon mal da war, habe ich mir auch ein Türkis mitgenommen, das ich mir wahrscheinlich einfach hätte mischen können, aber als ich vor den Farben stand, fragte ich mich, warum ich zu mir selbst immer so geizig bin. Meinem Sohn bringe ich vom Einkaufen regelmäßig etwas Süßes oder eine kleine Überraschung mit, aber bei einem Näpfchen Farbe für mich kneife ich? Also habe ich es eingepackt (was ein merkwürdiges Gefühl war…ich scheine zu denken, für mich selbst dürfe ich nur das Nötigste kaufen).

Mitgenommen habe ich außerdem noch zwei Pinsel. Ich habe bisher meist mit Rundpinseln aus Rotmarderhaar gemalt, hatte aber bei einigen Aquarellisten sog. Kalligraphie-Pinsel gesehen. Diese bestehen aus Eichhörnchenhaaren (Feh) und fassen mehr Wasser und Farbe als die Rotmarder-Pinsel, wodurch sie die nass-in-nass-Technik begünstigen. Man kann sie aber auch sehr gut für die nass-auf-trocken- und die trocken-auf-trocken-Technik nehmen, vorausgesetzt, man drückt sie aus (und trocknet sie auch noch an einem Tuch ab).

Auch hinsichtlich der Maltechnik habe ich in diesem Sommer viel gelernt. Bisher habe ich eher realistische Landschaftsmalerei betrieben, angeregt von Terry Harrison (naturalistisch, relativ trockenes Malen). Jetzt jedoch gehe ich einen Schritt ins Abstrakte und verwende eher ungewöhnlichere Farben wie etwa Violett für den Himmel etc. Obendrein male ich jetzt nasser und in mehr Lasuren (Schichten). Die Ergebnisse sind dadurch oft überraschend und frisch und es macht sehr viel mehr Freude, so experimentell zu arbeiten.

Ich zeige eigentlich keine Photos von meinen Arbeiten hier auf dem Blog, mal abgesehen davon, daß ich den Header aquarelliert habe. Warum? Malen ist für mich, anders als sämtliche anderen kreativen Techniken, die ich betreibe, Ausdruck eines inneren Prozesses. Malen erscheint mir viel persönlicher als alles andere und da ich ein sehr introvertierter Mensch bin, kommt es mir falsch vor, meine Bilder zu präsentieren, einfach weil ich das Gefühl hätte, das wäre ein unangemessener Seelenstrip. Beim Malen habe ich auch die größten Hemmungen. Andere kreative Techniken probiere ich einfach mal aus, tüddel ein bißchen herum, habe Spaß. Aber weil Malen von „ganz tief unten“ kommt, ist es mir Ängsten besetzt, die ich bei anderen Techniken nicht verspüre. Malen ist Privatsache 😀

Liam, 12.09.2015, 11:42 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Kräuterbuschen

Dieses Jahr habe ich einen traditionellen Kräuterbuschen gebunden. Da ich hier in einer der wärmsten Regionen Deutschlands lebe, waren die Kräuter leider nicht gleichzeitig um Mitte August herum in Blüte, sondern einige bereits im Juni. Darum habe ich sie gesammelt, wann immer sie geblüht haben, getrocknet und dann jetzt erst zu einem Buschen gebunden.

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Für mich ist der Buschen ein Glücksbringer und eine Art „Sonnenspeicher“ für die kommenden dunklen Tage. Insbesondere in den langen Januar- und Februartagen, in denen sich augenscheinlich nicht viel an pflanzlichem Leben rührt, möchte ich ein paar Blättchen zwischen den Fingern zerreiben und den puren Sommerduft genießen 🙂

Die folgenden Kräuter sind enthalten: Königskerze, Blutweiderich, Karde, Kamille, Schafgarbe, Frauenmantel, Thymian, Rainfarn, Beifuß, Wildgras, Johanniskraut und Wegwarte.

