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Archiv: September 2015

Speiseplan #40

Auch von dieser Woche gibt es wieder eine verkürzte Ausgabe:

  • Montag: Chili con Grünkern, dazu Salat und Toast (vegan)
  • Dienstag: Pasta mit Blumenkohl (vegetarisch)
  • Mittwoch: Wirsing mit Mandelsauce, dazu Salzkartoffeln (vegan)
  • Donnerstag: Laksa mit Zuckermais, Radieschen, Chinakohl und Pilzen (vegan)
Liam, 28.09.2015, 18:52 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Kühl, zwischendrin sonnig, dann wieder regnerisch. Schönes Herbstwetter.

[Gemacht] Ich habe mir den zweiten Hexenschuß in diesem Jahr zugezogen und den Großteil des Wochenendes im Bett bzw. auf dem Sofa verbracht. Zwischendrin hat mein Mann mich massiert und ich habe mich ein bißchen bewegt, aber alles in allem habe ich mich einfach geschont. Bin ziemlich frustig deswegen.

[Crafts’n’Arts] Ich habe den Schatten in ein Bild hineingemalt, das war es auch schon.

[Gesportelt] Bin geradelt, um mich durchzubewegen. Tat ganz gut.

[Gehört] Jon Osbourne: Töte mich. Erinnert mich sehr an die Smoky-Barrett-Reihe von Cody McFadyen.

[Gelesen] Eigentlich nichts.

[Gesehen] Ein paar Folgen Penny Dreadful. Habe fast die erste Staffel durch und weiß immer noch nicht, ob es mir gefällt.

[Getrunken] Wasser und schwarzen Tee.

[Gegessen] Neben den geplanten Sachen: einen Burger. Joghurt mit Keksen und Marmelade bzw. Obst. Vegane Schokolade mit Nüssen.

[Gedacht] Ouch, ouch, ouch!

[Gekauft] Nichts.

[Spirituelles] Auch nichts.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich gönne mir eine internetfreie Woche. Wir lesen uns Ende September wieder 🙂

Liam, 20.09.2015, 12:51 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Der Dissoziation entkommen

Ich habe neulich darüber geschrieben, wie ich dissoziative Zustände empfinde. Heute möchte ich erzählen, welche Techniken ich persönlich anwende, um ihnen zu entkommen. Falls Du das Thema aufgreifen möchtest, würde ich mich freuen, wenn Du mir hier einen Link zu Deinem Posting dazu hinterlassen und Deine Skills teilen würdest.

Zunächst einmal muß ich sagen, daß ich verschieden starke/tiefe Formen von Dissoziation erlebe. Es gibt eher leichte Dissoziationen, aus denen ich auch wieder herauskommen kann, doch es gibt auch so schwere, daß ich nicht gegen sie ankomme. Diese sind am schwierigsten zu ertragen, weil ich mich ihnen absolut ausgeliefert fühle. Gegen sie habe ich noch überhaupt kein Mittel gefunden, nicht einmal stärkste Reize oder Schlaf oder sonstwas. Meine Mittel, gegen Dissoziationen anzugehen, betreffen also nicht diese krassen Ausprägungen.

Das beste und wirksamste Mittel gegen Dissoziation ist es, wenn ich mich einfach für längere Zeit (mehr als 8 Stunden, am besten incl. Nachtschlaf) zurückziehen und allein sein kann. Im Alleinsein ist Dissoziation nicht so schwer zu ertragen, weil ich dann keine Außenwirkung („alles ist ok, es geht mir gut“) aufrechterhalten muß, sondern so grumpy, genervt, ängstlich oder was auch immer sein kann, wie ich will und wie ich es fühle. Wenn ich dissoziiere, machen sämtliche Erwartungshaltungen anderer Menschen es schlimmer, vor allem wenn von mir erwartet wird, daß ich in irgendeiner Weise reagieren oder aktiv werden soll. Das betrifft insbesondere auch meinen Sohn, der als Kind natürlich den Anspruch hat, daß ihm interessiert zuhören und mit ihm interagieren soll. Das macht Dissoziation übrigens sogar oft noch schlimmer, weswegen ich dann froh und dankbar bin, wenn mein Mann übernimmt und ich mich einfach zurückziehen kann.

