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Archiv: Dezember 2014

Ein Mammut schnitzen

Im November war ich mit meinem Mann im Urkundemuseum Blaubeuren. In dessen Museumsshop habe ich mir ein Mammutschnitzkit gekauft, das eigentlich für Kinder gedacht ist. Zusammen mit einer Anleitung erhält man je ein Stück Speck-, Sand- und Feuerstein und ein Stück Leder und kann sich dann ein kleines Mammut schnitzen. Ich hatte noch nie zuvor mit Speckstein gearbeitet und war im Zweifel darüber, ob ich das überhaupt schaffen würde, ohne daß mir das Material bricht oder ich mich verletze.

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Bei der ersten Schnitzsession habe ich das Mammut auf den Speckstein gezeichnet und dann versucht, mit dem Sandstein die groben Konturen herauszuarbeiten. Dabei stellte sich heraus, daß ich als Neanderthaler leider ziemlich unbegabt gewesen wäre, denn ich konnte den Sandstein nicht gut greifen und es hätte ewig gebraucht, den weicheren Speckstein mit ihm zu bearbeiten.

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Für die zweite Session habe ich mir also modernes Werkzeug geholt: ein Säge- und ein Gemüsemesser. Hey, ich bin ein Homo Urbanus, ich darf das :mrgreen: Diesmal ließen sich die groben Konturen sehr viel einfacher herausarbeiten. Mit dem Gemüsemesser habe ich sogar schon ein wenig Feinarbeit geleistet.

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Bei der dritten und finalen Runde habe ich die Form so fein es mir möglich war herausgearbeitet und die Kanten abgeschabt, um einen runden, lebensechten Eindruck zu erschaffen. Die Kopf-Rüssel-Linie, den Schwanz, die Zehen und die Knickfalten am Bauch habe ich mit der Spitze des Gemüsemessers eingeritzt bzw. herausgestellt.

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Zum Schluß habe ich das Mammut von allen Seiten beigeschliffen, indem ich die Klinge im stumpfen Winkel über den Stein geschabt habe. Um seine Farben zum Leuchten zu bringen, habe ich es mit einem Tropfen Walnußöl eingerieben. Das Öl war am nächsten Tag gut eingezogen und hat die Konturen und Linien plastisch hervorgehoben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Hat riesig Spaß gemacht 😀

Liam, 30.12.2014, 13:28 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #1

Normalerweise planen mein Mann und ich immer für eine ganze Woche das Essen im Voraus. Samstags gehen wir den Großeinkauf erledigen und in der Woche wird dann meist nur noch frisches Gemüse und Obst dazugekauft. Ich weiß noch nicht, ob ich regelmäßig unseren Speiseplan bloggen möchte, aber im Moment finde ich das spannend, um es für mich selbst zu dokumentieren. Also…

  • Samstag: Tomatencremesuppe mit Einlage, dazu Pilztoasts mit Parmesan (vegetarisch)
  • Sonntag: Hähnchengeschnetzeltes mit Sherry, Karotten und Reis (omnivor)
  • Montag: Pasta Stroganoff und Rapunzeln mit Kräuterdressing (vegetarisch)
  • Dienstag: Kartoffel-Pilz-Kräuter-Täschchen und gemischter Salat (vegan)
  • Mittwoch: zwei Sorten Knödel mit Rotkohl, Sauerkraut und Rahmwirsing sowie Sojawürstchen (vegan). Die unterschiedlichen Gemüsebeilagen sind den unterschiedlichen Geschmäckern meiner Familie geschuldet 🙂
  • Donnerstag: Bohnengratin mit Feta, dazu Rösti (vegetarisch)
  • Freitag: Spaghetti mit Ruccola und Pinienkernen (vegan)

Außerdem habe ich diese Woche nach Jahren mal wieder den „Flourless Chocolate Cake“ nach Gary Rhodes gebacken, der damit der erste vegetarische Kuchen nach fast vier veganen Jahren ist. Ich bin von seiner Fluffigkeit und Leichtigkeit absolut begeistert.

