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Kategorie: Foraging

Essig mit Magnolienblüten

Die Wenigsten wissen, daß Magnolienblüten eßbar sind, und ich glaube, das ist der einzige Grund dafür, daß sie nicht viel öfter in der Küche verwendet werden. Ihr Duft und damit auch ihr Geschmack sind einfach zauberhaft 🙂

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Für den Essig-Ansatz habe ich einfach ein Glas mit Bügelverschluß mit Magnolienblüten gefüllt und dann zwei Stunden offen stehen gelassen, damit eventuelle Bewohner flüchten können. Im Anschluß habe ich die Blüten nochmal durchgeschaut, ob auch wirklich alle Krabbeltiere abgeschwirrt waren, bevor ich den Essig angegossen habe. Für Blütenessige verwende ich gern weißen Balsamico, der eine milde, fruchtige Note hat. Weißweinessig könnte auch funktionieren, sofern er nicht zu stark ist.

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Innerhalb von etwa zwei bis vier Stunden fallen die Blüten in sich zusammen und sollten dann auch nicht mehr aus dem Essig herausgucken.

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Nach drei bis sechs Wochen kann der Essig abgeseiht und dann benutzt werden. Blütenessige verwende ich gern für Rohkostsalate. Um sie einfach nur ins Brot zu geben, sind sie viel zu schade 🙂

Liam, 04.04.2016, 18:36 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Start in die Foraging-Saison

Diese Woche habe ich den ersten Bärlauch und damit das erste wilde Grün in dieser Saison geerntet. Da ich in einer sehr milden Region lebe, könnte ich in der Regel auch im Winter Wildkräuter sammeln (z.B. Brombeerblätter und Moose, die auch bei Minustemperaturen zu finden sind, oder Mikrokräuter, die es eigentlich auch immer gibt, wenn man an geschützten Plätzen sucht), aber im Winter lasse ich das Sammeln meist ruhen und konzentriere mich darauf, die in der letzten Saison gefundenen Schätze zu verarbeiten und aufzubrauchen. In den kommenden Tagen wird so auch das Bärlauchpesto aus dem letzten April aufgebraucht werden 🙂

Im Winter habe ich viele Sendungen mit Ray Mears geschaut, den ich sehr schätze. Er hat eine ganz unaufgeregte Art, sich in der Wildnis zu bewegen, und ich empfinde ihn im Umgang mit Mensch und Tier als angenehm und respektvoll. Er hat vor ein paar Jahren zusammen mit Gordon Hillman, der damals noch als Paläobotaniker in London tätig war, eine Reihe namens „Wild Food“ gedreht (ein gleichnamiges Buch ist ebenfalls erschienen). Zentrale Fragestellung dieser Sendereihe war: wie haben sich unsere Vorfahren auf den Britischen Inseln ernährt? Die beiden Männer wollten jedoch nicht nur aus Büchern, sondern vor allem durch Ausprobieren lernen. Um einen allgemeinen Eindruck vom Leben in Jäger- und Sammlergesellschaften zu bekommen, sind sie daher zunächst nach Australien geflogen, wo sie mehrere Tage mit australischen Ureinwohnern verbringen und von ihnen lernen konnten. Die wichtigsten Erkenntnisse für mich waren:

