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Archiv: Februar 2016

Negative Gedanken fasten

Genau wie letztes Jahr habe ich mir überlegt, ob und wie ich die Fastenzeit nutzen möchte. Und genau wie im letzten Jahr sehe ich auch dieses Jahr keinen Grund dafür, irgendwelche Lebensmittel zu fasten. Ich halte jetzt seit über einem Jahr hier fest, was ich abends koche, und das hat mir geholfen, nachzuhalten, wie zufrieden ich mit der Vielfalt, dem Gemüse- und dem Vollkornanteil meiner Ernährung bin. Derzeit wüßte ich nicht, was ich noch optimieren oder gar weglassen sollte. Ich fühle mich gesund und fit und die letzte Erkältung ist auch schon ziemlich lang her. Das alles kann also so bleiben, wie es ist. Dasselbe gilt für meinen ziemlich clutterfreien Haushalt, für meine Computerzeit und auch sonst ungefähr alles, jedenfalls ungefähr alles, das im Außen passiert.

Im Innen sehe ich gerade durchaus den Bedarf, zu fasten, vor allem in Hinblick auf meine nicht unbedingt besonders positive Selbstwahrnehmung. Ich möchte versuchen, besser von mir selbst zu denken und dabei negative oder sogar destruktive Gedanken über mich selbst fasten.

Den ersten Schritt (die Bewußtmachung der negativen Gedanken) habe ich dank Meditation und Therapie schon relativ gut verinnerlicht, d.h. ich merke, wenn diese Gedanken aufkommen. Der zweite Schritt (das Transformieren dieser Gedanken) erfordert noch immer Mühe und es gelingt mir bei weitem nicht immer, die negativen Dinge positiv umzuformulieren. Mir ist dabei wichtig, daß ich die positiven Umformulierungen wirklich glauben können muß. Zwar heißt es, daß, wenn man nur lange genug Positives (zu sich selbst) sagt, irgendwann der Glaube daran folgt, aber das erscheint mir wenig erfolgversprechend, wenn ich mir die Vergangenheit ansehe. Ich versuche also stattdessen, negative Gedanken so umzuformulieren, daß sie etwas Positives enthalten, das ich glaube/glauben kann. Der dritte Schritt (das Loslassen sogar noch von positiven Gedanken, um zu einem gleich-gültigen Geisteszustand zu gelangen), gestaltet sich manchmal erstaunlich einfach, ist manchmal aber auch verflixt schwer. Ich arbeite daran.

Mir ist durch die Therapie allerdings auch klar geworden, daß es allgemein nicht mein höchstes Ziel ist, diesen gleichgültigen Zustand zu erreichen, ob nun durch Reprogrammierung meines Gehirns durch Therapie, Meditation oder durch schiere Willensanstrengung. Wäre mir alles gleichgültig, hätte alles denselben Wert (oder Nicht-Wert?) für mich, dann würden bestimmte Vorkommnisse für mich ihre Gültigkeit verlieren, und das wiederum wäre verknüpft mit dem Verlust des Wissens über (Teile) meine(r) Identität. Ich muß wissen, daß bestimmte Dinge wirklich geschehen sind, weil ich nur dann begreife, daß ich nicht aus dem Nichts heraus geworden bin, was/wer ich bin. Ich muß wissen, daß das alles real ist.

Dabei hilft mir, für bestimmte Dinge oder Vorkommnisse Bilder und Symbole zu finden, die ich sozusagen wie in einen Container lege, außerhalb von mir selbst (alte Plätzchendose, Notizbuch etc.). Ich kann sie dann von den immer noch aktiven Erinnerungen (was ja typisch für ein Trauma ist) in das Langzeitgedächtnis überführen, sie aber immer wieder ansehen oder durchlesen, wenn ich mich vergewissern muß, daß meine Erinnerung und meine Wahrnehmung für mich wahr sind.

Ich bin unter diesem Aspekt betrachtet gespannt auf die Fastenzeit. Ich würde mir gern noch ein Symbol oder einen Gegenstand suchen, der mich im Alltag immer wieder daran erinnert, kurz zu kontrollieren, wie es gerade um meine Gedanken bestellt ist. Wichtig ist mir auch, das Ganze nicht zu verkniffen zu sehen. Es ist kein Wettkampf, sondern soll etwas Nettes sein, das ich für mich selbst mache.