Liam, 29.12.2014, 17:31 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Jahresrückblick – Jahresausblick

Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich die Nachbarn schon Schnee schippen hören. Wir haben bestimmt 15 oder 20 cm Neuschnee und das ist für das eher schneearme Rheintal eine kleine Sensation. Ich mag Schnee, weil er alles, was das Auge ablenkt, vereinfacht und allen Konturen ihre Schärfe nimmt. Eigentlich steht das im Gegensatz zu meiner direkten und unverblümten Art, aber ich mag es wirklich sehr, wenn alles so friedlich dick überzuckert ist und ich das Gefühl habe, alles sei still, rücke von mir weg und lasse mich innehalten. Wenn starker Schneefall die (unnötige) Geschäftigkeit hemmt, entsteht ein interessanter Raum, in den Menschen und im Tag. Dieser Raum ist etwas Archaisches, eine urmenschliche Erfahrung, die heute nur leider viel zu kurz kommt. Dieses Innehalten haben wir wahrscheinlich alle nicht mehr besonders gut drauf, dabei ist es so fest in unserem genetischen und damit auch sozialen und spirituellen Programm verankert. Mir erscheint es, als wären wir geradezu davon besessen, diesem Erfahren aus dem Weg zu gehen, indem wir möglichst geschäftig sind und ständig versuchen, unsere Zeit maximal zu nutzen, anstatt sie mit mehr Leben zu füllen. Wann habe ich das letzte Mal einfach dagesessen und den Scheiten im Ofen zugehört, wie sie knisternd und knackend zu Glut zerfallen? Wann habe ich das letzte Mal eine Tasse Tee getrunken und nichts anderes nebenher gemacht? Und dieser Raum, der entsteht, wenn Schnee (oder etwas Ähnliches) unseren üblichen Tritt entschleunigt, ist doch geradezu dafür gemacht.

Ich möchte diese ruhige Zeit dafür nutzen, mir mein Jahr 2014 noch einmal anzugucken.

2014 war für mich persönlich kein gutes, kein schönes Jahr. Es war von Anfang bis Ende sperrig, schmerzhaft und konfliktbeladen, und vielleicht ist das auch der Grund dafür, wieso ich gerade für den Schnee so anfällig bin. Ich konnte praktisch nichts von dem, was ich gern getan hätte, für mich umsetzen, weil ich ständig damit beschäftigt war, mich um ganz essentielle Dinge zu kümmern. Jedesmal, wenn ich gehofft hatte, endlich auf dem sprichwörtlichen grünen Zweig angekommen zu sein, und mich anderen Dingen zuwenden wollte, wurde ich wieder zurückgeworfen und mußte weiterkämpfen. Ich habe dabei mehr Energie verloren, als ich überhaupt hätte wiedererlangen können, und so fühle ich mich jetzt am Jahresende ziemlich erschöpft und müde. Es gab kaum entspannte, entspannende Momente, und für viele Sachen, die mir Kraft geschenkt hätten, blieb keine Zeit oder – Ironie des Schicksals – keine Kraft. Zwar habe ich in diesem Jahr vieles gelernt und mir einige Fähigkeiten aneignen können, aber ich habe kaum etwas erlebt, das mich berührt oder bewegt hätte. Es dümpelte alles vor sich hin und drehte sich immer wieder nur um dasselbe.

Insgesamt habe ich den Eindruck, daß viele wichtige Themen zu kurz gekommen sind. Ich hätte mich gern intensiver mit mir selbst beschäftigt. Ich wäre gern ein paar Tage weggefahren, hätte gern mehr Sport gemacht, mehr meditiert, mehr photographiert, hätte gern öfter im Biergarten gesessen, wäre gern kreativer gewesen. Kurz und gut, ich hätte meinem Jahr 2014 gern mehr Tiefe und Leben geschenkt, anstatt nur im Überlebensmodus herumzukrebsen und das Gefühl zu haben, nicht von der Stelle zu kommen. Den Film „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey finde ich total inspirierend, und genau von diesen Ja-Sager-Momenten hatte 2014 viel zu wenige.

