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Kategorie: Foraging

Lammas / Das Opfer

„Mitten im Winter habe ich erfahren, daß es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“ (Albert Camus). Dieses Zitat habe ich diese Woche zufällig in einem Buch aus dem Bücherschrank gefunden, das schon seit dem Winter in meinem Regal steht. Es paßt perfekt in diese Zeit. Lammas ist eins der Jahreskreisfeste, zu denen ich den direktesten und persönlichsten Bezug habe, auch deswegen, weil der Todestag eines Menschen, der mir sehr nahe stand, in diese Zeit fällt. Diese Woche jährt er sich zum zehnten Mal und wirft Fragen bezüglich der Wahrnehmung von Zeit, Zyklen und auch vom Opfer(n) auf.

Grundsätzlich mag ich den Begriff des Opfers nicht. Im naturspirituellen Kontext ist damit ja meist das Darbringen bestimmter Speisen, Getränke, anderer Substanzen oder Handlungen für das Göttliche gemeint. Für mich persönlich ist das Wort jedoch mit Gewalt und Traumatisierung verbunden und daher vermeide ich es in der Regel im spirituellen Kontext. Dieses Jahr jedoch fällt es mir schwer, weiterhin von Geschenken an das Göttliche zu sprechen, sowohl in Hinblick auf den oben erwähnten zehnten Todestag als auch im Zusammenhang mit bestimmten inneren Prozessen, die sich gerade in mir vollziehen. Mir wird klar, daß ich viele Dinge tatsächlich geopfert und nicht hergeschenkt habe und daß ich sie nach wie vor als Verlust empfinde, wenngleich manches über 20 Jahre zurückliegt. Darin regen sich Wut und Verlustgefühle und auch der bittere Wunsch nach Wiedergutmachung (die es nicht geben wird). In esoterischen Kreisen heißt es oft sehr verallgemeinernd und für Traumatisierte absolut unpassend: Du mußt Dir einfach selbst verzeihen und loslassen. Manchmal gibt es nichts zu verzeihen, schon gar nicht Tätern. Und ich glaube, loslassen kann für Traumatisierte ab einem bestimmten Punkt der Integration des Traumas in den Lebenskontext als Bedrohung und Vorstufe zum Zusammenbruch aufgefaßt werden. Ich betrachte die Traumata manchmal als Verletzungen, die einem noch wachsenden Baum zugefügt werden. Seine Rinde wird borkig und narbig, er wächst in eine andere Richtung, aber selbst die esoterisch-verklärteste Person würde dem Baum nicht raten, diese Verletzungen einfach loszulassen. Das ist Schwachsinn. Ich glaube lieber daran, daß es Hoffnung gibt, solange es Leben gibt. Daß da Sommer ist, auch wenn viele Teile der Existenz im Winter liegen.

Überhaupt, Trauma und der innere Sommer – das ist so ein schönes Bild. Ich empfinde mein Innenleben als reich, aber durch die komplexen Traumatisierungen dringt von diesem Sommer nicht viel (oder ehrlich gesagt: meist gar nichts) nach außen. Das Trauma hat die Fähigkeiten, Freundschaften aufzubauen und zu erhalten, Vertrauen zu haben und sich hinzugeben, als Opfer gefordert. Dieser Ast wurde gekappt. Die Frage ist eigentlich nur, ob ich Techniken erlernen kann, die mir helfen, in der Welt, die nach den traumatisierenden Erfahrungen ein fremder, gefährlicher Ort geworden ist, neu auszutreiben. Mich zu öffnen. Die ehrliche Antwort ist im Moment: nein. Ich bin glücklicher allein.

Jetzt gerade, wo das Korn eingefahren wird, betrauere ich all die Opfer in meinem Leben. All die Dinge, die mir genommen wurden. Ich fange aber auch an, zu begreifen, daß diese Dinge ganz unabhängig von mir selbst passiert sind. Mir wurden Opfer abverlangt, und es hatte nichts damit zu tun, daß ich nicht gut oder „lieb“ genug gewesen wäre. Manchmal passieren guten Leute schlimme Dinge. It’s that simple.