  • von Sammelgut kann nur leben, wer genau hinsieht. Das erfordert großes Wissen und ebensolche Erfahrung, damit das Auge die Formen von Eßbarem erkennt, sowie einen zentrierten/fokussierten und ruhigen Geist. Sammeln kann nur, wer geduldig und entspannt genug ist.
  • es ist wichtig, zu wissen, wann man aufhören muß: es macht keinen Sinn, mehr Energie auf die Suche nach Nahrung aufzuwenden, als diese letztlich geben würde.
  • wenig Gepäck: wer schwere Lasten schleppen muß, sammelt weniger, weil er physische Kraft verliert.
  • Sammelkorb: das Sammelgut wird luftig gelagert. Grobe Anhaftungen und auch Insekten können durch die Lücken im Flechtwerk abfallen.
  • es wird kein Messer verwendet. Messer sind nur unnützer Ballast. Ein Grabstock kann überall gefunden werden und muß nicht mitgetragen werden. [ich werde weiterhin mein Taschenmesser für holzige Pflanzen benutzen, an denen ich größeren Schaden anrichten würde, wenn ich versuchen würde, sie ohne Messer zu ernten]
  • Feuer. Wo auch immer sich die Aborigines niederlassen, entzünden sie zuerst ein Feuer. Mears sagte, dies würde ihnen „a sense of place“ geben.
  • Wissen großzügig teilen: nur wenn viele Mitglieder der Gruppe das Wissen tragen, ist es geschützt und kann weiterhin aktiv genutzt werden. Was für die Aborigines die mündliche Tradition ist, sind für uns schriftliche Niederlegungen.

Wer sich dafür interessiert, wie Mears und Hillman ihre in Australien erworbenen Kenntnisse auf den Britischen Inseln umgesetzt haben und wie ihr Experiment, sich allein aus der Natur zu ernähren, verlaufen ist, hier geht’s zur ersten Folge.

In der letzten Saison war mein Ziel, insgesamt mehr wilde Nahrung zu sammeln und zu essen. Das ist mir gelungen. Für diese Saison habe ich kein klares Ziel. Ich möchte einfach weiterhin gute Gelegenheiten nutzen und noch mehr Wissen erwerben.

Liam, 03.03.2016, 11:53 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Brombeerlikör

Im Sommer haben mein Mann und ich Brombeeren gesammelt. Von der ersten Fuhre habe ich hier geschrieben. Ein paar Wochen später sind wir noch einmal losgezogen. In der Zwischenzeit waren noch jede Menge Beeren nachgereift – tatsächlich so unfaßbar viele, daß wir binnen weniger Minuten rund ein Kilo geerntet hatten.

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Diese Brombeeren habe ich zusammen mit Kandis in Wodka eingelegt und dann seit dem Sommer ausziehen lassen. Erst vor kurzem habe ich den Likör abgeseiht, der von dunkelroter Farbe ist. Ich weiß, das Bild ist nicht berühmt, aber der Likör….ein Gedicht! Süß und süffig, sehr fruchtig und mit einer ganz leichten Bitternote.

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Die beschwippsten Früchte bevorrate ich derzeit im Kühlschrank und verarbeite sie nach und nach in Süßspeisen. Zu Weihnachten hatte ich einen Trifle gemacht. Dazu habe ich sehr süße, saftige Birnen, Löffelbiskuit, eingelegten Ingwer, die Brombeeren, Custard (sowas wie dicke Vanillesauce) und Schokolade in Gläser geschichtet. So lecker! 🙂

Liam, 27.12.2015, 19:40 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Foraging…am Meer

In meiner internetfreien Woche war ich in England, genauer gesagt in Kent. Auch dort habe ich einiges zum Foragen gefunden, konnte es allerdings leider nicht verarbeiten, so daß ich mich darauf beschränkt habe, es roh zu essen.

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Das ist Sea Kale, also Meerkohl. Er wächst in England an den meisten Stränden und ist ziemlich genügsam: sogar Kies als Untergrund reicht ihm aus. Er ist leicht daran zu erkennen, daß seine Blätter denen von Kohlrabi ähneln und auch den für Kohl typischen matten Glanz haben. Er schmeckt deutlich bitterer und salziger als Zuchtkohl, kann aber ähnlich wie dieser zubereitet werden. Bei Ray Mears habe ich gesehen, daß man auch seine Wurzel ausbuddeln und über offenem Feuer rösten kann. Da sie sehr stärkehaltig ist, soll sie süßlich schmecken.

