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Archiv: Samstag, 4. Juni 2016

Plastik und so

Plastik ist schlecht, das wissen wir inzwischen alle. Mich hat seinerzeit der Film „Plastic Planet“ und die daraufhin in sämtlichen sozialen Netzwerken und Blogs losbrechende Diskussion auf das Thema aufmerksam gemacht. Seither ist viel passiert und weil ich gerade „Besser leben ohne Plastik“ lese, will ich mal zurückgucken und eine kleine Bestandsaufnahme machen.

Dauerhaft geändert habe ich einiges an meinem Haushalt. Ich weiß nicht, ob mir jetzt alles einfällt, aber ich zähle mal ein bißchen auf.

Statt teflonbeschichteter Pfannen habe ich auf Keramikpfannen umgestellt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, daß es da in der Qualität riesige Unterschiede gibt. Ich habe z.B. in eine 40 € Keramikpfanne (20 cm ∅) plus 30 € Deckel investiert, die nach nicht zehnmaliger Benutzung schon nicht mehr vernünftig sauber zu kriegen war. Schrottding. Dann habe ich im Discounter eine gleichgroße Keramikpfanne für 12 € gekauft, die seit Jahr und Tag ihren Dienst tut. Eine keramikbeschichtete Grillpfanne für 70 € entpuppte sich leider ebenfalls als praktisch nicht zu reinigen. Fazit: nur anhand des Preises kann man keine gute Keramikpfanne identifizieren.

Plastikbrotdosen habe ich durch Edelstahldosen ersetzt. Paßt und funktioniert, ebenso wie die Glaszitruspresse. Plastiklöffel und -pfannenwender habe ich durch ebensolche aus Holz ersetzt und hatte dabei sogar noch das Glück, einen Löffelschnitzer zu treffen, der das Ganze aus heimischen Obstgehölzen herstellt. Paßt.

Dann wollte ich Vorratsdosen ebenfalls ohne Plastik kaufen und stellte fest: gibt’s nicht. Immerhin gab es Glasdosen mit Plastikdeckel. Ich glaube, niemals hat mich eine Vorratsdose mehr genervt! Geschickterweise habe ich gleich einen ganzen Schwung von denen in verschiedenen Größen gekauft. Glas ist schwer, Glas ist zerbrechlich, Glas ist schweinekalt, wenn es aus dem Kühlschrank kommt, Glas ist flutschig, wenn es leicht feucht ist (Kondenswasser!). Sie ließen sich nicht ineinanderstapeln. Und noch ein Minuspunkt: der blöde Deckel blieb nicht zu. Also, anfangs schon, dann aber nicht mehr. Nach ungefähr zwei Jahren und einigen zerschmissenen Glasunterteilen habe ich dann wieder reumütig auf Plastik umgestellt. Ein (halb-)reines Ökogewissen zum Preis von Nerverei mache ich nicht mit.

Ansonsten habe ich festgestellt, daß ich alles in allem eine relativ plastikfreie Küche habe. Habe z.B. schon lange Holzschneidebretter, gute Schneidemesser mit Holzgriff, einen Durchschlag aus Edelstahl, Trinkgläser, Keramikbecher, Steingutgeschirr und Edelstahlbesteck. Die Plastikteile, die ich noch besitze, möchte ich behalten bzw. würde sie sogar jederzeit nachkaufen wie etwa bereits erwähnte Plastikvorratsdosen, den Vitamix, die Front meines Ofens, meinen Kühlschrank und so.

Nachdem ich „Plastic Planet“ geguckt hatte, habe ich versucht, auf Plastik beim Einkaufen zu verzichten. Damals habe ich noch vegan gegessen und schwenkte für den Einkauf von Obst und Gemüse einfach auf den Hofladen um. Hat gepaßt. War aber um ein Vielfaches teuer. Meine Familie und ich verputzen pro Tag 1 bis 1,5 kg Gemüse zuzüglich Obst zuzüglich Beilagen. Das ging echt ins Geld. Als ich wieder auf omnivore Kost umstieg, habe ich pragmatisch mit den Schultern gezuckt und wieder auf Discounter-Gemüse umgestellt. Weil ich Käse, Wurst und Co. auch fast nur in Plastik verpackt bekomme. Klar gibt es Alternativen, im Bio-Markt, und in der Regel mit Laktose drin. Geht also selten bis gar nicht. Und ich finde, wenn ich eh schon gezwungen bin, Zeug aus Plastik zu essen, dann spielt es keine Rolle mehr, ob auch mein Gemüse in Plastik verpackt ist. Nach wie vor bevorzuge ich Sachen ohne Plastik, aber ich lasse mir da auch keine grauen Haare mehr wachsen…

…auch, weil ich finde, daß ich an vielen anderen Stellen sehr viel Plastik einspare. Wir trinken ausschließlich Leitungswasser, mein Brot backe ich selbst (Korn ist in Papier verpackt, weil es atmen soll!), Reis, Linsen und Co. muß ich zwar in Plastik eingeschweißt kaufen, nehme aber immer die größten Gebinde, wodurch ich immerhin Plastik einparen kann, und dann versuche ich zumindest, einen Teil meiner benötigten Kräuter und Gemüse selbst anzubauen bzw. sammle gern auch wild. Alles in allem finde ich meine Küche vom Plastikanteil her ok.