Ein weiteres gutes, aber nicht ganz unproblematisches Mittel ist es, aktiv zu werden, also z.B. etwas im Haushalt oder etwas Kreatives zu machen. Auch Sport hilft. Das Problem ist allerdings, daß meine Form von Dissoziation mit einer inneren und äußeren Erstarrung einhergeht, daß ich also gerade dann, wenn ich es am nötigsten bräuchte, nicht unbedingt in der Lage bin, mich zu bewegen. Es kostet dann sehr viel Überwindung und Kraft, mich zu regen. Manchmal fühlt sich das an, als wäre ein Sofa kein Sofa, sondern eher eine Art Urwald oder Sumpf, aus dem man sich regelrecht herauskämpfen muß…

Neue Reize sind ebenfalls ein gutes, aber nicht unproblematisches Mittel. Normalerweise bin ich ja gern viel unterwegs, aber wenn ich dissoziiere, bereitet mir eine neue und nicht vertraute Umgebung Unbehagen. Das kann also funktionieren, kann aber auch dazu führen, daß ich noch stärker dissoziiere. Wichtig ist in jedem Fall, daß jemand dabei ist, dem ich vertraue und der schon Erfahrung damit hat, daß ich möglicherweise ängstlich reagieren könnte, sobald ich neuen Reizen ausgesetzt bin.

Abgesehen von neuen Reizen (vor allem einer Umgebungsveränderung) helfen auch starke bis unangenehme Reize wie z.B. das Lutschen eines minzigen Bonbons, das Essen von etwas sehr Scharfem, das Riechen an Ammoniak. Die Gefahr ist aber auch hier, daß diese Reize, wenn sie mich auf dem falschen Fuß erwischen, mich noch weiter dissoziieren lassen könnten. Kommt immer auf die Tageskondition an. Blöderweise gehört leider auch Schmerz zu den Mitteln, die durchaus helfen können (selbstverletzendes Verhalten). Ich versuche seit einiger Zeit, die Selbstverletzung zugunsten anderer, nicht-invasiver Mittel beiseite zu lassen, aber das ist ein langwieriger Prozeß, vor allem, weil Selbstverletzung so viele Jahre lang funktioniert hat und daher entsprechend eingeübt wurde.

Als hilfreich bei Dissoziation empfinde ich alles, was vertraut ist. Daheim ist das natürlich recht leicht umzusetzen, weil da alles vertraut ist. Für unterwegs habe ich immer bestimmte Gegenstände dabei bzw. im Auto, die helfen, mich zu stabilisieren. Für mich gehört dazu z.B. mein Aquarell-Skizzenbuch, das ich überall mit hinschleppe, aber auch mein Handy, auf dem ich Lieblingsmusik und Photos habe.

In den letzten Monaten ist mir außerdem klar geworden, daß Dissoziation zu bestimmten Tageszeiten besser bzw. schlechter wird und daß sie auch wetterabhängig sein kann. Das finde ich ziemlich interessant.

Liam, 19.09.2015, 12:30 | Abgelegt unter: PTBS | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Speiseplan #39

Diesmal eine etwas verkürzte Ausgabe:

  • Freitag: Spinat-Pilz-Apfel-Pastete (vegetarisch)
  • Samstag: Pasta mit Birnen, Walnüssen, roten Zwiebeln und Parmesan (vegetarisch)
  • Sonntag: Grillhähnchen (omnivor)
Liam, 18.09.2015, 11:38 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Der Garten am 15. September 2015

Endlich ist er da, der Herbst. Dieses Jahr habe ich mich noch mehr als sonst nach ihm gesehnt, denn diese elenden Sommertage bei 42°C waren mir einfach zuviel. Müßte ich nie wieder haben, wenn ich wählen dürfte. Jeden Tag, an dem ich atmen und mich bewegen kann, heiße ich willkommen.

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Im Garten ist zur Zeit nicht allzu viel los. Die Herbstgemüse reifen heran, brauchen aber noch. Der Grünkohl wächst und wächst. Er ist ein richtiger Turm geworden und ich denke, nach dem ersten Frost im Oktober werde ich anfangen, ihn blätterweise zu ernten, so daß er auch im kommenden Jahr wachsen kann (denn er soll zweijährig sein). Die Minze, von der ich einen Stiel mit ein paar Wurzeln von einem Bachlauf mitgenommen hatte, ist riesig geworden und scheint jeden Tag größer zu werden.

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Blumenkohl und Mangold wachsen und machen dabei keine Arbeit. Vielleicht kommt nun auch endlich der Feldsalat, den ich ausgesät hatte?

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Dem Wirsing geht es gut, nur die beiden Salate schwächeln etwas. Ich mußte noch herausfinden, wie viele Pflanzen ich in einen Kasten setzen kann.