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Ich hätte ihn gern in etwas Margarine und zusammen mit Knoblauch und Pinienkernen angebraten und zu Pasta gegessen oder eine Füllung für eine Quiche aus ihm gemacht 🙂

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Brombeeren gibt es auch in England, natürlich, allerdings sind ihre Früchte etwas größer als bei den Hecken, die in meiner Region wachsen. Auch sind sie etwas weniger sauer, wirklich lecker.

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Sanddorn…daß ich ihn nicht mitnehmen und verarbeiten konnte, hat mich echt traurig gemacht, denn er war gerade vollreif, supersaftig und sehr lecker.

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Das ist Samphire, also Meerfenchel. Tatsächlich schmeckt er nach einer Art sehr salzigem und durchaus bitterem Fenchel. In England wird er gekocht oder dampfgegart und als Beilage serviert, aber man kann ihn auch roh knabbern. Von der Textur her erinnert er an Staudensellerie.

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In der Woche hatten wir recht wechselhaftes Wetter mit Regen und Sonne, also ideales Pilzwetter. An einem Tag sind wir „in the woods“ gegangen und habe eine Pilz-Photosafari gemacht. Ich muß gestehen, daß ich Pilze zwar faszinierend finde, es aber trotz so mancher Lektüre und vielen Tutorial-Videos noch nicht geschafft habe, mir soviel Wissen über sie anzueignen, daß ich mich trauen würde, sie zu sammeln, also mache ich das immer nur mit der Kamera. Diese hübschen Fliegenpilze waren lediglich eine von wirklich unzähligen Sorten, die wir zu sehen bekamen. Mein subjektiver Eindruck war, daß in England, da die Wälder dort nicht dermaßen bewirschaftet und „aufgeräumt“ werden wie in Deutschland, sehr viel mehr Pilzarten wachsen.

Neben den hier gezeigten wilden Leckereien haben wir noch viele andere entdeckt, wie etwa Äpfel, Nüsse, Kräuter und Wildgemüse, Seetang etc. Und obwohl es gerade diese wilde Fülle hat, wird leider kaum gesammelt. Gerade mal eine sammelnde Frau haben wir in der ganzen Zeit getroffen.

Liam, 04.10.2015, 11:14 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Kräuterbuschen

Dieses Jahr habe ich einen traditionellen Kräuterbuschen gebunden. Da ich hier in einer der wärmsten Regionen Deutschlands lebe, waren die Kräuter leider nicht gleichzeitig um Mitte August herum in Blüte, sondern einige bereits im Juni. Darum habe ich sie gesammelt, wann immer sie geblüht haben, getrocknet und dann jetzt erst zu einem Buschen gebunden.

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Für mich ist der Buschen ein Glücksbringer und eine Art „Sonnenspeicher“ für die kommenden dunklen Tage. Insbesondere in den langen Januar- und Februartagen, in denen sich augenscheinlich nicht viel an pflanzlichem Leben rührt, möchte ich ein paar Blättchen zwischen den Fingern zerreiben und den puren Sommerduft genießen 🙂

Die folgenden Kräuter sind enthalten: Königskerze, Blutweiderich, Karde, Kamille, Schafgarbe, Frauenmantel, Thymian, Rainfarn, Beifuß, Wildgras, Johanniskraut und Wegwarte.

Holunder-Zwetschgen-Marmelade

Im Moment biegen sich die Holunderbüsche unter der Last ihrer reifen, tiefvioletten Beeren. Ich bin angesichts des Bio-Booms ziemlich überrascht davon, daß unsere eigenen „Superfoods“ derart links liegen gelassen werden…vermutlich wäre es zu billig, einheimischen Holunder zu ernten, wo es doch teure Gojibeeren von wer weiß woher gibt 😉

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Gestern jedenfalls habe ich mir eine große Schüssel voller Holunderbeeren geerntet. Sie wurden von den Stielen gezupft…

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…allerdings macht es auch nichts, wenn für’s Kochen und Passieren noch kleinere Stielchen dran sind.

