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Archiv: Mittwoch, 4. Februar 2015

Foraging

Schon seit meiner Kindheit fasziniert mich wilde Nahrung, also Nahrung, die man nicht kaufen, sondern nur sammeln oder auch zufällig finden kann. Begonnen hat das irgendwann in der Grundschule, wo ich der festen Überzeugug war, ich würde eines Tages Botaniker werden 🙂 Ich glaube, die ersten wilden Pflanzen, die ich gegessen habe, waren Gras, Löwenzahn und Gänseblümchen. Damals war ich mir übrigens noch nicht einmal sicher, ob sie ungiftig wären, denn ich bin wie viele Kinder in dem Glauben aufgewachsen, daß die meisten Wildpflanzen giftig seien und wenn vielleicht nicht gleich den Tod, so aber doch üble Bauchweh verursachen würden.

Mit 12 habe ich zusammen mit einer Freundin einen Pflanzenclub gegründet, die „MEDPU“s, also die mutigen Erforscher der pflanzlichen Umwelt. Zu unserer Hoch-Zeit hatten wir tatsächlich drei Mitglieder! *lach* Dennoch haben wir die Erforschung der Pflanzenwelt ernstgenommen, haben Bücher in der Bibliothek gewälzt, lateinische Artennamen auswendig gelernt, Pflanzen gesammelt und getrocknet katalogisiert und ich durfte mir sogar ein Mikroskop von meinem Cousin ausleihen, um mir die feinen Strukturen in den Pflanzenteilen anzuschauen. Parallel dazu habe ich den Gewürzschrank meiner Mutter geplündert und ziemlich übelriechende „Hexensuppen“ aus den Kräutern gekocht. Rückblickend denke ich, daß meine Mutter da sehr langmütig war 🙂

Die Faszination für wilde Nahrung hat mich nie verlassen, auch wenn ich nun doch kein Botaniker geworden bin. Ich mußte allerdings feststellen, daß eine wildkräuterbasierte Rohkost (Urkost genannt) nichts für mich ist. Muß ja auch nicht, man kann auch so eine Menge Freude an Wildkräutern und anderer wilder Nahrung haben. Außerdem finde ich es doch ziemlich bedenklich, wie eingeschränkt und monoton das Sortiment an Obst und Gemüse im Supermarkt (auch im Bio-Supermarkt) heutzutage ist. Ich erinnere mich daran, daß es in meiner Kindheit von den meisten Obst- und Gemüsearten sehr viel mehr Sorten gab, wie etwa violetten Kohlrabi, den man heute kaum noch mal sieht, oder auch Kartoffeln in sämtlichen Farbnuancen zwischen Tieforange und Hellgelb. Es gab Radieschen in weiß, gelb, violett und dem heute als Standard geltendem pink, aber auch welche, deren Fruchtfleisch marmoriert war und deren Blätterrippen rot waren. Kurz und gut, es gab einfach mehr Auswahl, mehr Vielfalt, mehr Divergenz.

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr öfter als sonst wilde Nahrung zu sammeln und zu essen, um noch mehr in Kontakt zu meiner Region und ihrem „Spirit“ zu kommen, um noch mehr eßbare Wildis kennenzulernen und um – last but not least – noch mehr Zeit draußen zu verbringen. Ich möchte etwas gegen das Einerlei auf meinem Teller tun und darüber dann auch bloggen 🙂

Im Moment lese ich zum Thema Foraging, Self Sufficiency und Wild Foods folgende beide Seiten:

Eat Weeds

Selfsufficientish

Außerdem habe ich bei YouTube zahlreiche tolle Videos und Playlists gefunden, u.a. den Kanal von MCQBushcraft und die Foraging Playlist.

Liam, 04.02.2015, 20:22 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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