Den Aquarellkasten einrichten

Ich habe vor über 15 Jahren meinen ersten Aquarellkasten geschenkt bekommen – und den habe ich immer noch! 🙂 Es ist ein kleiner Kasten mit zwölf Farben, von denen ich die meisten gar nicht brauche. Dann habe ich mir vor vielleicht zehn oder zwölf Jahren einen Kasten mit 24 Farben gekauft, im Laufe der Zeit aber festgestellt, daß ich auch hier die meisten Farben nicht benutze. Nun war es also endlich an der Zeit, mir einen customized Kasten zusammenzustellen 🙂 Einen Leerkasten und die dazugehörigen Näpfchen habe ich im Kunstmarkt gekauft, außerdem ein paar neue Farben von Schmincke, die ich bisher nicht kannte, weil ich die letzten Jahre ausschließlich mit Van Gogh gemalt habe.

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Da ich meist Landschaften oder Pflanze male, brauche ich vor allem ein gutes Sortiment an Grün- und Brauntönen. Über die Jahre hinweg habe ich einige Farben dieser Abstufungen angesammelt. Mit manchen bin ich mehr, mit anderen weniger zufrieden, und so nutzte ich die Gelegenheit, gleich mal diejenigen auszusortieren, die nicht länger meinen Anforderungen entsprechen. Mein Sohn aquarelliert auch und bei ihm haben die Tuben und Näpfchen ein gutes neues Zuhause gefunden. Im zweiten Arbeitsschritt habe ich mir Farbmuster der übrigen Grün- und Brauntöne erstellt. Das war mir deswegen wichtig, weil die Einschätzung einer Farbe doch ziemlich von ihrer tatsächlichen Farbqualität abweichen kann.

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Nachdem ich eine Auswahl getroffen hatte, bei der natürlich auch die grundlegenden Farben wie Gelb, Ultramarin etc. nicht fehlen durften, habe ich noch einmal eine Farbmusterkarte erstellt, um die Farben entsprechend ihrer Wertigkeit in den Kasten zu räumen.

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Zuletzt habe ich die Näpfe einsortiert und mir eine Farbmusterkarte von den Näpfen erstellt, die zeigt, an welcher Position sie sich im Kasten befinden. Das ist deswegen hilfreich, weil ich mir den Kasten komplett neu aufgebaut habe und noch keine Beziehung zu ihm aufgebaut habe: ich weiß kurz gesagt noch nicht 100% genau und intuitiv, wo die Farbe liegt, die ich suche. Beim Aquarellieren muß es manchmal sehr schnell gehen, und auf diese Weise ist sichergestellt, daß ich mich nicht verhaue und das Bild ruiniere. Außerdem sehen getrocknete Farben, die obendrein so kompakt in einem Näpfchen aufbewahrt werden, gern einfach mal „dunkel“ und undefiniert aus, wie man auf dem Bild gut erkennen kann. Außerdem habe ich mir den Farbnamen und den Hersteller vermerkt, denn im Laufe der Zeit vergißt man sowas gern mal.

Das Einzige, mit dem ich gerade noch nicht zufrieden bin, ist das Rot. Es ist ein Permanent Rot Dunkel, das mir jedoch zu „tomatig“ ist. Ich denke, ich werde wenigstens noch ein Rot hinzunehmen, das mehr ins Purpurne geht.

Tja, und so sauber wird der Kasten nie wieder aussehen 🙂

Liam, 14.07.2015, 13:16 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Ein paar meiner Quilts

Da ich bisher noch keine meiner Quilts gezeigt habe, dachte ich, ich fasse das mal in einem Posting zusammen 🙂

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Diesen Quilt habe ich nach einer Anleitung von Pam und Nicky Lintott genäht. Er hat eine Rückseite aus Polarfleece und ist etwa 1,70×1,70m groß.

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Das ist mein Kuschelquilt für’s Wohnzimmer. Da unsere Katzen leider dazu neigen, ihre Krallen einzusetzen, wenn sie treteln, zerpflücken sie damit im Laufe der Zeit die Stoffe, so daß ich hier nur ein ganz simples Top aus Quadraten gepieced habe.

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Diese Decke samt Kissen war ein Tauschgeschenk für eine Künstlerin, die im Gegenzug eine Illustration für mich gemacht hat.

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Das war eine Arbeit für eine Ausstellung. Ich habe hier einige neue Techniken probiert – hat viel Spaß gemacht 🙂

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Auch dieser Quilt entstand nach einer Anleitung aus einem Buch von Pam und Nicky Lintott. Es ist aber nicht ihr Design.