Liam, 09.02.2016, 23:06 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

WochenendRückblick

[Wetter] Samstag war es schön sonnig und mild. Der Sonntag fing grau und nieselig an, wurde dann aber auch noch sonnig. Also, manchmal fehlen mir dunkle Wolken und Regen sehr…die ganze Sonne hier ist mir manchmal ein bißchen viel.

[Gemacht] Samstag waren Mann, Kind und ich nach dem Frühstück im Wald unterwegs, haben nach den ersten Kräutern Ausschau gehalten und die Natur genossen. Im Anschluß waren der Mann und ich noch am Bücherschrank und eine Kleinigkeit einkaufen. Abends habe ich ein paar Klamotten durchgeguckt und aussortiert, später haben wir DVD geschaut bzw. gelesen. Der Sonntag startete mit einem poshen Frühstück. Der Mann und ich haben weitere Kisten durchsortiert und dann eine Menge Kram direkt weggefahren (Altkleidersammlung, Bücherschrank etc.). Auf dem Rückweg haben wir etwas gegessen und daheim habe ich mich ins Bett gelümmelt. Abends haben wir gemeinsam gekocht, ein Kartoffelbrot gebacken und einen Rohkostsalat gemacht. Nachher werden wir Dexter schauen

[Crafts’n’Arts] Derzeit hänge ich am Projekt der vorletzten Woche bei Life Book fest, einem Blumenstrauß. Mich hat diese Aufgabe sowieso wenig gereizt und nun liegt die Seite halbfertig rum. Falls mich nicht noch die Inspiration überkommt, werde ich es wohl einfach unvollendet belassen.

[Gesportelt] Ziemlich viel radelt, außerdem Krafttraining. Habe mir größere Gewichte bestellen können, yay 🙂

[Gehört] Insomnium. Wovenhand. Chrom. Echt. Drei Fragezeichen. Hocico.

[Gelesen] Schmidt-Semisch/Schorb (Hg.): Kreuzzug gegen Fette. Fiel mir in der Bibliothek zufällig in die Hände. Das Buch beinhaltet verschiedene Aufsätze zum gesellschaftspolitischen Kontext, in dem Diagnosen wie Adipositas und Fettleibigkeit so groß werden konnten, wie sie das heute sind.

[Gesehen] Dexter. Und ein paar Episoden von Schlag den Raab auf YouTube.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee, grünen Eistee und Cola.

[Gegessen] Neben den Plansachen: sauscharfe Udonnudeln. Falafel. Rühreier.

[Gedacht] Ich habe Zeug von Leuten weggegeben, die längst nicht mehr Teil meines Lebens sind. Es nochmal in die Hand zu nehmen, hat die alten Verletzungen wieder hochgeholt, und habe gespürt, daß ich einfach nur stinksauer auf die ganzen Hypocrites bin, die von Awareness und Toleranz für Randruppen faseln und dann, wenn sie echt mal helfen könnten und gebraucht werden, abkacken. Bäh, weg damit. I’m so done with that.

[Gekauft] U.a. Dekopapiere, die ich für Mixed Media nehmen werde. Und eben neue Gewichte.

[Spirituelles] Karten aus dem Wildwood Tarot gezogen. Gebetet.

[Ausblick auf die nächste Woche] Die üblichen Termine und Faschingsferien. Donnerstag habe ich ein Date: mein Mann und ich gehen japanisch essen und im schwulen Buchladen schnöfern.

Liam, 07.02.2016, 19:16 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Speiseplan #57

Auch diese Woche verwende ich wieder einige meiner Vorräte, die damit auf ein vernünftiges Maß schrumpfen. Phew.

  • Freitag: Blumenkohlsuppe, dazu Brötchen (vegan)
  • Samstag: Wirsing mit Mandelsauce, dazu Rösti (vegan)
  • Sonntag: Massaman Curry mit Ananas und Erdnüssen, dazu Basmati (vegan)
  • Montag: Erbsensuppe mit Basilikum-Mandel-Pesto (vegan)
  • Dienstag: Orecchiette mit Speck und Broccoli (omnivor)
  • Mittwoch: Deep Dish Pizza mit Pilzen, Chorizo, Paprika und Oliven (omnivor)
  • Donnerstag: auswärts japanisch essen (vegan)
Liam, 04.02.2016, 18:33 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Speisepläne | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Imbolc 2016

Imbolc hat dieses Jahr für mich einen Wendepunkt in meinem Leben markiert. Es war ein wichtiges Ereignis, das eine Menge Weichen gestellt hat. Ich habe den damit verknüpften Termin bewußt erlebt, das war schön. Mittags habe ich mich mit meinem Mann zum Essen getroffen, anschließend hatte ich das Bedürfnis, allein in den Wald zu gehen, dem Wind zu lauschen und…nun ja, allein zu sein und niemanden zu sehen oder zu hören.

