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Aquarellmalerei: ein Update

In diesem Sommer habe ich viel Zeit vorm Rechner verbracht. Mehr Zeit, als ich gedacht und mir gewünscht hätte, weil mich ein Hexenschuß, diverse Infekte und letztlich auch die unerträgliche Hitze von anderen Dingen abgehalten haben. Ich habe dann versucht, die Zeit, die ich eigentlich als mehr oder weniger verschwendet betrachtet habe, für mich zu nutzen, und ich glaube, das ist mir auch geglückt. Ich habe nämlich wirklich Stunden und Stunden Video-Tutorials zu verschiedenen Aquarelltechniken bei YouTube geschaut und dabei eine Menge Inspiration und Know How mitnehmen können.

Mir ist außerdem bewußt geworden, was ich an meinen bisherigen Aquarellen unstimmig fand: das Papierweiß fehlte. Und in meiner Palette fehlten mir warme Gelb- und Erdtöne, außerdem ein freundlicheres Blau. Diese Woche war ich also noch einmal im Kunstmarkt meines Vertrauens und habe nachgerüstet. Wo ich schon mal da war, habe ich mir auch ein Türkis mitgenommen, das ich mir wahrscheinlich einfach hätte mischen können, aber als ich vor den Farben stand, fragte ich mich, warum ich zu mir selbst immer so geizig bin. Meinem Sohn bringe ich vom Einkaufen regelmäßig etwas Süßes oder eine kleine Überraschung mit, aber bei einem Näpfchen Farbe für mich kneife ich? Also habe ich es eingepackt (was ein merkwürdiges Gefühl war…ich scheine zu denken, für mich selbst dürfe ich nur das Nötigste kaufen).

Mitgenommen habe ich außerdem noch zwei Pinsel. Ich habe bisher meist mit Rundpinseln aus Rotmarderhaar gemalt, hatte aber bei einigen Aquarellisten sog. Kalligraphie-Pinsel gesehen. Diese bestehen aus Eichhörnchenhaaren (Feh) und fassen mehr Wasser und Farbe als die Rotmarder-Pinsel, wodurch sie die nass-in-nass-Technik begünstigen. Man kann sie aber auch sehr gut für die nass-auf-trocken- und die trocken-auf-trocken-Technik nehmen, vorausgesetzt, man drückt sie aus (und trocknet sie auch noch an einem Tuch ab).

Auch hinsichtlich der Maltechnik habe ich in diesem Sommer viel gelernt. Bisher habe ich eher realistische Landschaftsmalerei betrieben, angeregt von Terry Harrison (naturalistisch, relativ trockenes Malen). Jetzt jedoch gehe ich einen Schritt ins Abstrakte und verwende eher ungewöhnlichere Farben wie etwa Violett für den Himmel etc. Obendrein male ich jetzt nasser und in mehr Lasuren (Schichten). Die Ergebnisse sind dadurch oft überraschend und frisch und es macht sehr viel mehr Freude, so experimentell zu arbeiten.

Ich zeige eigentlich keine Photos von meinen Arbeiten hier auf dem Blog, mal abgesehen davon, daß ich den Header aquarelliert habe. Warum? Malen ist für mich, anders als sämtliche anderen kreativen Techniken, die ich betreibe, Ausdruck eines inneren Prozesses. Malen erscheint mir viel persönlicher als alles andere und da ich ein sehr introvertierter Mensch bin, kommt es mir falsch vor, meine Bilder zu präsentieren, einfach weil ich das Gefühl hätte, das wäre ein unangemessener Seelenstrip. Beim Malen habe ich auch die größten Hemmungen. Andere kreative Techniken probiere ich einfach mal aus, tüddel ein bißchen herum, habe Spaß. Aber weil Malen von „ganz tief unten“ kommt, ist es mir Ängsten besetzt, die ich bei anderen Techniken nicht verspüre. Malen ist Privatsache 😀

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 12. September 2015 und wurde abgelegt unter "Craft & Creation". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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