Zwischenmenschlich war 2014 für mich ein wichtiges Lehrstück. Ich beende dieses Jahr mit nur noch einem Bruchteil der Kontakte, die ich Ende 2013 noch hatte. Da ich überhaupt keine der üblichen Facebook-„Freundschaften“ habe, tat es mir um jeden Menschen leid, der nicht mehr Teil meines Lebens ist. Um mich herum ist es leer geworden, viele vertraute Gesichter und Namen sind fort. Ich bin also auch in meinen Beziehungen auf keinen grünen Zweig gekommen, habe Verluste und Ent-Täuschungen hinnehmen müssen.

Alles in allem hinterläßt mich dieses Jahr mit dem Gefühl, es nicht wirklich gelebt oder erlebt zu haben, sondern bloß mitgeschleift worden zu sein. Und das fühlt sich nicht gut an. Darum möchte ich an der Schwelle zum neuen Jahr auch innehalten, um mir zu vergegenwärtigen, was ich im Jahr 2015 machen möchte, damit es mehr Leben und Tiefe bekommt.

Ich möchte das Problem, das mich seit Ende 2013 begleitet, endlich in den Griff kriegen. Ich glaube, ich bin kurz davor, es tatsächlich zu verstehen, und dann wird sich wohl Richtung Frühsommer/Sommer erweisen müssen, ob das, was ich gelernt habe, wirklich funktioniert.

Ich möchte ein anderes Langzeitproblem von einer neuen Seite aus anpacken. Ich weiß jetzt schon, daß es damit frühestens Anfang März weitergehen kann, aber bis dahin möchte ich offen bleiben, um dann – nötigenfalls – beherzt handeln zu können.

Ich möchte 2015 mehr Qualitätszeit mit mir selbst verbringen. Ich würde mich gern intensiver mit spirituellen und kreativen Themen auseinandersetzen. Ich würde gern bestimmte Veränderungen ganz bewußt erleben, sogar zelebrieren. Ich möchte nach England reisen, das Meer wiedersehen und oft an seiner Küste sitzen und malen. Ich möchte eine größere und ein paar kleine Veränderungen in meinem Haus vornehmen.

Natürlich habe ich auch unrealistische Wünsche für 2015. Ich würde mir so gern einen funktionierenden Freundeskreis aufbauen, doch ich glaube, dazu ist es noch nicht an der Zeit. Ich würde gern sehr viel mehr Sport machen, wobei ich schon dankbar wäre, wenn ich täglich zum Radeln und vielleicht noch zum Yoga käme. Ich würde mir so gern eine neue Küche kaufen, weil ich total gern koche und meine Schränke schon auseinanderfallen. Naja, ich behalte das mal im Blick, aber ich glaube nicht, daß ich etwas davon tatsächlich hinbekomme.

Liam, 29.12.2014, 17:21 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Kalt ist es geworden, dieses Wochenende. Wir hatten sogar ein paar Zentimeter Schnee und mußten das Auto freikratzen.

[Gemacht] Samstag war ich mit meinem Mann bei drei Bücherschränken. Wir haben kürzlich einen großen Schwung Büchern geschenkt bekommen, den wir gerade gerecht auf alle Bücherschränke in Reichweite zu verteilen versuchen. Sonntag waren wir mit unserem Kind im Naturkundemuseum, wo es gerade eine Ausstellung mit Bienenphotographien gibt. Außerdem haben wir eine Menge Stadt/Land/Fluß gespielt.

[Crafts ’n‘ Arts] Ich habe den ersten Block eines großen Sterne-Quilts fertig bekommen und begonnen, etwas aus Speckstein zu schnitzen.

[Gesportelt] 5,4 km geradelt und Yoga gemacht („Kriya für Prana und Apana“). In letzter Zeit denke ich öfter, daß mir Leistungssport fehlt.

[Gehört] Frank Schätzing: Der Schwarm. Wovenhand, vor allem ihr Album „The Threshingfloor“, das mir der Weihnachtsmann gebracht hat.

[Gelesen] Elfie Courtenay: Rauhnächte. Ich schrieb darüber schon ausführlicher hier.

[Gesehen] River Cottage: Gone Fishing. Beim Angucken der ganzen River Cottage DVDs überkommt mich ständig der Wunsch, selbst angeln zu gehen und mir ein Abendessen zu fangen.

[Getrunken] Wasser, Cola, Schwarz- und Früchtetee.

