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Traubenkirschen

Je länger ich mich mit Pflanzen beschäftige, desto feinfühliger scheine ich für ihre Botschaften zu werden. Dieser Satz ist übrigens überhaupt nicht esoterisch gemeint 🙂 Es ist nur so, daß ich immer wieder feststelle, wie sehr Pflanzen mit uns Menschen schwingen und in Resonanz treten wollen, wenn wir sie lassen.

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diese Aufnahme entstand zwei Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme: jetzt sind schon viele Kirschen reif (dunkelrot)

Um das mal zu konkretisieren, habe ich mir das Beispiel von den Traubenkirschen herausgepickt. Bis vor ein paar Wochen hatte ich keine Ahnung davon, daß es Traubenkirschen gibt. Als wir dann neulich foragen waren, fielen mir einige Bäume auf, an denen in Trauben kleine Früchte hingen, deren Farben von grün bis knallrot reichten.

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sonnenverwöhnte Traubenkirschen: prall, saftig und dunkelrot bis fast schon schwarz

Ohne zu wissen, was das für Bäume waren, ließ ich mich auf das ein, was an inneren Bildern nach oben kam, während ich die Pflanzen betrachtete. Das war durchgängig positiv. Ich hatte den Eindruck eines nährenden, den Menschen zugewandten Wesens. Ich besah mir den Wuchs, die Blätter, die Borke und die Früchte. Ich war mir so sicher, daß der Baum bzw. seine Blätter und Früchte eßbar sind, daß ich eine Frucht in den Mund nahm, auf sie biß und den Kern wieder ausspuckte. Das Fruchtfleisch war sehr sauer und zog mir alles zusammen.

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meine Ausbeute: 2 kg Traubenkischen

Das ist definitiv kein Vorgehen, zu dem ich ermutigen möchte! Wenn man nicht weiß, was man vor sich hat, tut man gut daran, es beim Foragen auszulassen, vor allem wenn man unerfahren ist. Ich jedenfalls war mir meiner Sache sicher, hatte aber Probleme, die Pflanze in einem meiner Bestimmungsbücher zu finden. Und wieder trat sie mit mir in Kontakt. Aus dem Nichts kam mir plötzlich der Name „Traubenkirsche“ in den Sinn und als ich danach suchte, fand ich den Baum sofort. Natürlich kann man damit argumentieren, daß ich den Begriff schon mal irgendwo gehört und abgespeichert hatte, aber genau solche Begegnungen habe ich derart oft mit Pflanzen, daß ich längst nicht mehr an einen Zufall glaube.

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die ‚Flotte Lotte‘ richtet’s

Zwei Wochen später kam ich an den Platz zurück. In der Zwischenzeit waren etwa 50% der Traubenkirschen herangereift und schmeckten nun gar nicht mehr sauer, sondern ausnehmend süß mit einer leichten Bitternote. Im Grunde wie die Kirschen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. In kürzester Zeit sammelte ich rund 2 kg zusammen – wie immer beim Foragen darauf achtend, daß genug für Vögel und andere Tiere zurückbleibt. Beim Sammeln wurde ich dann auch von ein paar Staren begleitet, die in den Kronen der Bäume reife Kirschen fraßen.

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die Essenz der Traubenkirsche

Wieder daheim habe ich die Traubenkirschen mit etwas Wasser aufgekocht, bis das Fruchtfleisch von den Kernen fiel. Die Früchte wurden durch die Flotte Lotte passiert, um Kerne und Stiele auszusondern. Das gewonnene Fruchtmark wurde abgewogen und mit derselben Menge Zucker sowie dem Saft von drei Zitronen aufgekocht.

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2 kg Traubenkirschen verkochen zu etwa 4 bis 5 großen Gläsern Marmelade

Anders als beim Arbeiten mit Gelierzucker muß man bei der klassischen Marmelade-Herstellung etwa alle 30 Sekunden eine Gelierprobe machen, damit man den perfekten Zeitpunkt nicht versäumt.

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Forager’s delight

Das Ergebnis ist eine fein-süße Marmelade mit ganz zarter Bitternote. Sowas kann man jedenfalls in keinem Laden kaufen 🙂

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 14. August 2015 und wurde abgelegt unter "Foraging, Fruit & Root". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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