Das war nur mal eine kleine Auswahl. Ich habe noch etliche andere Quilts und kleinere Projekte genäht.

Liam, 28.05.2015, 12:23 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Man muß schon Chaos in sich tragen…

…um einen tanzenden Stern gebären zu können. (Nietzsche)

Ich habe letzte Woche mein Sternen-Patchwork-Top fertiggenäht und wollte dann auch direkt quilten. Vorm Quilten steht allerdings das Bügeln von Top und Rückseite, was nicht ganz unkompliziert ist, da es sich dabei um wirklich große Stoffstücke handelt. Der Lonestar-Quilt ist mein erster Quilt in diesem Jahr (normalerweise nähe ich eigentlich mehr, aber durch viele persönliche Probleme blieb das leider auf der Strecke) und da war ich wohl leicht aus der Übung. Jedenfalls ist mir mein Bügeleisen das erste Mal ever von meinem Nähtisch auf den Boden gekracht und hat da eine fette Macke hinterlassen. Ich war total perplex und dachte, na, hoffentlich ist das kein böses Omen…

Nach dem Bügeln werden die drei Lagen (Rückstoff, Vlies und Top) geheftet. Das kann man mit unterschiedlichen Mitteln machen, aber mein Favorisiertes ist Stoffkleber. Nur leider stellte sich heraus, daß das Polyestervlies sich wellte. Das sollte es eigentlich nicht tun, weil es dann beim Quilten zu Stoffverwerfungen und Falten kommen kann. Mein Mann meinte aber optismistisch, das würde schon gehen. Ich fing also an, den Sandwich zu quilten. Da das eine ziemliche Arbeit ist, kann man das nicht an einem Tag erledigen, doch nach einer Pause mußte ich feststellen, daß sich die drei Lagen voneinander getrennt hatten. Das ist mir auch noch nie passiert.

Mein Mann und ich haben also das Riesenteil nochmal ausgelegt und von Grund auf neu geheftet, mit noch mehr Kleber. Zurück an der Nähmaschine mußte ich bald feststellen, daß das Top Falten warf. Das war der Moment, wo ich dachte, ich habe die Nase voll und möchte das Vlies nicht mehr verwenden! Ich bin zum Patchworkladen meines Vertrauens gefahren und habe mir da ein reines Soja-Vlies gekauft. Das ist deutlich dünner, deutlich weicher und deutlich teurer. Argh. Aber ok, dafür ist der Quilt am Ende wohl auch atmungsaktiv und wird nicht so deckeln wie ein Polyster-gefüllter Quilt.

Nun mußte das gesamte bisherige Quilting getrennt werden. Dabei kam es zu einem kleinen Schnitt im Rückstoff. Diesen kann ich nicht wirklich sauber flicken, und egal, was ich tun würde, man würde den Defekt immer sehen. Da ich aber den Rückstoff schon begradigt hatte, konnte ich die oberen Quiltlagen aber auch nicht verschieben. Sehr ärgerlich. Ich kann nur hoffen, daß diese Stelle durch das Quilting allein halten wird und nicht bei regelmäßigem Gebrauch ausreißt. Die Stiche vom alten Quilting wird man außerdem auch immer sehen 🙁

Nach dem Trennen mußte ich Top und Rückstoff noch einmal bügeln. Und was passiert dabei? Das Bügeleisen kracht noch einmal auf den Boden und haut direkt neben die erste Macke eine zweite! Ich dachte, ich gucke nicht richtig. Jetzt ist mein Boden total ruiniert, runter bis auf 1 cm Tiefe. Mitten im Raum, versteht sich. So ein Mist.

Nach dem Bügeln folgte das neuerliche Heften der drei Lagen, nun deutlich davon erschwert, daß der Rückstoff ja bereits zugeschnitten war. Wir mußten das Top zigmal erneut anheben und wieder auflegen, bis es endlich paßte (und das auch nur knapp), und dann bildeten sich Wellen zwischen Rückstoff und Vlies.

In den ganzen Jahren, in denen ich nun nähe, ist mir sowas noch nie passiert. Was für ein Chaos-Quilt!