[Gegessen] Ein ganz tolles Gemüse-Omelette mit Toast dabei. Tomatencremesuppe mit Einlage, dazu Pilztoasts mit Parmesan. Hähnchen-Sherry-Geschnetzeltes mit Basmatireis. Honigpomelo. Litschies. Pasta mit Tomaten und Chorizo. Einen Veggieburger.

[Gedacht] Im Augenblick denke ich oft darüber nach, nach England auszuwandern. Ich bin kein unrealistischer Träumer und weiß, daß das in den nächsten acht bis zehn Jahren nicht möglich sein wird, aber die Option rückt für mich immer mehr in den Vordergrund. Die Zeit bis dahin möchte ich dafür nutzen, möglichst oft auf der schönen Insel zu sein – so oft es finanziell und organisatorisch eben drin ist. Ich weiß nicht genau, warum es mich dorthin zieht, aber ich wußte auch nicht, warum es mich an meinen jetzigen Wohnort zieht, und bin diesem inneren Drängen einfach nachgekommen, ohne es je bereut zu haben. Nur habe ich halt das Gefühl, daß ich hier nicht alt werden oder gar sterben möchte. Vieles an England reizt mich: die Menschen, das Land, die Sprache, die Nähe des Meeres, der „Spirit“. Mir hat mal eine Handleserin gesagt, irgendwann würde ich tatsächlich vor der Entscheidung stehen, ob ich auswandere oder bleibe, und das macht mir auf jeden Fall Mut für die Zukunft.

[Gekauft] Den normalen Wochenendeinkaufskram.

[Spirituelles] Ich habe mir nicht vorgenommen, den Rauhnächten besondere Bedeutung beizumessen, und das war gut so, denn es hätte mir hohe Erwartungen beschert, die ich nicht erfüllen kann. So sitze ich einfach gern vorm Ofen, schaue in die Glut und höre nachts dem Wind (oder der wilden Jagd?) beim Fensterladenklappern zu.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich mache mir Gedanken über Silvester. Ich würde diesmal gern ein bißchen Feuerwerk zünden, um 2014 zu vertreiben, und vielleicht fällt mir auch noch etwas ein, wie ich 2015 begrüßen kann. 2015 ist laut chinesischem Kalender das Jahr der Holz-Ziege und soll eher ruhig und gemäßigt werden, was ich nur begrüßen kann…

Liam, 28.12.2014, 19:37 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Mein Bücherstapel

Normalerweise schaue ich, daß ich nicht zu viele Bücher auf einmal lese, aber jetzt gerade ist mein Stapel doch beträchtlich angewachsen. Im Moment lese ich also parallel:

  • Elfie Courtenay: Rauhnächte. Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren. Das Buch habe ich beim Stöbern in einem Kunstmarkt gefunden. Angesprochen hat es mich eigentlich, weil es Rauhnächte noch mit H hinterm U schreibt, was ja nicht der neuen deutschen Rechtschreibregelung entspricht (die ich im übrigen auch ablehne). Es war also ein Spontankauf. Gefällt mir gut, weil es sehr „down to earth“ ist.
  • Das „Fragen und Antworten“-Buch. Das Buch ist ein Journal mit 365 Fragen, die turnusmäßig fünf Jahre lang hintereinander beantwortet werden. Da mein Leben sich gerade stark im Umbruch befindet, habe ich mir das Buch gekauft und werde es fünf Jahre lang jeden Dezember ausfüllen. Ein bißchen anders als ursprünglich gedacht, aber das macht für mich am meisten Sinn. Bin schon gespannt, ob und wie sich meine Antworten verändern werden.
  • Rob Hardy & Teresa Moorey: Experiencing The Green Man. Die Autoren geben eine Übersicht darüber, wer der Grüne Mann ist, wo man ihn finden und wie man mit ihm arbeiten kann. Da sie aus dem UK kommen, beziehen sich ihre Grüner-Mann-Sichtungen auf das Königreich, aber mit etwas Entdeckerfreude findet man ihn ja auch hierzulande.
  • Hugh Fearnley-Whittingstall: The River Cottage Year. Ähnlich wie in seinen Filmen nimmt Hugh den Leser mit auf eine Entdeckungsreise zwischen Farm und Hecke, zwischen Gemüsegarten und Fluß und zeigt, welche Leckereien man aus regionalen, saisonalen Produkten zaubern kann.
  • John Wright: Booze. Der Autor ist ein enger Mitarbeiter Hugh Fearnley-Whittingstalls und hat dieses 12. River Cottage Handbook geschrieben. Es steckt voller verblüffender und zum Teil wirklich simpler Ideen für alkoholische, selbstgemachte Drinks. Von sogenannten Infusions bis zum Bier ist alles dabei.
Liam, 25.12.2014, 12:37 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Standortbestimmung: Spiritualität

