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Archiv: Sonntag, 14. August 2016

WochenendRückblick

[Wetter] Ganz schön war’s, zwar warm, aber nicht so feucht.

[Gemacht] Eigentlich war ich nur erkältet und hexenschussig. Uneigentlich habe ich ein Buch in der Bibliothek abgeholt, war kurz was einkaufen, habe viel im Bett und auf dem Sofa rumgelümmelt und irgendwie wie Zeit verschlampert, z.B. mit einem Wimmelbildspiel. Mir ist aufgefallen, daß ich immer um die Jahresmitte herum krank bin, als wenn ich auf dem Höhepunkt eine Auszeit nehmen soll. Kam mir nicht ungelegen. Außerdem mache ich im Liegen gerade niedliche Predator-Geräusche.

[Crafts’n’Arts] Nope.

[Garten] Ich habe zumindest ein bißchen auf der Terrasse gesessen und meine Chilis bewundert.

[Gesportelt] Nope. Obwohl sich jede Bewegung wie ein Marathon angefühlt hat.

[Gehört] Dan Brown: Illuminati.

[Gelesen] Zoran Perowanowitsch: Pilgern auf dem Jakobsweg. Ein total schwermütiges und irgendwie negatives Buch. Ich quäle mich da so durch.

[Gesehen] Mr Holmes. Ebenfalls total schwermütig und ich habe mich hier ebenso durchgequält. Habe die ganzen Dramen, die der Film aufwirft, als künstlich und überflüssig empfunden. Dann noch ein Film mit Tom Wilkinson, dessen Titel ich vergessen habe, und der auch irgendwie nur mittelmäßig war.

[Getrunken] Wasser, schwarzen Tee und Cola.

[Gegessen] Abgesehen von den Plansachen nicht viel. Ein paar scharfe Nüsse, ein paar vegane Trüffel und etwas Mango. Außerdem habe ich sehr schnelle vollwertige Brötchen gebacken, die unfaßbar lecker waren.

[Gedacht] Habe darüber nachgedacht, was mir wirklich wichtig ist. Das geht scheinbar im Alltag gern mal unter.

[Gekauft] Reisnudeln, Teriyakisauce und Tofu.

[Spirituelles] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Erstmal wieder gesund werden.

Liam, 14.08.2016, 22:48 | Abgelegt unter: Wochenendrückblicke | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Warum eigentlich pilgern?

Die offensichtlichste Frage, wenn jemand erzählt, daß er pilgern gehen will, lautet: machst Du das aus religiösen Gründen? Noch immer ist es ja so, daß Pilger beim Ausstellen des Pilgerausweises angeben, was ihre Motivation für den Jakobsweg ist, und die meisten sagen tatsächlich, es seien religiöse Gründe. Andere oft genannte Gründe sind Umbrüche/Veränderungen im Leben und kulturelles Interesse. Es heißt, Menschen gehen den Jakobsweg, wenn sie in ihrem Leben keinen anderen Weg mehr sehen und neue Perspektiven brauchen – so wird der äußere zum inneren Umbruch. Manche gehen ihn, um Vergebung für ihre Sünden zu erlangen oder weil sie das Versprechen gegeben haben, nach Santiago zu marschieren. Ich nehme an, letztlich sind die Gründe so verschieden wie die Menschen selbst.

Während ich das hier nun schreibe, wird mir bewußt, daß ich seit Tagen an diesem Eintrag schreibe. Habe ihn x-mal begonnen, umgebaut, dann wieder gelöscht und nochmal angefangen. Warum ist es bloß so kompliziert, über meine Gründe für den Jakobsweg zu schreiben?