Gestern Abend habe ich nun endlich mit dem finalen Quilting begonnen und bin ganz glücklich darüber, wie schön sich das Soja-Vlies verarbeiten läßt. Ich habe mich für ein Quiltmuster aus mäandernden Linien und Sternen/Pentagrammen entschieden.

Liam, 28.05.2015, 12:08 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Briefbeschwerer mit Ammonit

Gestern Abend habe ich bei einem schönen Hörbuch einen limonengrünen Speckstein bearbeitet. Da er recht flach war und mir seine Struktur gefiel, habe ich einen Briefbeschwerer aus ihm geschnitzt.

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Neulich habe ich einen Stein mit einem herausgeschliffenen Ammoniten gesehen, der mir von der Form her so gut gefiel, daß ich versucht habe, ihn nachzubilden.

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Ich denke, ich hätte die einzelnen Spiralen noch an ihren jeweiligen Rändern etwas verflachen können, weil der Ammonit dann wohl plastischer ausgesehen hätte, aber alles in allem bin ich zufrieden 🙂

Liam, 12.03.2015, 13:25 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Kreative Blockaden durchschwimmen

Letzte Woche habe ich mir bei meinem Lieblingskünstlerbedarf fast 5 kg Speckstein in verschiedenen Farben gekauft. Als ich mir daheim die Menge angeguckt habe, sah das doch etwas…mehr aus als im Laden. Fast ein bißchen entmutigend. Ich meine, ich gebe gern Geld für kreative Tools aus, und inzwischen habe ich eine zwar nicht überbordende, aber doch anständige Sammlung verschiedener Materialien und Werkzeuge. Aber oft, wenn ich Zeit und Muse hätte, kreativ zu werden, renne ich gegen eine Mauer. Ich bin blockiert. Nicht, weil es an Ideen mangeln würde (oder an Material), sondern weil ich mir selbst nicht zutraue, etwas zu erschaffen, das es wert wäre, erschaffen zu werden.

Es ist, als würde ich glauben, ich wäre es nicht wert, Materialien zu verbrauchen und Werkzeug möglicherweise zu verschleißen, wo ich oft gar nicht weiß, wie das Ergebnis aussehen wird. Das steht im krassen Gegensatz zu meinen kreativen Impulsen, aus denen oft Dinge hervorgehen, die ich wirklich mag. Wirklich verstehen kann ich das noch nicht. Ich bin es mir zwar wert, gute Dinge zu essen und (inzwischen) die Kleidung zu tragen, die mir gefällt, aber wenn es darum geht, daß ich auch nur ein Blatt Papier oder Farben oder gar einen ganzen Klumpen Speckstein „vergeuden“ könnte, dann kneife ich. Lieber lasse ich es dann sein, als das Material zu verschwenden, wenn die Umsetzung mißlingt.

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In der Kunsttheorie gibt es ja grundsätzlich zwei unterschiedliche Ansätze. Der Erste besagt, daß Kunst zu 99% aus Kreativität und zu 1% aus Können besteht, der Zweite behauptet genau das Gegenteil und deklariert, daß Technik und Können fast alles seien. Ich tendiere leider dazu, meine Meinung zu diesem Thema zu ändern, wie es gerade paßt. Es gibt kreative Bereiche (z.B. Nähen, Kochen und Schreiben), da traue ich mir praktisch alles zu. Da bin ich im Flow und habe auch kein Problem mit vermeintlichen Fehlschlägen, aus denen man ja doch immer noch Erfahrung für spätere Projekte zieht. Und dann gibt es kreative Bereiche (z.B. Malen), da traue ich mir rein gar nichts zu. Ich habe versucht, das Problem dadurch zu lösen, es einfach zu tun. Das Ergebnis war, daß ich mich als einen untalentierten Idioten empfunden habe, der überhaupt nichts malen kann. Nicht mal ein Strichmännchen. Ich habe versucht, dem Problem beizukommen, indem ich Technik gepaukt habe. Das hat zumindest dazu geführt, daß ich mir nicht mehr ganz tölpelhaft vorkomme. Aber wirklich wohl ist mir beim Malen dennoch nicht – und das, obwohl ich so gern male.