Wenn ich in dieser Zeit zum Foragen gehe, bin ich mir dieses Bildes vom Opfer(n) immer bewußt. Ich denke dann an Susun Weed, die einmal von der Erde schrieb: „Now you eat me…soon I’ll eat you“. Jetzt ißt Du mich, bald esse ich Dich. Es geht dann wohl doch ums Festhalten und Loslassen. Um das Bewußtsein von der eigenen Sterblichkeit und von der Notwendigkeit, ständig anderes Leben zu opfern, um selbst zu leben. Die Fülle jetzt enthält schon das Versprechen auf den Mangel. Die Lammassonne läßt mich an den Imbolcschnee denken. Foragen ist wahrscheinlich der Versuch, das Versprechen der Wiederkehr festzuhalten.

Opfer und Trauer, Ernte und Fülle, Sonne und Wolken, äußerer Sommer und innerer Winter – das sind gerade meine Themen zu Lammas.

Liam, 30.07.2015, 12:22 | Abgelegt unter: Foraging,PTBS,Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Brombeeren foragen

Am vergangenen Wochenende waren mein Mann und ich auf einem alten Flugplatz spazieren, auf dem sich heute neben Joggern nur noch Krähen und Kaninchen rumtreiben 🙂 Dort standen unzählige Brombeerhecken, die schon einige reife Früchte trugen, obwohl der Großteil wohl noch zwei Wochen brauchen dürfte.

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Natürlich konnte ich nicht anders und verbrachte anderthalb oder zwei Stunden damit, die Hecken abzusuchen und nicht von den ebenfalls an den Früchten interessierten Wespen gestochen zu werden. Wenn man die 300. Brombeere pflückt, guckt man nämlich nicht mehr sooo genau hin und Wespen sind ja doch sehr gut getarnt…

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Am Ende hatte ich eine erkleckliche Menge der süßen Beeren im Sack. Daheim habe ich sie verlesen…

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…und dann im Dörrautomaten getrocknet. Wären es weniger Beeren gewesen, hätte ich sie einfach an der Luft trocknen lassen, aber bei der Masse hatte ich Sorge, daß die Beeren möglicherweise schimmeln könnten. Mir fehlt einfach der Platz, um sie dann anständig auszubreiten.

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Lohn der stundenlangen Arbeit: ein großes Glas getrockneter Brombeeren. Die dürfen jetzt erstmal bis zum Winter im Schrank ruhen – und dann werden sie eine Müslibeigabe, die Sommererinnerungen wachruft.

Liam, 28.07.2015, 21:51 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Kräuter foragen

Am letzten Wochenende war ich Kräuter sammeln. In meiner sehr wärmeverwöhnten Region kann es im August dafür nämlich durchaus schon zu spät sein, weil die Erde und alles, was auf ihr wächst, nach mehreren Wochen gnadenloser Hitze einfach nur verbrannt ist. Weil es bei uns so warm ist, blühen viele Kräuter, die andernorts erst im Hochsommer herauskommen, bereits im Juni, und typische Herbstkräuter wie etwa die Goldrute machen sich schon im Juli bemerkbar. Den klassischen Kräuterbuschen, der ja traditionell Mitte August zusammengestellt wird, muß ich einen bis anderthalb Monate früher zusammensammeln.

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Am letzten Wochenende war ich also wieder einmal auf meinem Berg unterwegs. Ich nutze diese Ausflüge nicht nur zum Sammeln, sondern auch um zu schauen, welche Kräuter als nächstes soweit sein werden, so daß ich ein wenig besser planen kann.

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Jetzt gerade blüht der Feldthymian. So ein wunderbares Gewächs! Es ist herrlich aromatisch, z.B. unter Pellkartoffeln gemischt, und kann, wenn man es trocknet und für den Winter einlagert, als Tee gegen Husten und Heiserkeit getrunken werden.

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von links nach rechts: Rainfarn, Johanniskraut, Beifuß und Feldthymian

Den Beifuß habe ich nur zum Teil für den Kräuterbuschen gesammelt. Vor allem wollte ich mir wieder einmal eine Beifußzigarre drehen, die ich zum Ausräuchern des Hauses und im rituellen Kontext verwende. Sobald der Beifuß getrocknet ist, entferne ich das Paketband und wickle die Zweige mit einem dünnen Garn zusammen, das mitverbrannt werden kann.

