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Archiv: Sonntag, 1. März 2015

WochenendRückblick

[Wetter] Samstag hatten wir hellblauen Himmel mit strahlendem Sonnenschein. Der Sonntag verschwand hinter grauen Wolken und feinem Nieselregen.

[Gemacht] Mein Mann und ich waren im Schloßpark spazieren und haben – vermutlich – jeden einzelnen Krokus photographiert, während unser Sohn bei einem Kindergeburtstag eingeladen war. Man konnte schon den ersten Bärlauch naschen 🙂 Ich habe nochmal Ruchbrot gebacken. Sonntag waren wir bei zwei Bücherschränken und haben einen dicken Packen Kochbücher und Romane ausgesetzt. Mitgenommen habe ich diesmal nur zwei neue Bücher. Nachmittags haben wir einen Kuchen gebacken und ich bin zu Regensounds eingenickert. Ich habe einen Brief fertig gemacht und ein bißchen Tagebuch geschrieben.

[Crafts’n’Arts] Ein Bild aquarelliert.

[Gesportelt] Samstag blieb dazu leider keine Zeit, aber Sonntag bin ich 10 km geradelt und habe eine Kriya gemacht.

[Gehört] INXS. Godsmack. Die drei Fragezeichen. Der Herr der Ringe.

[Gelesen] David Emerson/Elizabeth Hopper: Trauma-Yoga. Heilung durch sorgsame Körperarbeit.

[Gesehen] Harry Potter und der Orden des Phönix. Eine Folge IRT – Deadliest Roads.

[Getrunken] Leitungswasser, schwarzen Tee, ein paar Schlucke Cola und den letzten Orangenlikör. Der war so lecker, den mache ich bestimmt nochmal!

[Gegessen] Pasta mit Spinat-Kokos-Zitronen Sauce. Einen Eintopf mit dem Rest Pasta drin. Ein Falafelsandwich. Vollkorn-Nuß-Flocken mit Orange. Dinkelpfannkuchen mit Fenchel und Broccoli. Maoam (kann gar nicht mehr verstehen, wieso ich als Kind so scharf auf Süßkram war…).

[Gedacht] Ich habe viel über Trauma-Yoga und Alltagsorganisation nachgedacht. Im Auto haben mein Mann und ich Nachrichten gehört – ich boykottiere normalerweise Nachrichten, und komme so nur alle paar Monate mal in den „Genuß“. Jedenfalls fand ich die Meldungen allesamt so bescheuert, daß ich direkt wieder wußte, wieso ich Nachrichtenfasten mache… Vielleicht soll es einen Impfzwang zur Masernimpfung geben. Oh ja, da freue ich mich schon auf die ganzen ähnlich wie wir eingestellten Eltern, die auf die Barrikaden gehen. In Bremen soll ein möglicherweise gewaltbereiter Libanese eventuell in den Besitz von Schußwaffen gelangt sein und deswegen wurde eine Terrorwarnung ausgesprochen. Mhm, und die ganzen gewaltbereiten Jäger und Sportschützen, die daheim de facto ein Waffenarsenal haben, lösen keine Terrorwarnung aus. Schon klar. Naja, und so ging es in einem fort.

[Gekauft] Ein neues Bett 🙂

[Spirituelles] Eine schöne Meditation zum Mantra „Ong Namo Guru Dev Namo“.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich habe viel zu viele Termine, alle bei diversen Ärzten. Montag werden wir mein altes Bett auseinanderlegen und Freitag kommt das Neue. Darauf freue ich mich, ich bin aber auch aufgeregt.

Liam, 01.03.2015, 19:14 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Traumasensibles Yoga

Im Moment lese ich das Buch von Emerson/Hopper („Trauma-Yoga. Heilung durch sorgsame Körperarbeit“). Ich kann das Buch allen, die sich für das Thema auch nur ansatzweise interessieren, sehr empfehlen. Es hat mich derart gefesselt, daß ich es  geradezu verschlinge 🙂