Ich denke dann gern an meine Kindheit zurück. Bis ich zwölf, dreizehn war, war es mir egal, was andere davon hielten, wie ich zeichnete. Ich fand es sogar überaus befremdlich, daß im Kunstunterricht Noten verteilt wurden. Und dann ist es irgendwie gekippt. Daß ich mir heute beim Zeichnen und Malen nichts zutraue, ist das Ergebnis verschiedener Beeinflussungen von außen und innerer Prozesse. Ich würde das gern ändern. Ich würde gern besser von meinen Fähigkeiten und meinen Werken denken, aber Zeichnen scheint so tief in meine Seele hineinzureichen, daß es schwieriger als beim Nähen oder Specksteinschleifen ist, die Denkmuster aufzulösen, die mich blockieren. Doch was ich bei anderen als individuellen Zeichenstil, als charmant, individuell oder interessant empfinde, finde ich bei mir selbst nur naiv und blöd. Verdammt schade. Schade auch, daß mich die Arbeiten anderer eher entmutigen als mich zu inspirieren – denn das ist in anderen kreativen Bereichen total anders.

Gestern und heute jedenfalls habe ich mich an mein drittes Specksteinprojekt gewagt. Diesmal habe ich keine Bilder vom Prozeß gemacht (Memo an mich selbst: wenigstens immer ein Bild vom ursprünglichen Stein machen!), sondern nur vom fertigen und bereits polierten Seehund.

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Ich bin sehr zufrieden. Er ist nicht ganz ebenmäßig und ein wenig mopsig, aber ok – für Specksteinarbeit Nummer 3 echt gut. Die Schwanzflossen habe ich darzustellen versucht, indem ich den Stein mittig mit der Säge geteilt und dann die „Zehen“ eingeritzt habe. Ich finde, das ist ganz gut gelungen. Interessant war an diesem Projekt, daß ich mir vorgenommen hatte, einen Seehund zu schleifen, als mein Blick auf einen schwarzen Speckstein fiel, der bereits ein wenig an einen Seehund erinnerte. Ich mußte die Form nur herausarbeiten und verfeinern. Vielleicht ist das ja überhaupt der Trick: mich darauf einlassen, was ohnehin schon vorhanden ist, und das dann „einfach“ in die Existenz holen.

Ursprünglich sollte der Seehund aufrecht sitzen, aber schwimmend gefiel er mir noch besser. Als Kind war der Seehund eine Weile bei mir. Meine Mutter hat mir einen Stoffseehund geschenkt, weil sie immer gesehen hat, wie ich bei einem Hörspiel, in dem ein Seehund vorkam, jedesmal ganz verzückt war, wenn er auftauchte. Und im Zoo meiner damaligen Heimatstadt gab es auch Seehunde, denen ich stundenlang zugucken konnte. Die Erinnerung an damals und meinen Seehundbegleiter scheint mir gerade zur passenden Zeit zu kommen. Es ist eine Verbindung in eine Zeit, die ich als heil und unbeschwert erlebt habe, nicht nur in kreativer Hinsicht. Ein bißchen was davon könnte ich gerade sehr gut gebrauchen…

Liam, 02.03.2015, 19:40 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Höhlenlöwe aus Speckstein

Ein Projekt, das ich mir für meine kreative Fastenzeit vorgenommen hatte, bestand darin, einen Höhlenlöwen aus Speckstein zu schnitzen. Inspiriert dazu hat mich eine kleine Skulptur aus Mammutstoßzahn, die ich letzten Herbst im Urgeschichte-Museum in Blaubeuren gesehen und photographiert habe. Seit meiner Kindheit bin ich von der Steinzeit fasziniert. Begonnen hat das, als ich zum ersten Mal bewußt von ihr gehört habe. Das muß etwa in der sechsten Klasse gewesen sein. Vorher wußte ich zwar, daß es sowas wie die Steinzeit gegeben hat, und ich kannte sogar den Neanderthaler, denn wir lebten damals in der Nähe von Mettmann, wo er gefunden wurde, und hatten das dortige Museum besucht. Aber im Geschichtsunterricht lernten wir etwas über die Lebensweise unserer Vorfahren und das hat wohl einen atavistischen Knopf bei mir gedrückt 🙂 Ich kann es nicht genau beschreiben, aber gerade auf steinzeitliche Kunst springe ich total an. Sie fühlt sich für mich so natürlich und „richtig“ an. Moderne Kunst empfinde ich meist wie das Bohren beim Zahnarzt, Streetart ist wie in einem Straßencafé auf dem Montmatre sitzen, während eine warme Brise geht. Und Steinzeitkunst ist wie warme Ofenglut und der Duft nach Kräutern und Erde. Ich kann sie in meinen Knochen spüren. Kein Wunder also, daß die ersten Dinge, die ich mit dem gerade für mich entdeckten Medium Speckstein mache, steinzeitlich inspiriert sind.