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Den Rainfarn verwende ich nicht innerlich, sondern pflücke ihn aufgrund seines aromatischen Duftes und seiner Blütenform, die mich an kleine Sonnen erinnert – genau das richtige für die kalten, grauen Tage, die garantiert kommen werden. Aufgehängt an einem warmen, gut belüfteten und schattigen Ort trocknen die Kräuter sehr schnell und schonend.

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Für den kommenden Spätherbst habe ich mir schon notiert, wo ich wunderbare Schlehen finden werde. Sloe Gin, ich komme! ♥

Liam, 24.07.2015, 11:23 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Ein paar Lieblingskräuter

Da das Thema Wildkräuter inzwischen im Mainstream angekommen ist, gibt es eigentlich genug Bücher und Internetseiten, die helfen, Wildkräuter zu bestimmen, aber ich dachte, ich zeige mal ein paar meiner Lieblingskräuter. Falls Ihr selbst losgehen und foragen wollt, denkt bitte daran, daß Ihr nur Kräuter sammelt, bei denen Bestimmung Ihr Euch zu 100% sicher seid – im Zweifelsfalls laßt ein Pflänzchen lieber stehen, bevor Ihr mit unangenehmen Nebenwirkungen zu tun habt. Denkt bitte auch daran, niemals einen Standort komplett leerzuräubern. Die Pflanzen können sich nur dann vermehren und noch mehr Freunde gewinnen, wenn Ihr ihnen die Chance dazu gebt.

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Das hier ist die Knoblauchsrauke. Ihr Knoblaucharoma ist sehr viel feiner als das des Bärlauchs, weswegen man sie auch gut vertragen sollte, wenn man ansonsten mit dem starken Zwiebelaroma Probleme hat. Die Knoblauchsrauke erkennt man gut an ihren besonders geformten Blättern, die immer versetzt am Stengel stehen. Sie blüht weiß und gibt ein nur leichtes Koblaucharoma ab. Ich verwende sie gern in Salaten, Suppen und Quiches und empfinde sie als sehr mild.

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Gundermann ist ein Bitterkraut, d.h. alle seine Teile schmecken vergleichsweise bitter. Man erkennt ihn an seinen runden Blättern mit dem „Wellenschnitt“ am Blattand und an seinen rosigen bis violetten Blüten. Beides verwende ich eher sparsam, z.B. die Blätter für Pastasaucen und die Büten als Salatdekoration.

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Goldnessel sticht im Gegensatz zur Brennessel nicht. Sie kann leicht anhand der weißen Flecken auf ihren Blättern identifiziert werden. Wenn sie blüht, erkennt man, woher sie ihren Namen hat 🙂 In ihren Blüten sitzt ein winziger Nektartropfen (wie bei allen Lippenblüten), den man aussaugen kann. Goldnessel mag ich besonders gern in Saucen und Suppen.

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Spitz- und Breitwegerich sind miteinander verwandt, nur daß der Erstere lange, lanzettförmige und der Zweitere breitere, rundere Blätter hat. Die Blüten- und Samenstände des Breitwegerich kann man übrigens direkt nach dem Pflücken knabbern, sehr lecker. Beide wirken als Akutmaßnahme gegen Insektenstiche. Dazu einfach ein Blatt zerreiben und den Stich mit dem frischen Pflanzensaft behandeln. Ich verwende die Blätter beider Wegeriche in Pasteten, aber auch gern als Teekraut. Der Spitzwegerich ist einer meiner liebsten Erkältungstees.

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Von der Mariendistel verwendet man die Wurzel. Sie ist ein Bitterkraut und hilft, die Leber zu tonisieren. Die Wurzel wird im Herbst gegraben und kann dann z.B. gesäubert und gehackt in 40%igem Alkohol ausgezogen werden, ggf. zusammen mit anderen „Leberkräutern“ wie der Angelika.

Liam, 13.06.2015, 20:01 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Der Garten am 29.5.2015

In den vergangenen Wochen hat sich in meinen Kübeln und Kästen einiges getan. Zunächst mal konnte ich schon mehrfach Salat ernten. Da ich immer nur die äußeren, großen Blätter schneide, bildet der Salat von innen heraus immer neue Blätter nach. Ich bin gespannt, wie oft ich noch ernten kann, bevor der Salat blüht.