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Die Bilder von Holunder, Traube und Traubenkirsche ähneln sich natürlich, aber es ist ja auch immer derselbe Arbeitsvorgang.

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Das Sammelgut wird gewaschen, verlesen, von den Stielen gezupft, dann knapp mit Wasser bedeckt und solange gekocht, bis das Fruchtfleisch sich von den Kernen trennt oder entsprechend weich ist.

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Dann werden die Früchte samt dem Wasser durch die Flotte Lotte gedreht. In diesem Fall habe ich zu 700 g Holundermark 1,7 kg pürierte Zwetschgen und 850 g Gelierzucker 2:1 gegeben.

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Das Ganze konnte über Nacht im Kühlschrank durchziehen, bevor ich es heute dann aufgekocht und in sterilisierte Gläser gefüllt habe. Steriles Arbeiten ist das A und O!

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Der Lohn sind einige Gläser köstliche Holunder-Zwetschgen-Konfitüre. Handmade und von hier.

Liam, 24.08.2015, 12:03 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Wilder Wein

Ich glaube, daß es beim Foragen darauf ankommt, das zu nutzen, was man gerade findet. Natürlich kann man auch losziehen mit dem Vorhaben, ein bestimmtes Kraut oder eine bestimmte Sorte Früchte zu finden, aber in der Regel ist es eher so, daß man etwas ganz anderes findet als man gesucht hat 🙂

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Neulich wollte ich eigentlich schauen, ob ich schon erste Birnen und Hagebutten finde. Was ich jedoch tatsächlich ernten konnte, war wilder Wein. Den hatte ich bisher noch nie und deswegen wußte ich nicht, ob es sich lohnen würde, ihn zu Gelee oder Sirup einzukochen.

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Nachdem ich ihn weichgekocht und durch die Flotte Lotte gedreht hatte, stand allerdings fest, daß sich wieder das eine noch das andere lohnen würde.

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Also gab ich dem Saft noch etwas Zucker zu und verkochte das Ganze zu einem leicht süßen Saft, den wir mit Wasser gemischt als Schorle getrunken haben.

Zusammen mit dem ersten Kürbis der Saison (aus dem ich ein Curry gekocht habe), war das wohl der erste Hinweis auf den nahenden Herbst…

Liam, 20.08.2015, 11:59 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Traubenkirschen

Je länger ich mich mit Pflanzen beschäftige, desto feinfühliger scheine ich für ihre Botschaften zu werden. Dieser Satz ist übrigens überhaupt nicht esoterisch gemeint 🙂 Es ist nur so, daß ich immer wieder feststelle, wie sehr Pflanzen mit uns Menschen schwingen und in Resonanz treten wollen, wenn wir sie lassen.

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diese Aufnahme entstand zwei Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme: jetzt sind schon viele Kirschen reif (dunkelrot)

Um das mal zu konkretisieren, habe ich mir das Beispiel von den Traubenkirschen herausgepickt. Bis vor ein paar Wochen hatte ich keine Ahnung davon, daß es Traubenkirschen gibt. Als wir dann neulich foragen waren, fielen mir einige Bäume auf, an denen in Trauben kleine Früchte hingen, deren Farben von grün bis knallrot reichten.

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sonnenverwöhnte Traubenkirschen: prall, saftig und dunkelrot bis fast schon schwarz

Ohne zu wissen, was das für Bäume waren, ließ ich mich auf das ein, was an inneren Bildern nach oben kam, während ich die Pflanzen betrachtete. Das war durchgängig positiv. Ich hatte den Eindruck eines nährenden, den Menschen zugewandten Wesens. Ich besah mir den Wuchs, die Blätter, die Borke und die Früchte. Ich war mir so sicher, daß der Baum bzw. seine Blätter und Früchte eßbar sind, daß ich eine Frucht in den Mund nahm, auf sie biß und den Kern wieder ausspuckte. Das Fruchtfleisch war sehr sauer und zog mir alles zusammen.