Ich bin nicht religiös. Das Göttliche und ich haben eine lange Irrfahrt miteinander unternommen, in der so ziemlich alles vorkam von Atheismus über Naturspiritualität, von einem Theologiestudium bis hin zum Kirchenaustritt. Heute sehe ich es einigermaßen pragmatisch: Religion und Spiritualität sind in bestimmten Gehirnbereichen verortet. Mein Gehirn ist strukturell durch die kPTBS geschädigt und demnach funktioniert das mit der Spiritualität nicht. Religion/Spiritualität scheinen mir im höchsten Maße von Emotionen geprägt zu sein und da ich keinen besonderen Kontakt zu meinen Emotionen habe, zündet da nichts. Religiöse Verzückung oder Schwärmerei liegt mir absolut fern. Finde ich eher skurril und für mich selbst komplett unnötig. Mag sein, daß es da „irgendwas“ gibt, aber dieses „Irgendwas“ kenne ich nicht näher und wir kommen ziemlich gut ohne einander aus. Kurz und gut, religiöse Gründe sind es sicher nicht, die mich den Jakobsweg machen lassen.

Kleiner Einschub: als ich schon längst die kPTBS hatte, hat es dennoch Zeiten gegeben, in denen das mit der Spiritualität geklappt hat. Das habe ich lange nicht begreifen können. Mittlerweile nehme ich an, daß die Auseinandersetzung in der Therapie und das Bewußtsein dafür, was es bedeutet, PTBS zu haben, dazu geführt haben, daß ich bestimmte Symptome besser bzw. deutlicher wahrnehme. Ich bin nicht mehr versucht, „irgendwie“ mit den Symptomen zu leben oder sie zu ummänteln, damit ein paar Dinge besser oder überhaupt klappen – anders als früher.

Zurück zum Pilgern. Vor etwas mehr als 20 Jahren kam der Gedanke, nach Santiago zu pilgern, das erste Mal für mich auf. Rückblickend verstehe ich das sehr gut, denn damals steckte ich in einer existentiellen Krise, die eine Pilgerschaft sehr gut vertragen hätte. Ich bin jedoch nicht gegangen, bin dem Ruf nicht gefolgt. Meine Gründe kann ich noch heute nachvollziehen, allerdings würde ich mit dem zeitlichen und emotionalen Abstand, den ich heute habe, der Person von damals gern zurufen: tu es! Der Weg hat eigentlich nie Ruhe gegeben. Immer ist er in meinem Leben mitgelaufen, mal ganz nah, mal weiter weg, mal haben wir uns aus den Augen verloren, mal stand ich mitten drauf. Offensichtlich bin ich in den ganzen Jahren schon ein Jakobspilger gewesen, ohne mir dessen bewußt zu sein.

In den letzten Jahren wurde der Ruf wieder drängender. Tatsächlich, ich empfinde das als einen Ruf. Von wem er ausgeht, weiß ich nicht, aber ich kann das Rufen immer drängender wahrnehmen. Mir ist klar geworden, daß ich es in der Stunde meines Todes als eines der größten Versäumnisse ansehen würde, den Jakobsweg nicht gegangen zu sein. Ich nehme an, wenn man das so deutlich sagen kann, sollte man alles daransetzen, es zu tun. Gleichzeitig spüre ich, daß das Wichtigste die Entscheidung war, es zu tun. Einfach nur Sehnsucht zu haben und zu glauben, der Jakobsweg sei für mich nicht machbar, führte nur dazu, daß die Sehnsucht schlimmer wurde. Mich entschieden zu haben, es zu tun, hat sehr viel Druck von mir genommen.

Ich denke, daß der Ruf wieder drängender geworden ist, und zwar soweit, daß ich ihn wirklich nicht länger ignorieren kann, liegt auch diesmal daran, daß ich mich in einer Art existentiellen Krise befinde. Ich spüre, daß ich vor einem großen Umbruch stehe und sehne ihn auch herbei. Noch ist er jedoch diffus, weil ich gar nicht alle Möglichkeiten kenne. Ich weiß nur, daß es nicht weitergehen kann wie bisher, auch wenn mir noch ein paar Puzzleteilchen fehlen. Ich erhoffe mir Klarheit vom Jakobsweg. Ein paar Wochen nur für mich Zeit haben, rausgelöst aus dem Alltag, erscheint mir sehr verlockend. Was ich wohl hören werde, wenn ich in die Tiefe lausche?

Liam, 14.08.2016, 11:55 | Abgelegt unter: Spirit & Verse | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare
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