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Die Kohlraben sind riesig geworden. Anfangs konnte ich es nicht richtig identifizieren, aber das, was ich für einzelne Pflanzen gehalten hatte, entpuppte sich jeweils als Bündel von zwei bis drei Pflanzen, so daß ich demnächst eine Kohlrabischwemme haben werde 🙂

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Meine beiden winzigen Tomaten sind inzwischen ordentlich gewachsen und blühen gerade. Nachdem ich gestern die Photos gemacht hatte, habe ich den einen Ast hochgebunden, damit er mir nicht abknickt.

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In diesem Kräuterkasten habe ich Tripmadam, Oregano und Salbei vergesellschaftet. Vor allem den Oregano benutze ich gern; in Pasta- und Pizzasaucen ist er herrlich.

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Hier teilen sich Nana-Minze und Borretsch einen Kasten. Die Nana-Minze trinke ich gern als Tee. Dazu streue ich einfach zwei bis drei Blättchen in einen fertigen Schwarztee. Das ist auch eine tolle Medizin gegen Magengrummeln. In der unteren rechten Ecke erkennt man meine Peperoni und einen kleinen Teil der Habanero-Chili. Beide Pflanzen sind schon gut gewachsen, zeigen aber noch keine Blüten.

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Der Borretsch steht kurz vor der Blüte ♥

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Das ist englische Minze, die u.a. für die traditionelle Mint Sauce (Minzsauce) verwendet wird, für die die englische Küche berühmt-berüchtigt ist.

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Von Rosmarin, Thymian und Kapuzinerkresse habe ich gestern kein Bild gemacht, aber die sind auch alle gewachsen und konnten schon mehrmals geerntet werden. Insgesamt bin ich mit meinem kleinen Kasten-Garten total glücklich. Man braucht nicht viel Zeit, um die Pflanzen zu pflegen. Tägliche Kontrollen und ggf. Gießen reichen. Ab und zu knipse ich verwelkte Blätter ab. Ich hatte jetzt vor allem an den scharfen Kräutern (Habanero und Kapuzinerkresse) sowie an den Tomaten ein paar Blattläuse. Wenn ich einen Eierhaufen von ihnen finde, zerdrücke ich diesen. Ansonsten behandle ich die Pflanzen mit einer Mischung aus Niem-Tinktur und Wasser, weil das ein für den Menschen ungefährliches Spritzmittel ist.

Wenn das so weitergeht, werde ich meinen kleinen Garten nächstes Jahr um zwei Kästen aufstocken. Würde gern mal Broccoli (am liebsten PSB, also Purple Sprouting Broccoli) und Blumenkohl anbauen.

Liam, 29.05.2015, 13:27 | Abgelegt unter: Der Garten,Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Salat mit Wildkräutern

Gerade, wenn man noch nicht viel Erfahrung mit Wildkräutern hat, bietet es sich an, sie mit Kultursalat und Rohkost zu mischen, um sich an ihren kräftigen, teilweise leicht bitteren Eigengeschmack zu gewöhnen. Wildkräutern besitzen nämlich anders als Kultursalat bzw. überhaupt Gemüse aus menschlichem Anbei noch jede Menge Mineralien, die sie kräftig und durchaus auch salzig schmecken lassen.

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Das Bild zeigt ein Beispiel von unzähligen Salaten, die man aus Kultur- und Wildpflanzen mischen kann. In diesem Fall befinden sich neben Frisée, Radieschen, Fenchel, Paprika und Frühlingszwiebeln noch Bärlauch, Taub- und Goldnessel, junge Erdbeerblätter, junge Buchenblätter, Gundermann, Scharbockskraut, Vogelmiere und Knoblauchsrauke in der Schüssel. Die Blüten von Gundermann, Bärlauch und Taubnessel habe ich zum Schluß untergehoben. Sämtliche eßbare Kräuter, die man zweifelsfrei identifizieren kann, eignen sich für so eine Salatschüssel.