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Ich habe geschaut, ob das Land noch schläft. Das tut es nicht. Es gibt die ersten kleinen Nesseln und das Lungenkraut ist auch schon heraus. In der Ebene blühen die Krokusse und ein paar Kirschen. Ich beobachte das nur, ich werte nicht. Der milde Winter macht mir keine Sorge, obwohl ich gern noch ein wenig länger in Klausur geblieben wäre. Diese Ruhe und das Zurückziehen in die Höhle, also die Geschenke des Winters, fehlen mir.

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Passend zu Imbolc, wo es für mich immer um Vorräte, Kraftreserven und Ressouren geht, habe ich am Abend ein paar Cupboard Goodies aufgebraucht, u.a. im letzten Sommer gesammelte Brombeeren, Custard aus England und Fladenbrote. Im übertragenen Sinne darf ich gerade erfahren, daß mir die Monate der Therapie und das ganze Knowhow, das ich mir über PTBS angeeignet habe, tatsächlich in manchen Hinsichten Ressourcen an die Hand gegeben haben, die mir derzeit sehr weiterhelfen.

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Ich wage einen kleinen Blick voraus, in dieses noch so neue 2016. Für dieses Jahr habe ich nicht viel geplant, außer dem Kauf einer Küche, was zuvor leider nicht geklappt hat. Ich möchte weiterhin Krafttraining machen und mich vielleicht mal ins Kino wagen. Dafür fehlte mir bisher der Mut. Mein Wort des Jahres ist OVERCOME, überwinden. Das bezieht sich auf die vielen Symptome, Intrusionen, Erinnerungen, die mit der PTBS verbunden sind. Mir ist bewußt, daß ich den Rest meines Lebens lang mit der Krankheit zu tun haben werde, aber ich will mehr Kontrolle und ihr nicht mehr so hilflos ausgeliefert sein.

Liam, 02.02.2016, 23:36 | Abgelegt unter: PTBS,Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Bücher im Januar

Auch dieses Jahr möchte ich wieder festhalten, welche ich Bücher ich lese. Im Januar waren es:

  1. Eberhard Holder: Sketch and Scrapbook. Aus der Bibliothek. Mir wurde das Buch als gutes Grundlagenwerk empfohlen und das ist es wohl auch. Ich bin dennoch nicht so richtig mit dem Buch warm geworden – der Anspruch war für mich Hobbykritzler einfach zu hoch, die Ausführungen waren mir zu akademisch. Mir liegt beim Skizzieren wohl eher der locker-flockige Ansatz von anderen Autoren und Künstlern.
  2. Pat Ogden/Kekuni Minton/Clare Pain: Trauma und Körper. Aus der Bibliothek. Das Buch ist mit das Beste, das ich je über die körperbasierte Arbeit an Traumata gelesen habe – und es war wahnsinnig anstrengend, es zu lesen. Zum einen lag das an der akademischen Sprache, zum anderen aber auch einfach daran, daß es mich selbst so sehr betrifft und daher fordert. Ich habe mir viele Notizen gemacht und auch in der Therapie bestimmte Dinge angesprochen, die ich für mich wichtig finde. Ganz tolles Buch!
  3. Jutta Gay und Inga Menkhoff: Das große Buch der Bienen. Aus der Bibliothek. Ich interessiere mich seit vielen Jahren für Bienen und Imkerei, ein Thema, das sich praktisch durch mein ganzes Leben zieht. Nachdem ich im Dezember „The Shamanic Way of the Bee“ gelesen hatte, habe ich beschlossen, mich näher mit Bienen und Imkerei zu befassen. Das Buch von Gay/Menkhoff bietet einen guten ersten Einstieg, erzählt von der Anatomie und der Lebensweise der Honigbienen, ihren Zyklen, ihren Feinden und wie wir ihr helfen können. War richtig interessant und hatte jede Menge schöne Bilder im Gepäck.
Liam, 01.02.2016, 19:03 | Abgelegt unter: Book & Silverling | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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