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Äußere Ordnung gegen inneres Chaos

Ich hatte schon mal geschrieben, daß ich gern bei Unfuck Your Habitat mitlese. Nach diesem Konzept räumt man 20 Minuten auf und macht dann 10 Minuten Pause. Das Aufsplitten der Arbeit in Häppchen, die zu bewältigen sind, gefällt mir sehr, allerdings mache ich selbst das nicht anhand einer zeitlichen, sondern einer aufgabenbasierten Teilung. Also anstatt 20 Minuten zu „unfucken“, nehme ich mir einen Job vor, der erledigt werden soll. Sobald ich damit fertig bin, gibt es eine Pause, bevor ich mir – falls einer ansteht – den nächsten Punkt vornehme. Naja, wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß es immer einen nächsten Punkt gibt, daß ich aber nur sehr begrenzte Kraftressourcen zur Verfügung habe. Und damit ich nicht im Chaos versinke, schreibe ich mir gern To-Do-Listen. Die aktuelle Liste platziere ich an einem Ort, wo ich sie mehrmals täglich sehe, allerdings nicht so, daß sie mich zu nerven beginnt.

Mir hilft beim Abarbeiten meiner Listen, daß ich gut darin bin, mich selbst zu disziplinieren. Ich muß allerdings aufpassen, daß ich diese Fähigkeit nicht gegen mich richte, denn ich neige leider dazu, mir nicht nur Feuer unterm Hintern zu machen, sondern mich zu Sachen zu zwingen, auch über meine Leistungsfähigkeit hinaus. Und das bezahle ich meist am Folgetag mit einem erhöhten Schmerzpegel, der mich davon abhält, überhaupt etwas zu machen – also eine total sinnbefreite Aktion.

Eine Taktik, die sich im Alltag für mich gut bewährt hat, ist es, immer etwas in die Hand zu nehmen, wenn ich mich von einem Raum in den anderen bewege. Das heißt, sobald ich von meinem Platz im Wohnzimmer aufstehe, greife ich mir z.B. die Zeitungen, die ins Altpapier sollen und mache einen Umweg zum Altpapierkorb, bevor ich an mein eigentliches Ziel gehe, sagen wir, die Küche. In der Küche mache ich mir dann meinen Tee und nehme auf dem Rückweg zum Wohnzimmer die Geschirrtücher für den Wäschekorb mit. Das ist jetzt kein neues oder besonders kreatives Konzept, aber es funktioniert gegen das kleine Alltags-Chaos.

Ich habe keinen Putzplan, sondern putze, wenn es nötig wird. Und manchmal drücke ich auch beide Augen zu, wenn ich partout keine Lust habe. Ich bin aber stolz auf mich, daß ich es in den letzten Jahren geschafft habe, mir anzugewöhnen, Staub und Clutter nicht mehr zu ignorieren, sondern regelmäßig zu putzen und die Dinge zu richten. Es gibt Arbeiten im Haushalt, die ich gern erledige,wie zum Beispiel das Bad putzen. Auch mein Mann hat Arbeiten, die er lieber mag als andere. Wir haben es uns so aufgeteilt, daß jeder von uns das macht, was er am liebsten macht bzw. was er am besten kann, und den Rest machen wir gemeinsam. Auch unser Sohn übernimmt schon kleine Arbeiten wie etwa das Fegen vorm Ofen oder das Reinigen der Katzenklos – das ist eine große Hilfe!

In Zeiten wie jetzt gerade, wo ich mit innerem Chaos zu kämpfen habe, hilft mir die äußere Ordnung, mich zu fokussieren und nicht verloren zu gehen. Zuviel Besitz und vor allem zuviel Gerümpel, das sichtbar einen Raum bevölkert, machen mich kribbelig. Ich bin immer derjenige, der ausmistet und Sachen weggibt (dafür bin ich schon berühmt-berüchtigt…). Was für mich gar nicht funktioniert, ist Deko. Ich rede mich immer damit raus, daß wir Katzen haben und die die Deko als Spielzeug verwenden würden. Das ist zwar schon passiert, aber wenn ich nicht gerade Filzfigürchen und Kastanien hinlegen würde, würde ich Deko hinstellen können. Ich finde Deko bei anderen Leuten auch immer nett und gemütlich, aber ich selbst schaffe das nicht wirklich. Vielleicht bin ich auch zu praktisch veranlagt. Auf dem Tischchen neben meinem Sofa habe ich nur Dinge stehen, die ich im Zugriff brauche, aber keine Blumen, keine Basteleien und nicht mal ein Deckchen. So ungefähr handhabe ich Wohnen: es muß praktisch sein.

Was mir in unserem Heim noch fehlt, ist Stauraum. Gerade in Wohnzimmer und Küche haben wir davon eigentlich zu wenig. Zumindest das Platzproblem in der Küche läßt sich aber lösen, wenn wir im Herbst unsere neue Küche kaufen, und darauf freue ich mich schon sehr. Geschlossene Schränke finde ich soviel übersichtlicher und aufgeräumter als lose Körbe.

Eine gewisse Haushaltsroutine zu haben, hilft mir auch gegen das innere Chaos. Wie ich schon weiter oben schrieb, habe ich keinen Putzplan, aber ich habe grob im Kopf, wann ich das letzte Mal welchen Raum geputzt habe und wann er wieder dran ist. Bei der Umsetzung bin ich nicht verkniffen, aber ich gucke, daß es nicht zu lange liegen bleibt, auch aus der Erfahrung heraus, daß Unordnung Unordnung anzieht. Letztlich gibt mir eine gewisse äußere Ordnung das Gefühl, mein Leben und mich selbst unter Kontrolle zu haben. Das ist ein tragfähiger Rahmen, auf dem ich aufbauen kann.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 21. Februar 2015 und wurde abgelegt unter "Allgemein". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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