Ich finde es nicht leicht, über meine Spiritualität zu schreiben. Obwohl ich mich für einen sehr spirituellen und bewußten Menschen halte, mangelt es mir seit einiger Zeit an Praxis. Ich habe mich ausprobiert und im vergangenen Jahrzehnt herausgefunden, welche Dinge für mich funktionieren, wo meine Stärken und Schwächen liegen und was mich im rituellen Kontext anspricht (und was nicht). Ich hatte meine Nische gefunden. Jedenfalls dachte ich das, denn im Inneren spürte ich Unzufriedenheit und die Gewißheit, bestimmte Inhalte nicht mit Leben füllen zu können. Ich habe mich lange mit gynozentrisch-feministischer Spiritualität befaßt, weil sie mir zu meiner damaligen Lebenssituation zu passen schien und außerdem „verfügbar“ war. Will sagen: ich habe recht viele Leute gekannt, die in ihr zuhause waren, und hatte einfachen Zugriff auf entsprechende Quellen und Medien. Trotzdem blieb das Bild der Großen Göttin, der Urmutter für mich seltsam konturlos. Ich fand sie nicht in meinem Leben und schon gar nicht in mir selbst. Gleichzeitig hatte ich jedoch auch Probleme damit, mich mit ihren männlichen Begleitern zu identifizieren. Archetypen wie der Jäger oder der Königshirsch erscheinen mir nach wie vor fremd.

Dazu kam, daß viele ritualmagische Praktiken wie das Ziehen eines Kreises, das Anrufen der Winde (Windrichtungen) u.a. sich für mich meist unnötig anfühlen bzw. in den Ritualen, die andere leiteten und denen ich beiwohnen durfte, einen für meinen Geschmack viel zu großen Raum einnahmen, wohingegen das eigentliche rituelle Geschehen relativ knapp kam. Wenn ich eines Schutzkreises (oder korrekter: einer Schutzsphäre) bedarf, dann visualisiere ich sie bzw. bitte um sie und fertig. Das dauert keine zwei Sekunden und funktioniert für mich. Dabei bleibt natürlich gerade das auf der Strecke, was die Seele anspricht: das Kerzenlicht, der Duft von Räucherwerk, das Hantieren mit symbolträchtigen magischen Utensilien (wobei ich der Symbolik von Kelch und Dolch auch noch nie etwas abgewinnen konnte). Einen Mittelweg habe ich für mich (noch) nicht gefunden. Ich brauche diese ganzen äußeren Zeichen nicht mehr. Die Magie der hohlen Hand steht mir nah – sie ist ja auch so praktisch, weil immer verfügbar. Gleichzeitig fehlt es mir an einer gewissen Feierlichkeit. Wahrscheinlich ist das genau dasselbe wie mit meiner Wohnung: sie zu dekorieren, liegt mir nicht, und ich finde es super, wenn ich sie ohne großen Aufwand sauberhalten kann, doch gleichzeitig kommt sie mir manchmal etwas kahl und im weiteren Sinne lieblos vor.