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Neben der Mini-Aubergine blüht nun ein Mini-Borretsch. Da, wo er steht, stand im Frühsommer sein großer Vorgänger. Es ist interessant, wie Pflanzen miteinander interagieren. Die Aubergine scheint den Borretsch in die Schranken zu weisen, wird von der anderen Seite aber von der Nana-Minze bedrängt. Minzen scheinen allgemein nicht so kommunikationsfreudig – oder sie denken sich: ich höre Dich, aber ich wuchere schneller!

Liam, 15.09.2015, 20:55 | Abgelegt unter: Der Garten,Fruit & Root | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Samstag bin ich bei strahlendem Sonnenschein erwacht, nachmittags bezog es sich und abends hat es drei Tropfen geregnet. Der Sonntag war eigentlich ganz schön: sonnig und nicht zu heiß.

[Gemacht] Am Samstag waren mein Mann und ich nach dem Frühstück kurz noch ein paar Besorgungen machen, dann am Bücherschrank. Nachmittags habe ich mich ausgeruht und später gekocht und den Garten versorgt. Zum Abschluß des Tages gab es einen Film und lesen. Sonntag startete mit einem sehr späten Frühstück, nach dem wir ein paar Dinge zu besprechen hatten. Nachmittags habe ich Sport gemacht und aquarelliert. Nach dem Abendessen waren mein Mann und ich Bücher zur Bibliothek und zum Bücherschrank bringen.

[Crafts’n’Arts] Aquarelliert, wonnevoll.

[Gesportelt] Kraftsport und Ausdauer. Mein Ellenbogen meldet sich derzeit – eine alte Verletzung. Versuche also, das Gewicht wieder zu reduzieren und sehr vorsichtig zu sein. Das nervt zwar, aber besser als nix.

[Gehört] T Bone Burnett, vorrangig.

[Gelesen] Magdalena Beljan: Rosige Zeiten? – Eine Geschichte der Subjektivierung männlicher Homosexualität in den 1970er und 1980er Jahren der BRD. Das Buch ist eigentlich eine Dissertation und entsprechend universitär ist der Stil. Es gibt eine ellenlange Präambel, die erstmal sämtliche Begrifflichkeiten durchnudelt. Bin also noch nicht im Kern der Sache angekommen.

[Gesehen] A Face In The Crowd. An sich klingt die Story nicht übel: eine Frau überlebt den Angriff eines Serienkillers, hat danach aber Gesichtsblindheit. De facto hat mich der Film genervt. Zum einen weil er mir wie eine Parodie auf einen Thriller vorkam und ich das alles unfaßbar doof und lustig fand (nicht so meine Mit-Gucker) und zum anderen weil ich selbst Probleme damit habe, Menschen wiederzuerkennen (yay, PTBS!), und durch ständig wechselnde Schauspieler für dieselben Figuren total verwirrt wurde. Absolut überflüssiger Streifen.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee und eine Cola.

[Gegessen] Abgesehen von den Sachen vom Plan: fantastische Hühnchenbrust-Sandwiches. Maracujas. Einen wunderbaren herbstlichen Salat mit Feldsalat, rotem Chicorée, Walnüssen und Feigen.

[Gedacht] Kriegt man von Sit-Ups Sodbrennen? Maaaaann….

[Gekauft] Drogerie-Kram.

[Spirituelles] Ein paar wilde Täume. Ein Gespräch mit einem inneren Führer.

[Ausblick auf die nächste Woche] Zahnarzt, oh Graus. Ich weiß, daß er bohren muß, und die ganze Situation wird einfach nur triggern und entsetzlich sein.

Liam, 12.09.2015, 17:25 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Aquarellmalerei: ein Update

In diesem Sommer habe ich viel Zeit vorm Rechner verbracht. Mehr Zeit, als ich gedacht und mir gewünscht hätte, weil mich ein Hexenschuß, diverse Infekte und letztlich auch die unerträgliche Hitze von anderen Dingen abgehalten haben. Ich habe dann versucht, die Zeit, die ich eigentlich als mehr oder weniger verschwendet betrachtet habe, für mich zu nutzen, und ich glaube, das ist mir auch geglückt. Ich habe nämlich wirklich Stunden und Stunden Video-Tutorials zu verschiedenen Aquarelltechniken bei YouTube geschaut und dabei eine Menge Inspiration und Know How mitnehmen können.

