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Start in die Foraging-Saison

Diese Woche habe ich den ersten Bärlauch und damit das erste wilde Grün in dieser Saison geerntet. Da ich in einer sehr milden Region lebe, könnte ich in der Regel auch im Winter Wildkräuter sammeln (z.B. Brombeerblätter und Moose, die auch bei Minustemperaturen zu finden sind, oder Mikrokräuter, die es eigentlich auch immer gibt, wenn man an geschützten Plätzen sucht), aber im Winter lasse ich das Sammeln meist ruhen und konzentriere mich darauf, die in der letzten Saison gefundenen Schätze zu verarbeiten und aufzubrauchen. In den kommenden Tagen wird so auch das Bärlauchpesto aus dem letzten April aufgebraucht werden 🙂

Im Winter habe ich viele Sendungen mit Ray Mears geschaut, den ich sehr schätze. Er hat eine ganz unaufgeregte Art, sich in der Wildnis zu bewegen, und ich empfinde ihn im Umgang mit Mensch und Tier als angenehm und respektvoll. Er hat vor ein paar Jahren zusammen mit Gordon Hillman, der damals noch als Paläobotaniker in London tätig war, eine Reihe namens „Wild Food“ gedreht (ein gleichnamiges Buch ist ebenfalls erschienen). Zentrale Fragestellung dieser Sendereihe war: wie haben sich unsere Vorfahren auf den Britischen Inseln ernährt? Die beiden Männer wollten jedoch nicht nur aus Büchern, sondern vor allem durch Ausprobieren lernen. Um einen allgemeinen Eindruck vom Leben in Jäger- und Sammlergesellschaften zu bekommen, sind sie daher zunächst nach Australien geflogen, wo sie mehrere Tage mit australischen Ureinwohnern verbringen und von ihnen lernen konnten. Die wichtigsten Erkenntnisse für mich waren:

  • von Sammelgut kann nur leben, wer genau hinsieht. Das erfordert großes Wissen und ebensolche Erfahrung, damit das Auge die Formen von Eßbarem erkennt, sowie einen zentrierten/fokussierten und ruhigen Geist. Sammeln kann nur, wer geduldig und entspannt genug ist.
  • es ist wichtig, zu wissen, wann man aufhören muß: es macht keinen Sinn, mehr Energie auf die Suche nach Nahrung aufzuwenden, als diese letztlich geben würde.
  • wenig Gepäck: wer schwere Lasten schleppen muß, sammelt weniger, weil er physische Kraft verliert.
  • Sammelkorb: das Sammelgut wird luftig gelagert. Grobe Anhaftungen und auch Insekten können durch die Lücken im Flechtwerk abfallen.
  • es wird kein Messer verwendet. Messer sind nur unnützer Ballast. Ein Grabstock kann überall gefunden werden und muß nicht mitgetragen werden. [ich werde weiterhin mein Taschenmesser für holzige Pflanzen benutzen, an denen ich größeren Schaden anrichten würde, wenn ich versuchen würde, sie ohne Messer zu ernten]
  • Feuer. Wo auch immer sich die Aborigines niederlassen, entzünden sie zuerst ein Feuer. Mears sagte, dies würde ihnen „a sense of place“ geben.
  • Wissen großzügig teilen: nur wenn viele Mitglieder der Gruppe das Wissen tragen, ist es geschützt und kann weiterhin aktiv genutzt werden. Was für die Aborigines die mündliche Tradition ist, sind für uns schriftliche Niederlegungen.

Wer sich dafür interessiert, wie Mears und Hillman ihre in Australien erworbenen Kenntnisse auf den Britischen Inseln umgesetzt haben und wie ihr Experiment, sich allein aus der Natur zu ernähren, verlaufen ist, hier geht’s zur ersten Folge.

In der letzten Saison war mein Ziel, insgesamt mehr wilde Nahrung zu sammeln und zu essen. Das ist mir gelungen. Für diese Saison habe ich kein klares Ziel. Ich möchte einfach weiterhin gute Gelegenheiten nutzen und noch mehr Wissen erwerben.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 3. März 2016 und wurde abgelegt unter "Foraging, Fruit & Root". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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