Was Kosmetikkram angeht, so fällt in einem reinem Männerhaushalt ehrlich gesagt nicht allzu viel an. Vorrangig Duschgel, denke ich. Ich habe jahrelang mit Stückseife geduscht und erst vor zwei Jahren wieder angefangen, Duschgel zu verwenden, und damit bin ich im Moment auch ganz glücklich – werde ich also nicht ändern. Das ist ein Berührungspunkt von Plastikfreiheit und PTBS. Ich glaube, ich habe viel zu viele Jahre relativ „mönchisch“ gelebt mir nur sehr wenig Annehmlichkeiten zugestanden, die über das Notwendige hinausgingen. Einfach weil ich mir das nicht gegönnt habe. Ich dachte, die einfache Variante von irgendwelchen Dingen (z.B. Zeug zum Duschen) müßte ausreichen. Erst vor knapp zwei Jahren habe ich begonnen, mich zu fragen, was ich eigentlich mag, also z.B. welchen Seifen- oder Duschgelduft, und den gibt es eben nur in der Plastikflasche. Brauche trotzdem nur so etwa zwei Flaschen Duschgel im Jahr, weil das Zeug halt sehr dickflüsssig ist und gut mit viel Wasser aufgeschäumt werden kann. Zusammen mit einer Packung Haargel und zwei Flaschen Shampoo war es das an Kosmetik-Plastik für mich. Ach nein, der Deckel meiner Zahncreme und meine Zahnbürste ist auch aus Plastik. Die Zahncremetube ist aus Alu und elektrische Zahnbürsten gibt es nicht aus Holz.

Reinigungsmittel brauchen wir auch eher wenig. In der Küche spüle ich mit einem Bio-Spüli auf Zuckertensid-Basis, das ich im 10-Liter-Eimer kaufe. Hält ewig, ein paar Jahre. Ist aber auch Plastik. Die Spülmaschine füttere ich mit in Plastik eingepackten Tabs. Als Badreiniger verwende ich im Winter oft Holzasche aus dem Ofen, ansonsten auch mal Entkalkerspray aus der Plastikflasche. Zum Waschen haben wir früher Pulver aus der Pappkiste (wahrscheinlich mit Plastikbeschichtung) genommen, aber das hat geklumpt, was bei vorrangig schwarzer Wäsche einfach doof ist. Seit ein paar Jahren benutzen wir Flüssigwaschmittel aus der 3-Liter-Flasche. Hält auch ewig, weil wir nur waschen, wenn eine Trommel voll ist. Weichspüler benutzen wir nicht.

Überhaupt glaube ich, daß es Sinn macht, nicht nur auf Plastikverzicht, sondern allgemein auf sinnvollen Umgang mit Ressourcen zu schauen. Ich werfe nur sehr wenig weg, und seit wir einen Komposter hinterm Haus haben, ist unser Restmüll oft nur wenig gefüllt. Ich kaufe nicht oft Kleidung, wenn auch inzwischen öfter als noch vor zwei, drei Jahren (hallo PTBS). Ich besitze genau ein Paar Schuhe (die haben aber Kunststoffe verarbeitet, geht nicht anders). Wenn ich Musik kaufe, dann als MP3. Überhaupt leihen wir viele unserer Medien (Bücher, Hörbücher, DVDs) nur noch aus, anstatt sie zu kaufen.

Ein großer Plastik-Posten ist jedoch Hardware (Computer, Notebook, Tablet, Handy und Co.), außerdem natürlich mein Auto (Innenausstattung ist eigentlich purer Kunststoff). Auch bei Möbeln kommt eine Menge Plastik zusammen. Oft gibt es das, was ich schön finde, nicht in Massivholz, und wenn doch, kann ich es nicht bezahlen.

Ich könnte definitiv den Selbermach-Anteil bei Kosmetik, Putz- und Waschmitteln und vermutlich auch bei Kleidung und Möbeln erhöhen. Könnte. Da ich für meine vorhandene menschliche Ressource aber schon sehr viel selbermache, sehe ich mich derzeit nicht mit Natron, Schlämmkreide, NaOH, Stoffbahnen oder Holzbrettern hantieren.

Außerdem muß ich ehrlich gestehen, daß mich die Hysterie, mit der „ecological correctness“ hierzulande oft praktiziert wird, inzwischen etwas….abstößt. Selbstverständlich macht es Sinn, das eigene Konsumverhalten zu überprüfen und das Machbare zu tun. Aber ich persönlich sehe inzwischen keinen Wert mehr darin, mich wegen nicht-fairer Kleidung (die es meist nicht in den Eigenschaften „Übergröße“ und „chic“ zusammen gibt) oder Palmöl in meinem Müsli zu zerfleischen. Nein, ich fühle mich deswegen nicht schlecht und schuldig, und vielleicht kommt mir da mein an Autismus grenzendes nicht vorhandenes Mitgefühl für meine Mitmenschen ja zur Hilfe, aber so ist es halt.

Liam, 04.06.2016, 20:01 | Abgelegt unter: Fruit & Root,Housekeeping,PTBS | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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