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meine Ausbeute: 2 kg Traubenkischen

Das ist definitiv kein Vorgehen, zu dem ich ermutigen möchte! Wenn man nicht weiß, was man vor sich hat, tut man gut daran, es beim Foragen auszulassen, vor allem wenn man unerfahren ist. Ich jedenfalls war mir meiner Sache sicher, hatte aber Probleme, die Pflanze in einem meiner Bestimmungsbücher zu finden. Und wieder trat sie mit mir in Kontakt. Aus dem Nichts kam mir plötzlich der Name „Traubenkirsche“ in den Sinn und als ich danach suchte, fand ich den Baum sofort. Natürlich kann man damit argumentieren, daß ich den Begriff schon mal irgendwo gehört und abgespeichert hatte, aber genau solche Begegnungen habe ich derart oft mit Pflanzen, daß ich längst nicht mehr an einen Zufall glaube.

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die ‚Flotte Lotte‘ richtet’s

Zwei Wochen später kam ich an den Platz zurück. In der Zwischenzeit waren etwa 50% der Traubenkirschen herangereift und schmeckten nun gar nicht mehr sauer, sondern ausnehmend süß mit einer leichten Bitternote. Im Grunde wie die Kirschen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. In kürzester Zeit sammelte ich rund 2 kg zusammen – wie immer beim Foragen darauf achtend, daß genug für Vögel und andere Tiere zurückbleibt. Beim Sammeln wurde ich dann auch von ein paar Staren begleitet, die in den Kronen der Bäume reife Kirschen fraßen.

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die Essenz der Traubenkirsche

Wieder daheim habe ich die Traubenkirschen mit etwas Wasser aufgekocht, bis das Fruchtfleisch von den Kernen fiel. Die Früchte wurden durch die Flotte Lotte passiert, um Kerne und Stiele auszusondern. Das gewonnene Fruchtmark wurde abgewogen und mit derselben Menge Zucker sowie dem Saft von drei Zitronen aufgekocht.

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2 kg Traubenkirschen verkochen zu etwa 4 bis 5 großen Gläsern Marmelade

Anders als beim Arbeiten mit Gelierzucker muß man bei der klassischen Marmelade-Herstellung etwa alle 30 Sekunden eine Gelierprobe machen, damit man den perfekten Zeitpunkt nicht versäumt.

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Forager’s delight

Das Ergebnis ist eine fein-süße Marmelade mit ganz zarter Bitternote. Sowas kann man jedenfalls in keinem Laden kaufen 🙂

Liam, 14.08.2015, 12:38 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Foraging in der Stadt

Ich selbst wohne seit ein paar Jahren auf dem Land, nachdem ich den Großteil meines Lebens in der Großstadt gelebt habe (rund 350.000 Einwohner). Es war eine bewußte Entscheidung, die Stadt hinter mir zu lassen. Vielleicht klingt es komisch, aber auch hier spielte die PTBS eine Rolle. In der Stadt war es leichter, in der Masse unterzugehen (das war positiv), aber es war auch viel lauter und es waren viel mehr Menschen um mich herum (das war negativ). Den typischen (oder klischeehaften) Aspekten des Landlebens habe ich mich allerdings nie hingegeben. Ich habe keinen Kontakt zu meinen Nachbarn, ich bin in keinem Verein, gehe in keine Kirche und versuche auch ansonsten, ein unberührtes Leben zu führen, weil es mir das sehr viel einfacher macht. Was mir aber fehlt und weiterhin vertraut ist, ist der „Spirit“ der Stadt. Ich bekomme sehr guten Zugang zu den Stadtgöttern oder Stadtdämonen oder wie immer man sie nennen will. Die Spirits auf dem Land sind ganz anders. Ich würde sagen, verschlossener, mürrischer, schrulliger. Sie sind vermutlich „baumischer“, wie Tolkien gesagt hätte. Es braucht länger, um Kontakt zu machen, aber wenn der Kontakt hergestellt ist, ist er bereichernd und reicht sehr tief. Hier auf dem Land kann ich die Wurzeln besser spüren, dafür ist die Stadt chaotischer – eine Energie, in der für mich immer auch Kreativität liegt.

