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Höhlenlöwe aus Speckstein

Ein Projekt, das ich mir für meine kreative Fastenzeit vorgenommen hatte, bestand darin, einen Höhlenlöwen aus Speckstein zu schnitzen. Inspiriert dazu hat mich eine kleine Skulptur aus Mammutstoßzahn, die ich letzten Herbst im Urgeschichte-Museum in Blaubeuren gesehen und photographiert habe. Seit meiner Kindheit bin ich von der Steinzeit fasziniert. Begonnen hat das, als ich zum ersten Mal bewußt von ihr gehört habe. Das muß etwa in der sechsten Klasse gewesen sein. Vorher wußte ich zwar, daß es sowas wie die Steinzeit gegeben hat, und ich kannte sogar den Neanderthaler, denn wir lebten damals in der Nähe von Mettmann, wo er gefunden wurde, und hatten das dortige Museum besucht. Aber im Geschichtsunterricht lernten wir etwas über die Lebensweise unserer Vorfahren und das hat wohl einen atavistischen Knopf bei mir gedrückt 🙂 Ich kann es nicht genau beschreiben, aber gerade auf steinzeitliche Kunst springe ich total an. Sie fühlt sich für mich so natürlich und „richtig“ an. Moderne Kunst empfinde ich meist wie das Bohren beim Zahnarzt, Streetart ist wie in einem Straßencafé auf dem Montmatre sitzen, während eine warme Brise geht. Und Steinzeitkunst ist wie warme Ofenglut und der Duft nach Kräutern und Erde. Ich kann sie in meinen Knochen spüren. Kein Wunder also, daß die ersten Dinge, die ich mit dem gerade für mich entdeckten Medium Speckstein mache, steinzeitlich inspiriert sind.

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Meinen Höhlenlöwen habe ich in insgesamt drei Sessions gefertigt. Bei der ersten habe ich den Stein begradigt und die grobe Form herausgearbeitet. Der rosa Speckstein, den ich diesmal verwendet habe, ließ sich um einiges leichter bearbeiten als der vom Mammut. Allerdings habe ich inzwischen auch „aufgerüstet“ und mir ein paar Werkzeuge wie eine feine Säge, mehrere Raspeln und unterschiedliche gekörnte Schleifpapiere besorgt. Das vereinfacht die Verarbeitung echt enorm.

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In der zweiten Sitzung habe ich den Höhlenlöwen fertiggestellt und ihn auch poliert. Dann lag er ein paar Tage auf meinem Nachttisch. Jedesmal, wenn ich ihn in die Hand nahm, dachte ich, er sähe irgendwie übergewichtig aus. Und als sei er noch nicht fertig. Heute Abend habe ich mir also ein Herz gefaßt und den wunderbar glatten Stein nochmal bearbeitet. Diesmal habe ich ihm auch Augen und die Ritzungen im Nackenbereich gemacht, die das steinzeitliche Vorbild ebenfalls hat. Außerdem habe ich versucht, seine Form etwas weicher und runder hinzubekommen und seine Beine etwas filigraner. Ich bin jetzt wirklich zufrieden mit meinem Höhlenlöwen – besser bekomme ich es bei meinem jetzigen Erfahrungsstand nicht hin.

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Ich bin jetzt richtig vom Specksteinvirus infiziert. Neulich Nacht hat es mich gepackt und ich habe um 2.30 Uhr morgens eine kleine Pfeilspitze aus einem Reststück gefertigt, die ich meinem Sohn geschenkt habe. Und heute war ich bei meinem liebsten Kunstmarkt und habe die Specksteinkörbe geplündert. Nun warten schwarzer, weißer und grüner Speckstein darauf, verarbeitet zu werden. Ich freue mich schon drauf 🙂

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 26. Februar 2015 und wurde abgelegt unter "Craft & Creation". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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