gruener-mann.de

Archiv: Mittwoch, 30. Dezember 2015

JahresRückblick 2015

An der Schwelle zum neuen Jahr möchte ich innehalten und zurückblicken. Wie war 2015?

Das gesamte Jahr 2014 hindurch hat mich ein Problem begleitet, von dem ich mir erhoffte, es in 2015 endlich zu bewältigen: Schlafstörungen. Leider habe ich das nicht geschafft, obwohl ich neue Wege gegangen und mir auch vielschichtige Hilfe geholt habe. Gegen Jahresende habe ich eingesehen, daß dieses Problem mich schon mein Leben lang mal stärker und mal schwächer begleitet und daß es einfach noch mehr Therapie und Auseinandersetzung mit den Traumata braucht, um es abzumildern. Ich mußte dieses Jahr auf die harte Tour lernen, wie sehr Körpererinnerungen mein Leben beeinflussen, und ich denke, ich habe den Grundstock dafür gelegt, zu begreifen, wie Körper, Erinnerung und das durch die PTBS strukturell geschädigte Gehirn zusammenhängen. Es ist eine Reise, die mich immer weiter in die Tiefe führt, in das Verständnis für mich selbst, aber auch in die Konfrontation mit den Traumata. Durch das größere Bewußtsein für diese Mechanismen konnte ich ein paar Dinge positiv für mich verändern, fühle mich aber immer noch komplett am Anfang. Dauermüde zu sein, ist nicht gerade förderlich für so ziemlich alles…

Im Februar konnte ich einen juristischen Akt erfolgreich abschließen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das damit verbundene Hochgefühl hält bis heute an, und ich bin stolz auf mich, das alles gemeistert zu haben.

Im März habe ich begonnen, zu gärtnern. Die ersten Pflanzen wurden gekauft bzw. eingepflanzt und von da an habe ich bis in den Herbst hinein ernten können. Über meine ersten Erfahrungen mit meinem kleinen Garten habe ich hier schon mal ausführlicher geschrieben.

Im März/April fing auch die Foraging-Saison so richtig an, wie immer mit Bärlauch. Meinen Vorsatz, in 2015 soviel wie möglich wilde Nahrung zu sammeln, habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten erfüllt. Ich habe neue Pflanzen kennengelernt und wirklich viel selbstgemacht. Gerade heute habe ich übrigens meinen Quittenlikör abgeseiht, der überraschend stark geworden ist.

Mit dem April startete eine Reihe von heftigen Infekten, die mich bis in den Oktober hinein begleitete. Ich habe dieses Jahr insgesamt 15 Antibiosen gehabt, inclusive all der „fabelhaften“ Nebenwirkungen. Seit ich im Oktober den Rat eines neuen Arztes befolgt habe und nochmal eine richtige Hammer-Antibiose gemacht habe, bin ich aber beschwerdefrei. Endlich.

Im Mai war ich auf der Nadelwelt und habe dabei festgestellt, daß ich mich das Nähen derzeit nicht wirklich reizt. Dementsprechend ist dieses Jahr auch nur ein einziger Quilt fertig geworden, von dem ich hier nicht mal ein Bild gezeigt habe, wenn ich nicht irre.

Der Juni startete mit einem Hexenschuß, zu dem auch noch eine Entzündung im Fuß dazukam. Ich war also praktisch bewegungsunfähig, und das bei schlappen 38°C. Absolut übel. Als gegen Mitte Juni beides einigermaßen überwunden war, habe ich mit Krafttraining begonnen, das ich seither etwa alle zwei Tage mache. Über meine Fortschritte in dem Bereich freue ich mich wirklich sehr. Die Gewichte konnte ich mittlerweile vervierfachen und die Wiederholungen bei den Übungen ohne Hanteln etwa verdreifachen. Durch den erhöhten Muskeltonus fühle ich mich sicherer in meinem Körper und kann mich selbst besser spüren. Im Juni habe ich mir auch die Lightshow am Schloß Karlsruhe angeschaut, die dort zum 300. Stadtgeburtstag installiert worden war.

Die Monate Juli und August waren für mich dank diesem Wüstensommer ein einziger Alptraum. Ich habe es vermieden, nach draußen zu gehen, und selbst drinnen war es praktisch nicht auszuhalten. Dementsprechend waren diese Monate von relativem Stillstand gekennzeichnet, obwohl ich weiterhin Sport gemacht und auch zu malen versucht habe. Überhaupt ist das Malen für mich in diesem Jahr sehr wichtig geworden und ich habe es geschafft, mir selbst gegenüber großzügiger zu werden: ich habe mir jede Menge Aquarellfarben, Blankobücher, Pinsel, Stifte und anderes gegönnt.

Im September konnte ich eine Sache nach über zehn Jahren endlich abschließen. Ich habe einen wichtigen Brief geschrieben und ihn abgeschickt – damit endete eine Ära. Mitte September habe ich den zweiten Hexenschuß bekommen und bin mit ihm auch in den Urlaub gestartet. Der Urlaub war mein persönliches Highlight in 2015. England ♥ Ich habe das Gefühl, daß ich allmählich klarer sehe, was meinen Wunsch angeht, nach England zu ziehen, sobald meine familiäre Situation das erlaubt.

Im Oktober hatte ich einen intensiven Arzttermin, der mich stark getriggert, der mir aber in mancherlei Hinsicht auch geholfen hat. Die Nachwirkungen spürte ich bis in den November hinein. Da blieb wenig Raum für anderes. An der Live Well Spend Zero Challenge habe ich dennoch teilgenommen, habe aber festgestellt, daß ich vieles bereits ohnehin umsetze.

Im November habe ich damit begonnen, am Handy und am PC zu spielen. Ich mag den ergotherapeutischen Effekt, den ich darin spüre, aber dennoch spiele ich nur alle paar Tage mal eine halbe oder ganze Stunde. Ansonsten blieb der November recht konturlos.

Der Dezember war vor allem von absoluter Feiertagsunlust geprägt. Ich hätte mich am liebsten vor der Welt verkrochen. Trotzdem habe ich es geschafft, meinen Schlafbereich umzugestalten und zeitgleich jede Menge Kleidung auszusortieren bzw. bei eBay zu verkaufen.

[vorherrschende Themen] Schlafstörungen. PTBS. Therapie. Krankheiten und Malässen. Malen.

[Orte des Jahres] Bibliotheken und Bücherschränke. Mein Bett. Mein Garten. England.

[Lieblingsfilme] Bosch. Hand Of God. The Following.

[Lieblingsmusik] Wovenhand, immer noch.

[Lieblingsbücher] PTBS-Bücher. Bücher über Urban Sketching und Aquarelle.

[Lieblingsspeisen und -getränke] Ich glaube, ich habe 2015 richtig gut und vielfältig gegessen. Einzelne Sachen rauszupicken, fällt mir schwer. Lieblingsgetränk war wohl Cola, obwohl ich versuche, sie in Maßen zu trinken.

[leider nicht gemacht] Mehr gemalt. Mehr Ausflüge. Mehr Highlights.

[Wünsche für das kommende Jahr] Weniger Schlafstörungen. Meinem Leben mehr Tiefe geben. PTBS noch besser begreifen und Strategien finden, besser mit ihr leben zu können.

Alles in allem war 2015 nicht so übel wie 2014, aber sicher kein besonders gutes Jahr.

Liam, 30.12.2015, 14:14 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
gruener-mann.de läuft unter Wordpress 4.8.4
Anpassung und Design: Weazel