Übrigens: alle Lippenblüten (Salbei, Taubnessel, Goldnessel, …) besitzen einen winzigen, sehr süßen Tropfen Nektar, den man aussaugen kann. Dazu die Blüte vorsichtig ablösen und an der hinteren Blütenöffnung saugen.

Liam, 27.04.2015, 11:08 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Bärlauchblütensalz

Beim Sammeln habe ich heute eine gute handvoll aufgeblühte Bärlauchknospen mitgenommen.

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Wie ich schon beim Beitrag zu den Bärlauchkapern schrieb, ist auch Bärlauchblütensalz für mich eine Kostbarkeit, von der ich pro Saison nur ein Glas herstelle. Es ist allerdings auch wirklich ergiebig.

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Für ein großes Glas voller Bärlauchblütensalz braucht man 1 kg Salz und eine handvoll Bärlauchblüten, nach dem Aufblühen gesammelt. Ein Wort zum Salz: ich verwende in meiner Küche überhaupt kein Natriumchlorid, welches als „Tafelsalz“ im Handel angeboten wird. Das ist ein Überbleibsel aus meinen streng vollwertigen Tagen, aber ich gehe nach wie vor mit der Vollwertküche d`accord, die das „Tafelsalz“ ablehnt, weil es eine reine Chemikalie ist. Salz, wie es in der Natur vorkommt, enthält viele Spurenelemente, die dem „Tafelsalz“ komplett fehlen. Ich persönlich verwende Meersalz (wobei man sich die Frage gefallen lassen muß, ob man Meersalz angesichts der schrecklichen Verschmutzung der Meere noch empfehlen kann…) und Steinsalz. Für mein Bärlauchblütensalz habe ich mich für Meersalz entschieden.

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Unten in das Glas gibt man eine Schicht Salz, die etwa 1 cm dick sein soll. Darauf wird ein Teil der Blüten (samt Stielen) geschichtet, dann folgt wieder Salz, dann wieder Blüten, bis das Glas voll ist. Die oberste Schicht bildet Salz, so daß alle Pflanzenteile bedeckt sind. Das Salz sollte zwischen sechs und acht Wochen durchziehen und kann dann im Blender feingemahlen werden. Bärlauchblütensalz ist lecker auf Rohkost, in Dressings, Aufstrichen, Suppen, Saucen und natürlich auch auf Ei!

Liam, 25.04.2015, 18:53 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Bärlauchkapern

Von Bärlauchkapern mache ich pro Saison nicht mehr als ein Glas. Warum? Bärlauch steht nicht unter Naturschutz, doch er ist in weiten Teilen Deutschlands gefährdet bzw. nur selten vorhanden. Ich habe nun das Glück, in Süddeutschland zu leben, wo er sehr häufig vorkommt. Und ich möchte auch, daß das so bleibt. In den letzten Jahren, in denen Wildkräuter durch die vielen Medienberichte wieder populärer geworden sind, wird auch mehr gesammelt. Leider gehen dabei nicht alle Sammler rücksichtsvoll und schonend vor. Einer meiner alten „Bärlauch-Spots“ ist regelrecht verwüstet worden, weil irgendwer die Pflanzen quadratmeterweise samt der Knollen herausgerissen hat. Das macht mich total ärgerlich und ich möchte mich keinesfalls in die Riege dieser „Naturfreunde“ einreihen. Ich sammle also insgesamt nur dort, wo Bärlauch zahlreich ist, und dann auch nur die Menge, die ich selbst verarbeiten und verzehren kann. Mir ist außerdem wichtig, von jeder Pflanze nur ein, maximal zwei Blätter zu ernten, damit sie diesen Verlust verarbeiten kann. Ich werfe nicht ein einziges Blättchen und nicht eine einzige Blüte fort – das hat meiner Meinung nach auch etwas mit Respekt vor der Natur zu tun. Es ist genug da für jedermanns Hunger, aber nicht für jedermanns Gier – oft gehört und doch so wahr!

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Bärlauchkapern stellen also – genau wie Bärlauchsalz – für mich eine Kostbarkeit da. Obwohl Bärlauch eine Zwiebel hat, vermehrt er sich auch durch die Samen, und diese können nur gebildet werden, wenn die Blüten bestäubt werden. Sammelt man also zu viele Blüten, bilden sich zu wenige Samen und der Bärlauch hat weniger Chancen darauf, neue Pflanzen zu bilden bzw. neue Standorte zu besiedeln.

