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Archiv: Donnerstag, 20. August 2015

Lebenslänglich

Im Austausch mit anderen PTBS-Betroffenen fiel neulich die Frage, ob wir alle lebenslänglich hätten, weil viele PTBS-Patienten ihr Leben lang in Therapie oder in diversen Kliniken sind und ihre Probleme doch nie in den Griff bekommen. Nach einigem Nachdenken habe ich versucht, meine Antwort zu formulieren.

Ja, ich habe lebenslänglich bekommen. Meine Traumata sind höchst komplex und da ich die meisten von ihnen über längere Zeiträume hinweg erworben habe (diese Formulierung ist irreführend: ich habe die Traumatisierungen nicht erworben, sie sind mir aufgenötigt worden) und obendrein nicht nur psychische sondern auch physische Schäden davongetragen habe, werde ich nie wieder ohne ihre Folgen leben können. Die PTBS wird sich immer in meine Bewertung der Welt und der Menschen, in meine Beziehungen und Freundschaften, in meine Fähigkeiten und Möglichkeiten einmischen. Es wäre utopisch, zu glauben, in der Therapie oder in einer Klinik könnte ich revidieren, was kaputt gemacht wurde. Wie wir heute wissen, verändert die PTBS die Gehirnstrukturen. Eine PTBS kann man mittels PET (Positronen-Emissions-Tomographie) bildlich darstellen: die sog. Mandelkerne (Amygdalae) bleiben bei einer PTBS dauerhaft aktiv und triggern durch ihre Aktivität immer wieder Hirnstamm und Großhirnrinde. Die von Traumata geschädigten Mandelkerne verursachen ständigen Streß, der sich auch mittels Bluttest nachweisen läßt (erhöhter Noradrenalinspiegel, supprimierter Cortisolspiegel).

Es gibt inzwischen dankenswerterweise überhaupt eine Bewußtsein für PTBS. Gerade in Deutschland, dem Kriegsverliererland, war das bis in die 90er hinein kein Thema. In den USA entwickelte sich nach dem Vietnamkrieg ein Bewußtsein für PTBS, aber es brauchte eben noch ewig, bis das über den Teich hier bei uns ankam. In letzter Zeit verwässert der Begriff des Traumas allerdings auch schon wieder – da werden „einfache“ schlimme Erfahrungen (oder auch bloße Mißgeschicke) als „traumatisch“ oder „Traumata“ bezeichnet. Das ist Quatsch. Wie auch immer. Jedenfalls gibt es inzwischen überhaupt ein Bewußtsein für PTBS und erste Therapieansätze wie z.B. Gesprächstherapie, EMDR, Somatic Experiencing u.a. Aber all diese Methoden können nur helfen, die durch die PTBS-Brille erstellte Bewertung der Welt zu relativieren. Eine echte Heilung von PTBS gibt es nicht. Auch insofern habe ich lebenslänglich. Die PTBS hat den Aufbau und die Funktionsweise meines Gehirns verändert und ich kann zwar üben, andere Synapsen, andere Wege zu benutzen, aber im Grunde ist das irreparabel.

So einschränkend eine PTBS auch ist und so sehr ich an den Folgen der Traumatisierungen leide – ich habe nicht vor, mir mein komplettes Leben davon bestimmen zu lassen. Ich habe im Austausch mit anderen PTBS-Patienten gesagt: ja, ich habe lebenslänglich, aber die Haftbedingungen bestimme ich! Ich versuche es zumindest. Ich versuche, mir selbst beizustehen, mir positive Erfahrungen zu verschaffen, mich selbst zu fordern und zu fördern. Ich versuche, für Neues offen zu bleiben, immer wieder etwas dazuzulernen und in der Therapie die erlittenen Traumatisierungen anzugucken und anzunehmen. Das ist schwer genug.

Liam, 20.08.2015, 19:08 | Abgelegt unter: PTBS | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Wilder Wein

Ich glaube, daß es beim Foragen darauf ankommt, das zu nutzen, was man gerade findet. Natürlich kann man auch losziehen mit dem Vorhaben, ein bestimmtes Kraut oder eine bestimmte Sorte Früchte zu finden, aber in der Regel ist es eher so, daß man etwas ganz anderes findet als man gesucht hat 🙂

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Neulich wollte ich eigentlich schauen, ob ich schon erste Birnen und Hagebutten finde. Was ich jedoch tatsächlich ernten konnte, war wilder Wein. Den hatte ich bisher noch nie und deswegen wußte ich nicht, ob es sich lohnen würde, ihn zu Gelee oder Sirup einzukochen.

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Nachdem ich ihn weichgekocht und durch die Flotte Lotte gedreht hatte, stand allerdings fest, daß sich wieder das eine noch das andere lohnen würde.

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Also gab ich dem Saft noch etwas Zucker zu und verkochte das Ganze zu einem leicht süßen Saft, den wir mit Wasser gemischt als Schorle getrunken haben.

Zusammen mit dem ersten Kürbis der Saison (aus dem ich ein Curry gekocht habe), war das wohl der erste Hinweis auf den nahenden Herbst…

Liam, 20.08.2015, 11:59 | Abgelegt unter: Foraging,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Der Garten am 20. August 2015

Diese Woche ist im Garten nicht allzu viel los gewesen. Es hat hin und wieder geregnet, so daß ich mich kaum um die Pflanzen zu kümmern brauchte.

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Immer mehr Habaneros werden reif. Sie sind sehr aromatisch und für meinen Geschmack bringt eine ganze Schote genau die richtige Schärfe für ein Gericht 😉

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Die Peperoni, die rot abreifen, habe ich meist grün ernten müssen, weil sie leider recht schnell aufplatzen. Diese hier ist aber tatsächlich mal rot geworden.

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Zu Füßen des Grünkohls zeigen sich erste Triebe vom Sauerampfer. Die wilde Minze, die ich am Dorfrand an einem feuchten Ort gesammelt habe, ist gut angegangen.

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Mangold und Blumenkohl wachsen wie wild. Vom Mangold konnte ich jetzt schon mehrfach Blätter ernten. Sie schmecken übrigens schön salzig. Und zwei Borretschs sind auch noch nachgekommen.

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Der Wirsing hat wieder einmal einen großen Schuß gemacht. Auch die beiden Salate scheinen sich endlich dafür entschieden zu haben, zu wachsen 🙂 Wenn man genau hinguckt, entdeckt man winzige Raukepflänzchen.

Ansonsten wurde in dieser Woche vor allem gewerkelt: die Terrasse soll eine Treppe bekommen, damit ich leichter von oben nach unten komme und dafür nicht durchs ganze Haus rennen muß.

Liam, 20.08.2015, 11:15 | Abgelegt unter: Der Garten,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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