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Das Lesejahr 2015

Nachdem ich gerade meine Statistik für Dezember eingestellt habe, möchte ich noch auf das gesamte Lesejahr 2015 zurückblicken.

Insgesamt habe ich dann doch 52 Bücher gelesen, was statistisch gesehen eins pro Woche gewesen wäre. Tatsächlich hatte ich aber viele Wochen, in denen ich nicht eine Zeile in einem Buch gelesen habe. Die Unfähigkeit, zu lesen, ist an die PTBS gekoppelt (und je mehr ich über mich selbst und diese Krankheit lerne, desto stärker bezweifle ich, daß es Lebensbereiche gibt, auf die sie sich nicht auswirkt). Früher habe ich Bücher geradezu weggesaugt und konnte auch sehr schnell sinnerfassend lesen. Das kann ich heute nicht mehr. Dazu kommt, daß mir oft die Ruhe zum Lesen fehlt, denn ich lebe nunmal nicht allein und scheinbar bin ich für meine Familie vor allem dann ein wichtiger Ansprechpartner, wenn ich ein Buch vor mir habe…

Außerdem ist mir aufgefallen, daß ich dazu neige, Inhalte zu vergessen. Blöderweise passiert das nicht nur, wenn es mehrere Wochen oder gar Monate her ist, daß ich ein Buch gelesen habe – es passiert sogar während des Lesens bzw. wenige Zeilen/Seiten später. Theoretisch müßte ich mir zu jedem Buch, das ich lese, Notizen machen, damit ich auch im Nachhinein etwas davon habe, es gelesen zu haben. In meinem Studium sagte uns ein Professor, man müsse nicht alles wissen – es würde reichen, zu wissen, wo es steht. Aber da ich gern mein Gedächtnis trainieren und über bestimmte Dinge etwas lernen will, wäre es schon hilfreich, wenn ich mir auch mal etwas merken könnte…

Diese frustrierenden Erfahrungen, die mit dem Lesen verbunden sind, führen nicht gerade dazu, daß ich es als harmlos oder gar entspannend betrachten kann. Es konfrontiert mich ständig damit, daß ich nicht mehr so funktioniere, wie ich es von früher gewohnt bin bzw. wie ich mir das wünschen würde. Manchmal macht mir diese eingeschränkte Funktionsfähigkeit sogar Angst, weil ich befürchte, darin Anzeichen für schlimmere Schädigungen oder Krankheiten wie etwa Alzheimer zu erkennen. Leider sind die Zeiten, in denen Lesen reiner Genuß war, vorbei, und dieser Verlust macht mich immer wieder traurig.

Besuche beim Bücherschrank und in der Bibliothek sind für mich dennoch wichtig. Ich mag diese Orte, weil ich mit ihnen Erinnerungen an Zeiten verbinde, in denen Bücher für mich essentielle Nahrung waren und mir Trost und ja, auch so etwas wie Geborgenheit spendeten. Ich wünsche mir, durch beharrliches Lese-Training wieder mehr/schneller/besser lesen zu lernen. Ich glaube, daß ich diesen Parallelkosmos, den Bücher eröffnen, ganz dringend brauche.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 31. Dezember 2015 und wurde abgelegt unter "Book & Silverling". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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