In den letzten drei Jahren habe ich mich intensiv mit Yoga und Zen befaßt, zwei Dingen, die sich meines Empfindens sehr nah sind. Am Yoga wie am Zen schätze ich, daß sie mit so wenig Equipment auskommen: ein Schaffell und ein Sitzkissen, fertig. Ich bin immer ziemlich überrascht davon, wie viele Yoga-Accessoires inzwischen feilgeboten werden… Jedenfalls habe ich im Zuge der Minimierung auf das Wesentliche durch den entsprechenden Fokus auf mich bzw. meinem Atem und das Einfach-Sein den Wunsch entwickelt, ohne schweres Gepäck durch mein Leben zu gehen. Es ist in jeder Hinsicht leichter, nicht so viel mit sich herumzuschleppen, seien es nun materielle Besitztümer, beziehungsmäßige Verwicklungen oder Erwartungen an sich selbst und an andere. Ich habe sehr viel Besitz abgegeben und die meisten meiner Beziehungen gelöst. Dabei durfte ich zwei essentielle Erfahrungen machen: erstens wird das Weggeben leichter, je mehr man losläßt, und zweitens ist der Raum, der entsteht, ist die Leere für mich verlockender als die Fülle, weil sie mehr Möglichkeiten bietet. Ich muß diese Möglichkeiten nicht ausschöpfen, es genügt mir, daß sie vorhanden sind. So verhält es sich wohl mit meinen recht kahlen Wänden in meinem Haus: die nackte Wand enthält tausende von Möglichkeiten, ein Bild ist immer nur eine einzige Tatsache.

Es war dann wohl folgerichtig, daß ich auch den Großteil meiner im Laufe der Jahre gesammelten spirituellen Sachen weggegeben habe, angefangen von (selbstgearbeiteten) Götterskulpturen über Räucherkram bis hin zu Altardekorationen und Fundstücken aus der Natur. Überhaupt habe ich rückblickend das Gefühl, daß die Magie bei selbstgemachten Ritualgegenständen sich für mich beim Erschaffen entfaltet, nicht beim Besitzen. Wenn ich kreativ und im „Flow“ bin, dann fällt es mir sehr leicht, die kreative, also erschaffende göttliche Kraft zu erspüren. Wenn ich Dinge lediglich verwalte, geht diese Macht nach und nach verloren, bis es irgendwann mehr Kraft kostet, diese Sachen aufrechtzuerhalten, als daß sie mir schenken.

Vielleicht liegt hierin ein möglicher Ansatzpunkt für mich auf meiner Suche nach einer authentischen männlichen Spiritualität: das erschaffende Prinzip, das nicht verweilt, das aber gerade in diesem ständigen Wandel von Erschaffung und Loslösung Vollendung findet. Diese Urkraft erspüre ich im Grünen Mann – eine Gestalt, die mich überdies schon viele Jahre lang fasziniert, wenngleich ich nie recht wußte, wie ich sie in mein Leben lassen kann, das ich stark an der Göttin zu orientieren versuchte.

Der Grüne Mann ist für mich Verkörperung der unbändigen schöpferischen Kraft. Er ist das Leben, das immer einen Weg findet. Ich empfinde seine Energie als ungebunden, wenngleich freiwillig verpflichtet, viril, authentisch und im besten Wortsinne eigenmächtig. In seiner Wildheit erlebe ich ihn nicht als rücksichtslos (obwohl er das sein kann), sondern vielmehr als Patron aller lebender Dinge.

Liam, 23.12.2014, 19:23 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Granatapfel-Rum

Um meinen Blog-Einstand gebührend zu feiern, habe ich heute einen Granatapfel-Rum angesetzt. Das ursprüngliche Rezept stammt von John Wright und ist in diesem Buch zu finden.

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Zum Auslösen der Kerne aus dem Granatapfel gibt es ja verschiedene Methoden, aber da ich die Kerne gern unbeschädigt haben wollte, habe ich sie kurzerhand einzeln mit den Fingerspitzen herausgeholt – eine ziemliche Arbeit, doch das ist oft genau der Aspekt, den ich bei solchen Zubereitungen genieße. Ich lasse mich auf die Zutaten ein, fühle, schmecke, rieche sie. That’s spirited!

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Die Kerne sollen jetzt drei Monate ausziehen, anschließend wird der Rum abgefiltert und darf weitere zwölf Monate reifen. Erst dann wird verkostet. Das wäre im Februar oder März 2016. Ob dieser Blog bis dahin wohl auch gereift sein wird?

Seid mir hier jedenfalls herzlich willkommen!

Liam, 20.12.2014, 22:54 | Abgelegt unter: Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar
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