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Meinen Höhlenlöwen habe ich in insgesamt drei Sessions gefertigt. Bei der ersten habe ich den Stein begradigt und die grobe Form herausgearbeitet. Der rosa Speckstein, den ich diesmal verwendet habe, ließ sich um einiges leichter bearbeiten als der vom Mammut. Allerdings habe ich inzwischen auch „aufgerüstet“ und mir ein paar Werkzeuge wie eine feine Säge, mehrere Raspeln und unterschiedliche gekörnte Schleifpapiere besorgt. Das vereinfacht die Verarbeitung echt enorm.

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In der zweiten Sitzung habe ich den Höhlenlöwen fertiggestellt und ihn auch poliert. Dann lag er ein paar Tage auf meinem Nachttisch. Jedesmal, wenn ich ihn in die Hand nahm, dachte ich, er sähe irgendwie übergewichtig aus. Und als sei er noch nicht fertig. Heute Abend habe ich mir also ein Herz gefaßt und den wunderbar glatten Stein nochmal bearbeitet. Diesmal habe ich ihm auch Augen und die Ritzungen im Nackenbereich gemacht, die das steinzeitliche Vorbild ebenfalls hat. Außerdem habe ich versucht, seine Form etwas weicher und runder hinzubekommen und seine Beine etwas filigraner. Ich bin jetzt wirklich zufrieden mit meinem Höhlenlöwen – besser bekomme ich es bei meinem jetzigen Erfahrungsstand nicht hin.

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Ich bin jetzt richtig vom Specksteinvirus infiziert. Neulich Nacht hat es mich gepackt und ich habe um 2.30 Uhr morgens eine kleine Pfeilspitze aus einem Reststück gefertigt, die ich meinem Sohn geschenkt habe. Und heute war ich bei meinem liebsten Kunstmarkt und habe die Specksteinkörbe geplündert. Nun warten schwarzer, weißer und grüner Speckstein darauf, verarbeitet zu werden. Ich freue mich schon drauf 🙂

Liam, 26.02.2015, 22:55 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Fastenzeit kreativ nutzen

Wie jedes Jahr um diese Zeit herum denke ich über’s Fasten nach. Traditionellerweise beginnt an Aschermittwoch wie 40-tägige christliche Fastenzeit, in der kein Fleisch verzehrt wird (Karne-val von carne und vale = auf Wiedersehen, Fleisch!). Allerdings bin ich kein Christ und habe auch erst im letzten Spätsommer nach dreieinhalb veganen Jahren wieder begonnen, Fleisch zu essen. Und das echt in Maßen. Ich sehe also keinen Anlaß dafür, Fleisch zu fasten. Alkohol trinke ich eigentlich nie, obwohl ich Wein und Brandy gern mal in Speisen mitverkoche oder mitverbacke. Und mein Granatapfelrum braucht ja noch über ein Jahr, um zu reifen 🙂 Zucker zu fasten, würde sich bei mir ebenfalls nicht lohnen. Es macht vielleicht den Anschein, als wäre ich ein Süßschnabel, wo ich doch fast jede Woche einen Kuchen backe, aber dieser Kuchen ist, abgesehen von der einen täglichen Tasse Tee, mein einziger Konsum von Süßwaren pro Woche und ich bekomme maximal drei Stücke ab – meist ist meine Familie schneller. Chips…ja, die sind schon ein Laster, aber ein kleines. Mit einer Tüte von 100 g komme ich meist eine Woche weit.