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auch schon in der Stadt gefunden: (unreife) Zitronen

Stadt und Land bieten unterschiedliche Nahrungsquellen. Ich würde das nicht werten oder das eine dem anderen vorziehen, ich persönlich empfinde es sogar als Bereicherung, mobil zu sein, um die Vorteile beider Lebensräume zum Foraging zu nutzen. Viele Leuten scheuen davor zurück, wilde Nahrung in der Stadt zu suchen, weil sie befürchten, sie sei dreckig (Autoabgase, Hundewege etc.). Natürlich muß man in der Stadt schauen, von wo man Nahrung sammelt, aber das muß man doch auf dem Land genauso. Wir haben hier auch Bundesstraßen und Hundewege, obendrein Flugplätze, stark gespritzte Felder und ausgedehnte Industriegebiete. Wenn man einen Ort öfter besucht, am besten noch an unterschiedlichen Wochentagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten, wird man mit ihm vertraut. Dann weiß man, ob er von vielen Hunden benutzt wird, ob es viel Verkehr gibt oder ob man hier unbedenkliche Nahrung sammeln kann. Ich habe zudem das Gefühl, daß sich der Ort an einen erinnert und, wenn er spürt, daß man ihm Wertschätzung entgegenbringt, irgendwann beginnt, mit einem zu kommunizieren.

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Mangold in einem Zierbeet

In der Stadt sammle ich gern in den entlegeneren Gebieten, zum Beispiel in Parks, an Bachläufen, in Hinterhöfen, auf großen, brachliegenden Grundstücken und ähnlichem. Wie auf dem Land gilt hier: im Zweifelsfall den Besitzer fragen, ob er Foraging gestattet. Die meisten Menschen reagieren positiv auf freundliche Anfragen, mögen es aber überhaupt nicht, wenn man ungefragt ihr Land betritt. Selbst wenn sie die dort wildwachsenden Schätze niemals selbst ernten würden, reagieren sie eifersüchtig darauf, wenn sie ihnen einfach weggenommen werden. Indem man den Dialog sucht, kann man möglicherweise obendrein Interesse für das, was vor der eigenen Haustür wächst, wecken. Und wenn man weiß, was man vor sich hat, steigt die Wertschätzung dafür.

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Noch ein Zierbeet. Hier könnte man Mangold, unterschiedliche Salbeisorten und Hibiscusblüten für Tee ernten.

Die frühen Jäger- und Sammlerkulturen waren ja vor allem deswegen keine Schriftkulturen, weil sie vom großzügigen Austausch von Wissen lebten, also eine starke mündliche Tradition hatten. Ich finde, mit diesem Geist kann man sich verbinden, wenn man anderen davon erzählt, was man da sammelt, wozu es gut ist und wie man es zubereitet.

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wächst mitten in der Stadt und ist sehr genügsam: wilde Rauke (Rucola), die ihresgleichen sucht

Im Gespräch mit den wenigen Menschen, die mich beim Sammeln ansprechen (interessanterweise sind das fast ausschließlich Frauen aus Ländern wie Kroatien, Rumänien, Polen etc., die das Sammeln wilder Kost noch aus ihrer Kindheit kennen), ist mir klar geworden, daß es große Ängste bezüglich der Giftigkeit von Pflanzen gibt. Ich denke, da hilft es dann besonders, wenn man erzählt, woran man die Pflanze erkennt, wann sie erntereif ist und wie man sie ggf. verarbeitet, falls man sie nicht roh essen kann. Im Zweifelsfall demonstriere ich einfach, daß man keine Angst haben muß, indem ich sie mir in den Mund stecke, während mein Gegenüber mir dabei zuguckt. Das nimmt die Furcht. Naja. Oder man wird für verrückt gehalten 😉

