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Archiv: Dienstag, 22. Dezember 2015

Speiseplan #52

Diesmal habe ich glatt vertrödelt, ihn pünktlich einzustellen, aber hier kommt er dennoch:

  • Freitag: Pasta mit Tomaten und Pilzen (vegan)
  • Samstag: vollkornige Tomatenquiche, dazu Salat (vegetarisch)
  • Sonntag: Kartoffelgratin mit Bohnen, Tomaten und Feta (vegetarisch)
  • Montag: gratinierter Blumenkohl, dazu Pommes und Salat (vegetarisch)
  • Dienstag: Pasta mit Sojahackbällchen „Stroganoff“ (vegetarisch)
  • Mittwoch: Gemüsesuppe mit Nudeln (vegan)

Für die Weihnachtstage und das kommende Wochenende habe ich ebenfalls schon geplant:

  • Donnerstag: Raclette (omnivor)
  • Freitag: Zombiebrain (ganzer gebackener Sellerie, dazu Rahmchampignonsauce und Rösti) (vegan)
  • Samstag: Vollkornpasta mit Tomaten, Mango und Oliven (vegan)
  • Sonntag: Chorizo-Carbonara (omnivor)
Liam, 22.12.2015, 13:16 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Wintersonnenwende

Wenn ich auf die letzten zehn Jahre hinsichtlich meiner Spiritualität zurückblicke, sehe ich eine bewegte Zeit. Ich habe mehrere Jahresläufe sehr bewußt durchwandert, was für mich das Feiern der Kreisfeste inkludierte. Ich habe mehrere Pilgerfahrten unternommen und mich dabei intensiv mit der Landschaft befaßt, in der ich gerade lebe. Ich habe mich darauf einlassen können, meine Spiritualität auch in Gruppen zu leben, durch gemeinsame Rituale und Feste, aber auch durch Diskussionen und Vorträge.

Was ist davon übrig?

Wenn ich ehrlich bin, fast nichts mehr. Seit die kPTBS so akut geworden ist, sind Kontakte, ist das Ausleben von Spiritualität für mich allgemein schwierig geworden. Ich fühle mich oft einfach nur gelähmt und eingefroren. Das Schlimmste aber ist, daß ich durch die PTBS meinen Glauben verloren habe. Merkwürdigerweise gab es nach den letzten Traumatisierungen eine Art spirituelles Hoch, in dessen Verlauf ich das Gefühl hatte, ich könnte die Traumata in meinen Lebenskontext einbinden. Und dann allmählich schlich sich das Gefühl von Sinnlosigkeit ein. Warum Jahreskreisfeste feiern? Warum schamanisch reisen? Warum Heilsteine oder Räucherwerk? Warum das alles?

Ich weiß nicht, woher das kam. Es brach über mich herein wie eine Krankheit, die ich seither auch nicht besiegen konnte. Mir erscheint das alles so sinnlos. Kümmert es Götter und Geister, was ich tue? Sind sie überhaupt da? Ich nehme an, das Gefühl, mir in entscheidenden Momenten immer nur selbst beizustehen, hilft mir nicht gerade, an irgendetwas zu glauben. Eine Zeitlang funktionierte Kundalini Yoga sehr gut, aber auch da gab es den Moment absoluter Stagnation und Isolation, den ich nicht durchschwimmen konnte. Ich habe einfach irgendwann aufgehört, die Erfahrungen der anderen zu teilen.

Nun könnte man sicherlich argumentieren, daß ich derzeit in anderem Rahmen erlebe, daß es Menschen gibt, deren Erfahrungen ich teile – und umgekehrt. Es sind Menschen, die ebenfalls mit PTBS zu kämpfen haben, und in deren Reihen ich mich anfangs nicht wie ein Alien, sondern sogar enorm verstanden fühlte. Doch auch das verändert sich und ich spüre, daß ich mich auch unter ebenfalls Traumatisierten wie ein Fremder zu fühlen beginne. Mir ist bewußt, daß es innerhalb der PTBS Graduierungen gibt. Trauma ist nicht unbedingt gleich Trauma. Faktoren wie Schwere, Tiefe und Komplexität der Traumata spielen da mit rein. Ich glaube, bisher habe ich mir immer etwas vorgemacht und gedacht, mein Fall sei gar nicht so schlimm. Aber im Austausch merke ich, daß er das sehr wohl ist. Es ist merkwürdig, wenn Menschen, von denen man dachte, daß sie auch schon krasse Sachen erlebt haben, beim Anhören meiner Geschichte merklich zusammenzucken und zurückschrecken. Ich glaube, den Umfang dessen, was mir passiert ist, erfasse ich erst jetzt allmählich. Das ist gut und schmerzhaft zur gleichen Zeit. Aber ich denke, erst, wenn ich das alles begreife und wirklich verstehe, kann ich es bearbeiten.

Ich denke, gerade für mich sollte die Wintersonnenwende, also der Punkt im Jahr, wo das Licht wendet und in die Welt zurückkehrt, besondere Bedeutung haben. Das Licht im Dunkeln sehen und so. Ich stelle jedoch gerade fest, daß mir das Licht nicht fehlt. Es genügt mir, daß es ein paar Stunden am Tag hell ist. Ich mag die Dunkelheit. Ich mag den Schutz, den sie bietet. Die Gelegenheit zur Selbstreflexion. Ich mag es, daß die ins Dunkel gesagten Worte nicht so wehtun.

Die Wintersonnenwende habe ich also nicht gefeiert. Genau wie alle anderen Kreisfeste seit einer Weile. Aber ich spüre hinein in die Dunkelheit und finde in ihr einen alten Freund. Ich wünschte – auch wie immer -, ich könnte die Rauhnächte in Klausur verbringen. Der weihnachtliche Trubel ist mir zuviel und ich bin denkbar schlecht darin, Ferien und Urlaub auszuhalten. Daraus wird natürlich nichts werden, so daß ich versuche, die Zeit, die ich für mich allein habe, zu nutzen. Die Feiertage gehen für mich mit einer Therapiepause einher, und das empfinde ich als schwierig. Gerade in den Momenten solch intensiven Beisammenseins mit der Familie wäre die Therapie eine Hilfe.

Liam, 22.12.2015, 12:04 | Abgelegt unter: PTBS,Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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