Mir ist außerdem bewußt geworden, was ich an meinen bisherigen Aquarellen unstimmig fand: das Papierweiß fehlte. Und in meiner Palette fehlten mir warme Gelb- und Erdtöne, außerdem ein freundlicheres Blau. Diese Woche war ich also noch einmal im Kunstmarkt meines Vertrauens und habe nachgerüstet. Wo ich schon mal da war, habe ich mir auch ein Türkis mitgenommen, das ich mir wahrscheinlich einfach hätte mischen können, aber als ich vor den Farben stand, fragte ich mich, warum ich zu mir selbst immer so geizig bin. Meinem Sohn bringe ich vom Einkaufen regelmäßig etwas Süßes oder eine kleine Überraschung mit, aber bei einem Näpfchen Farbe für mich kneife ich? Also habe ich es eingepackt (was ein merkwürdiges Gefühl war…ich scheine zu denken, für mich selbst dürfe ich nur das Nötigste kaufen).

Mitgenommen habe ich außerdem noch zwei Pinsel. Ich habe bisher meist mit Rundpinseln aus Rotmarderhaar gemalt, hatte aber bei einigen Aquarellisten sog. Kalligraphie-Pinsel gesehen. Diese bestehen aus Eichhörnchenhaaren (Feh) und fassen mehr Wasser und Farbe als die Rotmarder-Pinsel, wodurch sie die nass-in-nass-Technik begünstigen. Man kann sie aber auch sehr gut für die nass-auf-trocken- und die trocken-auf-trocken-Technik nehmen, vorausgesetzt, man drückt sie aus (und trocknet sie auch noch an einem Tuch ab).

Auch hinsichtlich der Maltechnik habe ich in diesem Sommer viel gelernt. Bisher habe ich eher realistische Landschaftsmalerei betrieben, angeregt von Terry Harrison (naturalistisch, relativ trockenes Malen). Jetzt jedoch gehe ich einen Schritt ins Abstrakte und verwende eher ungewöhnlichere Farben wie etwa Violett für den Himmel etc. Obendrein male ich jetzt nasser und in mehr Lasuren (Schichten). Die Ergebnisse sind dadurch oft überraschend und frisch und es macht sehr viel mehr Freude, so experimentell zu arbeiten.

Ich zeige eigentlich keine Photos von meinen Arbeiten hier auf dem Blog, mal abgesehen davon, daß ich den Header aquarelliert habe. Warum? Malen ist für mich, anders als sämtliche anderen kreativen Techniken, die ich betreibe, Ausdruck eines inneren Prozesses. Malen erscheint mir viel persönlicher als alles andere und da ich ein sehr introvertierter Mensch bin, kommt es mir falsch vor, meine Bilder zu präsentieren, einfach weil ich das Gefühl hätte, das wäre ein unangemessener Seelenstrip. Beim Malen habe ich auch die größten Hemmungen. Andere kreative Techniken probiere ich einfach mal aus, tüddel ein bißchen herum, habe Spaß. Aber weil Malen von „ganz tief unten“ kommt, ist es mir Ängsten besetzt, die ich bei anderen Techniken nicht verspüre. Malen ist Privatsache 😀

Liam, 12.09.2015, 11:42 | Abgelegt unter: Craft & Creation | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #38

Nächste Woche heißt es: back to school! Ich habe ein paar Termine und muß mich auf ein größeres Projekt vorbereiten und darum gibt es ein paar vielgeliebte Klassiker:

  • Freitag: Wirsing mit Kartoffelbrei, Mandelsauce und Spiegelei (vegetarisch)
  • Samstag: Chinasuppe mit viel Gemüse und Nudeln (vegan)
  • Sonntag: Pizza mit Pilzen und Äpfeln (vegetarisch)
  • Montag: Chorizo-Carbonara mit Salat (omnivor)
  • Dienstag: Pastagratin mit Rahmporee (vegetarisch)
  • Mittwoch: Erbsensuppe mit Pesto, dazu Brötchen (vegan)
  • Donnerstag: Ratatouille mit Safranreis (vegen)
Liam, 10.09.2015, 22:45 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Dein Sohn sein