Bei anderen Bloggern habe ich unterschiedliche Anregungen für alternatives Fasten gefunden, z.B. ein Klamottenfasten, bei dem man mit 50 Kleidungsstücken auskommen soll. 50?! Da müßte ich aber eher noch was dazukaufen… Die Idee, 100 Teile aus dem Haushalt auszusortieren, die man ohnehin nie benutzt, finde ich super, aber mein Haushalt ist inzwischen praktisch clutterfrei, abgesehen vom Keller. Keller entrümpeln? Und mich dabei mit meinem Mann um jedes Schräubchen zanken? Och nee, das kann er schön allein machen 🙂

Dann kam noch die Idee auf, aus der Fastenzeit eine Zeit der besonderen Aufmerksamkeit für die kleinen Glücksmomente und die eigene Dankbarkeit zu machen. Ich weiß, es klingt arrogant, aber auch das brauche ich nicht. Ich lebe sehr bewußt und würde, wenn ich mir diese Dinge nicht ohnehin ständig klarmachen würde, wahrscheinlich noch viel größere Schwierigkeiten mit meiner PTBS haben.

Also, worin könnte für mich die Herausforderung in der Fastenzeit liegen? Das Erste, das mir dazu einfiel, war: endlich einige kreative Projekte vorantreiben! Denn da hat sich in den letzten (für mich leider sehr harten) Monaten ein echter Rückstau gebildet. Konkret geht es um die Folgenden:

  • ein Keramikprojekt
  • eine Maske fertigstellen
  • ein Quilttop beenden
  • ein Specksteinprojekt
  • grundsätzlich: mehr malen

Da ich keinen Druck gebrauchen kann, möchte ich mir keine Deadline setzen, sondern nur meinen Fokus darauf richten, mit den Projekten weiterzumachen. Vielleicht bietet es sich ja an, ein wenig Internetzeit zu fasten, um Raum für mehr Kreatives zu schaffen. Wenn ich etwas von den Projekten fertig bekomme, werde ich darüber natürlich auch bloggen.

Liam, 18.02.2015, 10:58 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Ein Mammut schnitzen

Im November war ich mit meinem Mann im Urkundemuseum Blaubeuren. In dessen Museumsshop habe ich mir ein Mammutschnitzkit gekauft, das eigentlich für Kinder gedacht ist. Zusammen mit einer Anleitung erhält man je ein Stück Speck-, Sand- und Feuerstein und ein Stück Leder und kann sich dann ein kleines Mammut schnitzen. Ich hatte noch nie zuvor mit Speckstein gearbeitet und war im Zweifel darüber, ob ich das überhaupt schaffen würde, ohne daß mir das Material bricht oder ich mich verletze.

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Bei der ersten Schnitzsession habe ich das Mammut auf den Speckstein gezeichnet und dann versucht, mit dem Sandstein die groben Konturen herauszuarbeiten. Dabei stellte sich heraus, daß ich als Neanderthaler leider ziemlich unbegabt gewesen wäre, denn ich konnte den Sandstein nicht gut greifen und es hätte ewig gebraucht, den weicheren Speckstein mit ihm zu bearbeiten.

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Für die zweite Session habe ich mir also modernes Werkzeug geholt: ein Säge- und ein Gemüsemesser. Hey, ich bin ein Homo Urbanus, ich darf das :mrgreen: Diesmal ließen sich die groben Konturen sehr viel einfacher herausarbeiten. Mit dem Gemüsemesser habe ich sogar schon ein wenig Feinarbeit geleistet.

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Bei der dritten und finalen Runde habe ich die Form so fein es mir möglich war herausgearbeitet und die Kanten abgeschabt, um einen runden, lebensechten Eindruck zu erschaffen. Die Kopf-Rüssel-Linie, den Schwanz, die Zehen und die Knickfalten am Bauch habe ich mit der Spitze des Gemüsemessers eingeritzt bzw. herausgestellt.

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Zum Schluß habe ich das Mammut von allen Seiten beigeschliffen, indem ich die Klinge im stumpfen Winkel über den Stein geschabt habe. Um seine Farben zum Leuchten zu bringen, habe ich es mit einem Tropfen Walnußöl eingerieben. Das Öl war am nächsten Tag gut eingezogen und hat die Konturen und Linien plastisch hervorgehoben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Hat riesig Spaß gemacht 😀

Liam, 30.12.2014, 13:28 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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