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Das Rezept für die Bärlauchkapern: eine handvoll Bärlauchblüten vorm Aufblühen sammeln und verlesen. Mit 2 TL Salz bestreuen und zwei Stunden ruhen lassen. Dann 400 ml Essig in einem kleinen Topf aufkochen, die Bärlauchblüten dazugeben und einmal kurz aufkochen lassen. Die Knospen abseihen und direkt in ein sterilisiertes Bügelglas geben. Den Essig noch einmal aufkochen lassen, dann über die Kapern gießen. Das Glas verschließen. Mindestens zwei Wochen ziehen lassen. Bärlauchkapern halten sich bis zu ein Jahr lang.

Liam, 25.04.2015, 18:41 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Apfelblütenessig

Apfelessig kennt wahrscheinlich seit dem Hype, der in den späten 90ern um ihn als Lebenselixier gemacht wurde, jeder. Apfelblütenessig ist etwas feiner und milder im Geschmack, fast schon blumig-süß.

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Für rund einen halben Liter Apfelblütenessig braucht man 0,5l Weißweinessig, eine große handvoll Apfelblüten und ein Einweckglas.

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Und so wird er gemacht:

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An einem schönen, sonnigen Tag eine große handvoll Apfelblüten sammeln. Wenn die Sonne scheint, produzieren die Blüten mehr Staub, außerdem wäscht Regen ihn fort, was dazu führt, daß der Geschmack der Blüten dann eher fad wäre. Alle Bewohner aus den Blüten schütteln und die Blüten in das Einweckglas geben.

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Mit Essig auffüllen und dann eine Woche lang an einem hellen Ort ausziehen lassen. Dabei täglich gut durchschütteln.

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Nach einer Woche sind die Blüten eingefallen und haben den ganzen Blütenstaub an den Essig abgegeben. Den Essig durch ein feines Tuch filtern. Das kann ein Mulltuch oder ein Geschirrhandtuch sein – Hauptsache sauber. Dabei die Blüten auspressen.

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Abfüllen, etikettieren und innerhalb von 2 Monaten aufbrauchen.

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Das letzte Bild soll zeigen, wie trüb der Essig im Vergleich zu vorher geworden ist, aber ich vermute, man erkennt nicht allzu viel 😉

Der Apfelblütenessig ist ausgesprochen lecker in Dressings. Würde man ihn erhitzen oder mitkochen, würde das den feinen Apfelgeschmack leider zunichte machen.

Liam, 25.04.2015, 17:35 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Bärlauchpesto

Um ein bißchen Bärlauch-Goodness für das spätere Jahr zu retten, wenn die Pflanzen sich in ihre Zwiebeln zurückgezogen haben, habe ich Bärlauchpesto gemacht. Bei Wildkräuterpestos bleibe ich gern sparsam bei den zusätzlichen Zutaten, um den Geschmack der Kräuter so authentisch wie möglich zu konservieren.

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In meinem Bärlauchpesto sind folglich neben Bärlauch nur Cashewkerne, etwas Salz und Sonnenblumenöl enthalten. Die Herstellung ist denkbar einfach: alle Zutaten in den Blender schmeißen und solange mixen, bis die gewünschte Textur erreicht ist. Pestos lasse ich gern ein bißchen stückig.

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Nach dem Abfüllen in Gläser bekommt das Pesto einen „Deckel“ aus Öl verpaßt. Das Öl sorgt dafür, daß die Kräuter von der Luft abgeschlossen sind und daher nicht verderben. Wenn man etwas Pesto entnimmt und der Rest sich wieder gelegt hat, sollte man kontrollieren, ob eventuell noch etwas Öl nachgefüllt werden muß. Auf diese Weise kann man Frühlingskräuter bis in den Winter hinein retten (wenn man sie nicht vorher aufißt :)).

Bärlauchpesto ist lecker zu Nudeln, aber auch als Brotaufstrich, in Suppen und Saucen.

Liam, 21.04.2015, 11:31 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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