Ich frage mich,
bin ich Manns genug
für den Grünen Mann,
für den Gehörnten Gott,
für John Barleycorn
und all die wilden
und zahmeren Götter?
 Bin ich Manns genug
für die Befruchter des Landes
mit ihren Riesenphalli,
für die Alten Weisen
mit ihren langen Bärten,
für die Bären und die Bärenhäuter,
für die Bienenschamanen
und die Trommelbauer?
Bin ich Manns genug
um als Hirsch durch den Wald zu streifen,
um mir ein Feuer zu schlagen
und Unterschlupf zu bauen,
um ein Leben zu nehmen,
um mich zu nähren,
um den Stimmen des Waldes zu lauschen,
die mich tief in mich selbst führen?
Bin ich Manns genug
ohne die Frau an meiner Seite,
ohne Begehren für eine Frau,
ohne den Wunsch,
weibliche Mysterien zu ergründen,
ohne Gebärneid oder Menstruationssehnsucht,
ohne das Gefühl,
die Frau in mir erkennen und leben zu müssen?
Bin ich Manns genug
trotz all der Zweifel,
die mein Mannsein ausmachen,
trotz all der Mängel,
all der Verluste,
all der nie erfahrenen Chancen,
die mit meinem Mannsein verknüpft sind?
Und bin ich Manns genug,
durch die finsterste Nacht zu reisen,
einem Ziel entgegen,
das ich nicht kenne,
mich meinen Dämonen zu stellen,
nackt und unbewaffnet,
voller Selbstzweifel
und Ungewißheiten?
Ich weiß es nicht
und ich frage mich
– nimmst Du mich trotzdem an
als Deinen Sohn?
Liam, 09.09.2015, 22:15 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Dissoziation – Versuch einer Erklärung

Ich habe heute auf Hinterherleben einen Beitrag über das persönliche Empfinden dissoziativer Zustände gelesen. Dieser Artikel hier ist der Versuch, zu erklären, wie sich Dissoziation für mich anfühlt.

Zum ersten Mal habe ich dissoziiert, als ich ungefähr 14/15 war, zur Zeit, wo die ersten Traumatisierungen stattfanden. Ich habe das so empfunden, als würde ich aus mir heraustreten, mich irgendwie von mir selbst lösen oder in eine Art „Raumtasche“ gleiten. Diese „Raumtaschen“ sind ein Bild, das ich erst viele Jahre später fand, im Zuge von Erlebnissen mit Ketamin. Es fühlt sich an, als würde es auf einmal einen Schlitz in der Realität geben, welcher sich in eine Tasche öffnet. In diese Tasche kann man hineingleiten. Ist man darin, gelten die Regeln, die außerhalb dieser Tasche funktionieren, nicht mehr. Zeit und Raum funktionieren dadrin anders, Naturgesetzmäßigkeiten sind aufgehoben. In dieser Raumtasche kann sich alles auflösen, auch ich mich selbst, meine Psyche/Seele, selbst mein Körper. Dadrin ist alles fremd und komisch und weit weg. Beängstigend.

Normalerweise ist Dissoziation eine Fähigkeit, ein Skill. Der Körper schaltet auf disso um, weil er Dinge (Reize, Gedanken, …) nicht mehr erträgt. Eine Schutzfunktion. Merkwürdigerweise hat sich Dissoziation für mich nie nach Schutz angefühlt, sondern nur nach Irrewerden. Mit 14/15 habe ich versucht, über diesen Zustand zu reden. Ich habe gesagt „ich fühle mich so daneben, von mir selbst entfernt, als wenn nichts mehr real ist“. Das hat niemand verstanden. Der Psychiater/Neurologe, bei dem ich war, wußte damals nichts über PTBS und Dissoziation. Er riet mir in seiner Ahnungslosigkeit dazu, ab und zu mal eine Zigarette zu rauchen, und behandelte mich später auf Schizophrenie, obwohl ich keine habe. Das war nicht hilfreich, denn ich habe gelernt, wenn ich dissoziiere, bin ich gefährdet, von Menschen für irre gehalten und falsch/mißbräuchlich behandelt zu werden. Das hat natürlich nicht dazu geführt, daß ich nicht mehr dissoziiere, sondern dazu, daß ich einen extrem undurchdringlichen Panzer trage. Selbst meine Therapeutin kann nicht erkennen, was ich fühle, was in mir vorgeht oder ob ich dissoziiere. Wenn ich dissoziiere, übernimmt ein Persönlichkeitsanteil von mir, der extrem beherrscht ist. Er übernimmt die Führung, weil ich das nicht mehr kann. Er lächelt und kann alles managen, kann sogar mich managen, bis ich in Sicherheit (=allein!) bin und „durchdrehen“ oder „wegdriften“ kann.

