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Archiv: Donnerstag, 15. Januar 2015

Männerspiritualität – was mir fehlt

Wie ich schon schrieb, habe ich mich lange und intensiv mit gynozentrisch-feministisch ausgerichteter Spiritualität befaßt. In diesem Bereich gibt es inzwischen unzählige Publikationen: Bücher, Blogs, aber auch Orakelsets und allerlei mehr. Im Bereich männlicher Spiritualität ist es damit nicht so weit her. Zwar gibt es glücklicherweise Autoren, die darüber schreiben, aber verglichen mit der Menge auf weibliche Spiritualität ausgerichtete Werke, sind das (noch) nicht so viele. Immer wieder merke ich, daß mir bestimmte Dinge in Hinblick auf männliche Spiritualität fehlen, und ich möchte das hier mal festhalten, um sie nicht aus dem Fokus zu verlieren.

  • es gibt zahlreiche Kräuterbücher, die auf weibliche Themen ausgerichtet sind. So etwas würde ich mir auch für Männer wünschen.
  • ein Orakeldeck mit Göttern (und „Helden“). Ich muß fairerweise hinzufügen: eins, das mich anspricht^^
  • Publikationen über (Lebens)rituale für Männer
  • Online-Workshops
  • Bücher über männliche Symbolik
  • mehr Bücher mit Anregungen für spirituelles Schaffen (Feuer machen, wilde Nahrung finden, magische Gegenstände herstellen etc.)
  • Männerspiri-Kalender
  • Blankobücher zur Benutzung als magisches Tagebuch mit männlichen Motiven
  • Bücher über den männlichen Zyklus bzw. männliche (Lebens-/Tages-/whatever-) Rhythmen

Spannend ist für mich die Frage, warum es nur so wenig, auch so wenig Produkte, zu männlicher Spiritualität gibt. Leben Männer ihre Spiritualität anders als Frauen? Introvertierter, versteckter?  Ich habe oft den Eindruck, daß Männer sich für ihre spirituelle Sehnsucht durchaus schämen, vielleicht weil sie sie für sentimental und zu subjektiv halten oder weil sie damit in Bereiche vorzudringen fürchten, die ihnen bereits in der Kindheit als suspekt und nicht männlich verkauft wurden. Mir erscheint der „männliche Geist“ als einer, der auf Objektivität, Distanzierung und Leistung gedrillt wurde – da bleibt für sensitives spirituelles Erleben nur wenig Platz.

Oder ist männliche Spiritualität gar nicht so verborgen, sondern sehr gegenwärtig? Mein Partner behauptet z.B. immer, daß es Teil der männlichen Spiritualität sei, in den Baumarkt zu gehen oder auf einvernehmliche Weise bei einem Glas Bier ein Gespräch nicht zu führen. Es scheint in unserer Kultur bestimmte Nischen zu geben, die vorrangig von Männern besetzt sind, die darin ihre Spiritualität ausleben, ohne das so zu nennen, ja womöglich ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. In Dingen wie Grillevents, Angeln, Fußballturnieren und dem Interesse an Survival-Abenteuern in der Natur erkenne ich durchaus männliche Spiritualität bzw. die Sehnsucht nach ihr. Aber da diese Räume, diese Möglichkeiten etabliert existieren, werden sie vielleicht weniger wahrgenommen und noch seltener reflektiert.

Liam, 15.01.2015, 18:09 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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