Bei der Lektüre ist mir klar geworden, daß Kundalini Yoga viele der Aspekte, die die Autoren in Hinblick auf traumasensibles Yoga für wichtig halten, erfüllt, und daß ich, als ich mich für diese Yogaform entschieden habe, (vielleicht unbewußt) eine für mich goldrichtige Wahl getroffen habe. Kundalini Yoga wird „hands off“ unterrichtet. Das heißt, der Unterrichtende berührt seinen Schüler nicht, sondern gibt lediglich verbal Hinweise, worauf er achten sollte. Oder könnte, denn wie in keiner anderen Yogaform, die ich ausprobiert habe, betont das Kundalini Yoga die Eigenverantwortlichkeit für den eigenen Körper und die eigene Praxis. Das heißt, man ist angehalten, nur soweit in jede Position hineinzugehen, wie es die eigenen (körperlichen oder emotionalen) Grenzen zulassen. Für alle Übungen gibt es Varianten, die ggf. einfacher nachzuvollziehen sind, z.B. im Sitzen oder im Liegen. Man kann die Anzahl der Wiederholungen oder die vorgegebene Zeit reduzieren. Und wenn man sich gar nicht imstande sieht, eine Übung zu machen, dann kann man versuchen, in ihr Atemmuster einzustimmen und sie ansonsten zu visualisieren. Obwohl man dazu aufgefordert wird, sich seinen Grenzen zu nähern oder, falls einem das möglich ist, über sie hinauszugehen, hat man also stets die Wahlmöglichkeit und behält damit jederzeit die Kontrolle über die Situation. Außerdem kommt Kundalini Yoga ohne spezielle Hilfsmittel wie Gurte aus, die für manche traumatisierte Menschen schwer bis unmöglich zu ertragen wären.

Der Atem spielt im Kundalini Yoga eine zentrale Rolle. Die bewußte Atemführung ist essentieller Bestandteil der Kundalini Yoga Erfahrung. Es gibt verschiedene Atemtechniken, die jeweils bestimmte Energien fördern (oder auch dämpfen). Während der Asanas achtet man besonders auf die korrekte Atemführung: beim Hineingehen atmet man ein und denkt „Sat“, beim Hinausgehen atmet man aus und denkt „Nam“. Sat Nam ist eins der wichtigsten Mantren in dieser Yogaform und bedeutet soviel wie „wahrer Name“. Durch das bewußte Atmen lernt man, es überhaupt wahrzunehmen, und erfährt es als lenkbar. Das, was ich beeinflussen kann, entzieht sich mir nicht länger – für Traumatisierte kann das bedeuten, daß sie ihren Körper nicht mehr als Gegner oder Feind betrachten, sondern allmählich lernen, ihn zu kontrollieren und dadurch an Vertrauen zu ihm dazugewinnen. Atem und dynamische Bewegung zusammen helfen dabei, die Rhythmen des eigenen Körpers kennenzulernen, und indem man die Asanas mit den anderen Kursteilnehmern synchron ausführt, begreift man, daß man fähig ist, sich auf andere Menschen einzulassen. Insofern kann Kundalini Yoga dabei helfen, sich anderen Menschen auch im Alltag zu öffnen und sie möglicherweise nicht länger als potentielle Aggressoren wahrzunehmen.

Eine Kundalini Yoga Einheit besteht immer aus einer Einstimmung, einer Kriya (also einer Übungsfolge), einer Entspannungssequenz, einer Meditation und einer Ausstimmung. Durch ihren rituellen Charakter ist sie sehr verläßlich und das wiederum sorgt dafür, daß man Sicherheit dazugewinnt. Gerade für Traumatisierte sind ja solche verläßlichen, ritualisierten Abläufe ein stabilitätsstiftendes Element.

In seiner spirituellen Dimension kann Kundalini Yoga helfen, mit der inneren Stimme, dem inneren Führer oder, wie es in dieser Yogaform formuliert wird, dem inneren Guru in Kontakt zu treten. Die Chance für Traumatisierte liegt hierbei meiner Meinung nach darin, daß sie, wenn sie das zulassen können und möchten, begreifen können, daß sie Teil der Schöpfung und darum in ihrer Individualität und mit all ihren Bedürfnissen, Erlebnissen und Fähigkeiten ganz einzig und wunderbar sind. Das kann zu größerer Wertschätzung für die eigene Person und zu der Erkenntnis führen, daß der ureigene Wert von der Traumatisierung gänzlich unangetastet bleibt.

Alles in allem denke ich, daß Kundalini Yoga ausgesprochen gut für Traumatisierte geeignet ist. Jedenfalls erlebe ich selbst das so. Das Einzige, was mich ein wenig stört bzw. merkwürdig berührt ist der Personenkult um Yogi Bhajan. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, daß er Kundalini Yoga in den Westen gebracht und mit uns geteilt hat, aber ich betrachte ihn nicht als Guru und käme sicherlich nicht auf die Idee, mir ein Bild von ihm in meine Yogaecke zu stellen oder so – aber das muß ich ja auch nicht 🙂

Liam, 01.03.2015, 12:50 | Abgelegt unter: Yoga | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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