Ich erlebe Dissoziation dreigeteilt. Erstens ist da die Depersonalisation. Das ist ein Gefühl, als wäre ich nicht mehr ich selbst. Das ist ein gefährlicher Zustand, denn nichts, was mir begegnet, erscheint real. In diesem Zustand gab es schon zu oft Regungen wie „ich könnte mich jetzt einfach aus dem Fenster werfen“ oder „ich könnte jetzt einfach vor den LKW laufen“, einfach weil es ja nicht real wäre. Ich spiele keine Computerspiele, aber ich nehme an, ungefähr so wäre das. Man glaubt, man kann machen, was man will, weil man dann einfach auf Reset drückt und alles ist wiederhergestellt – nur daß es das sicher nicht wäre. Wenn ich in depersonalisiertem Zustand an mir runtergucke, gehören meine Arme nicht zu mir. Meine Hände sind fremd, als wären sie auf einmal an mich drangenäht.  Zweitens ist da die Derealisation. Nichts ist mehr real. Ich erlebe alles wie auf Droge, wie in Watte gepackt. Alles ist weit weg. Ganz normale Dinge erscheinen monströs oder absurd. In diesem Zustand kann ich Angst vor allem Möglichen entwickeln, insbesondere vor anderen Menschen, weil sie unberechenbar sind und ich davon ausgehe, daß sie mir grundsätzlich übelgesonnen sind. Es gibt kein verläßliches Hier und Jetzt mehr, sondern nur dieses wie von außen wahrgenommene Geschehen, das nichts mit mir zu tun hat. In diesem Zustand ist Autofahren extrem gefährlich, weil ich es dann z.B. für unwahrscheinlich halte, daß ein Baum, auf den ich zufahre, tatsächlich zu einem Crash führen könnte. Drittens gibt es die allgemeine Dissoziation, die verschieden stark ausgeprägt sein kann. Manchmal passieren auch Dinge, bei denen ich mich frage, ob ich gerade dissoziiere (z.B. wenn ich Sachen nicht erwartet habe oder Lichtpunkte vor den Augen, wenn ich in die Sonne geschaut habe oder so).

Dissoziation läßt mich meist verzweifeln. Ich weiß eigentlich erst jetzt, was genau da passiert, und daß es normal ist, daß sich das abspielt, weil ich eben traumatisiert bin. In den letzten 22/23 Jahren hielt ich mich dabei immer nur für irre und verrückt und krank. Insofern machen mir dissoziative Zustände Angst. Ich habe aber noch nicht gefunden, was wirklich dagegen hilft. In der Therapie habe ich gelernt, daß alles hilfreich sein kann, das mich HIER und JETZT verankert, nur daß ich noch nichts gefunden habe, was das tut. Körperliche Reize (Düfte, Berührungen, Geräusche etc.) finde ich in dissoziativem Zustand eher unangenehm. Essen hilft manchmal und hilft noch am besten. Schmerz hilft manchmal auch. Wenn ich dissoziiere, möchte ich allein sein, am liebsten bei Nacht und wenn alles still ist. Ich finde Menschen ohnehin schon so verwirrend, und wenn ich dissoziiere, verwirren und ängstigen sie mich noch mehr. Insgesamt führt die Dissoziation also dazu, daß ich mich isoliere, mehr noch als ich das ohnehin schon tue, weil ich PTBS habe. Ich ertrage keine Berührungen, will nicht reden, nicht zuhören, nicht reagieren müssen.

In dissoziativen Zuständen bin ich mir selbst gegenüber noch emotionsloser gnadenloser als ich das ohnehin schon bin. Ich möchte das nicht ausführen, aber es hat mit selbstverletzendem und selbstverachtendem Verhalten zu tun.

Manchmal fühlt sich dissoziieren an, als würde ich mich auflösen. Ungefähr wie sich eine Tablette in Wasser auflöst. Stücke fliegen vom Rand weg, werden absorbiert, weitere Stücke folgen, am Ende ist man einfach weg. In diesem Zustand nehme ich mich als so eine Art Augen im Nirgendwo wahr. Ich sehe ja noch, aber der Rest gehört nicht zu mir dazu.

Wenn ich dissoziiere, kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Alles ist zuviel. Ich erstarre, mein Körper erstarrt. Manchmal bin ich wie gelähmt und kann mich nicht mehr bewegen.

Während ich das hier schreibe, dissoziiere ich ebenfalls stark. War vielleicht blöd, diesen Artikel in einer akuten Phase zu schreiben.

Liam, 08.09.2015, 12:32 | Abgelegt unter: PTBS | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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