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nicht giftig, obwohl signalrot: die Kornellkirsche

Gerade in der Stadt ist es wichtig, beim Sammeln genug von der Pflanze für andere übrig zu lassen. Vögel und andere Tiere sind in der Stadt mehr noch als auf dem Land auf die vorhandenen Ressourcen angewiesen. Würde man z.B. alle reifen Früchte eines Baumes abernten, könnte es sein, daß sich deswegen eine Tierart nicht vernünftig ernähren kann. Wichtig ist auch, daß man die Kerne und Samen von Pflanzen ausspuckt und ihnen die Möglichkeit gibt, sich an einem anderen Standort anzupflanzen. Die Devise lautet: foragen, nicht plündern!

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neben Katzenhaaren haben sich hier Samenkapseln mit feinen Widerhaken in meiner Hose festgehalten. Ich habe sie ein ganzes Stück weit mitgetragen und dann abgelegt

Für mich hat Foraging neben dem schieren Nutzen der Sammlung von Nahrung auch immer einen spirituellen Aspekt. Ich gehe ein enge Beziehung mit dem Land und mit den Pflanzen ein. Pflanzen erzeugen Resonanz. Sie schwingen in uns weiter, ob wir sie nun ansehen, sie berühren oder gar durch den Mund in uns aufnehmen. Alles, was ich esse, wird zu einem Teil von mir, und ich werde zu einem Teil von ihm.

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ok, so einen Ausblick gibt es nur auf dem Land… 😉

Ich hoffe, ich habe Euch Lust gemacht, selbst einmal zu schauen, was in Eurer Umgebung wächst – die Stadt lebt 🙂

Liam, 09.08.2015, 19:00 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Lammas / Foraging

Heute Nachmittag waren mein Mann, unser Sohn und ich hinter unserem Dorf in den Feldern foragen.

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Ich hatte im letzten Jahr einen Spot gefunden, an dem damals vielleicht fünf Stengel Minze aus dem Boden lugten, und ich hatte die Hoffnung, daß sie sich vielleicht vermehrt hätte.

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Hatte sie 🙂 Allerdings ist sie wohl erst kürzlich gemäht worden. Ich habe zwei Hände voller Blätter geerntet, vor allem aber zwei Wurzeln ausgegraben, die ich daheim in einen Topf gesetzt habe. So viril, wie Minze ist, müßte sie eigentlich austreiben. Und dann habe immer genug von dieser tollen Minze daheim.

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Etwas weiter den Weg runter haben wir Schafgarbe gefunden.

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Mein Sohn hat einen Strauß davon gepflückt und war ganz stolz darauf 🙂 Schafgarbe und Minze sind gerade im Dörrautomaten, damit sie uns im Winter leckeren Tee liefern.

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Noch etwas weiter gab es dann Johanniskraut bzw. eine Johanniskrautunterart, die bei uns in der Gegend wächst. Hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, mit den Blüten ein Öl anzusetzen, das man z.B. bei kleinen Verletzungen verwenden kann, aber am Ende habe ich das Kraut doch einfach gebündelt und zum Trocknen aufgehängt, um es später in meinen Kräuterbuschen einzuarbeiten.

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Auf dem Rückweg habe ich dann Berberitzen gefunden. Noch sind sie nicht reif, aber ich freue mich schon jetzt auf die sauren Früchtchen 🙂

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Ich denke immer wieder, in was für einer schönen Region ich hier lebe. Aber dennoch zieht es mich Jahr für Jahr stärker in den Norden, auf die britischen Inseln…

Liam, 30.07.2015, 18:32 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare
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